Vier HipHop-Dokus, über die Niemand spricht

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Heute läuft mit „Wenn der Vorhang fällt“ eine der bisher umfangreichsten Dokumentarfilme über die deutsche HipHop-Geschichte in den Kinos an. Filmemacher Michael Münch und sein Team haben über drei Jahre den Weg der hiesigen Szene aus den Kinderzimmern über den HipHop-Boom ab 2000 und die Aggro-Ära bis zur neuen „Neuen Reimgeneration“ nachgezeichnet. Generationsübergreifend und komplett O-Ton-basiert mit Marteria, Toni L, Fatoni, Main Concept, Prinz Pi und vielen mehr. Bevor der Film ab morgen in ausgewählten Kinos in der gesamten Bundesrepublik zu sehen ist, haben wir unsere liebsten Dokus über HipHop zusammengetragen, über die sonst niemand spricht. Eine Liste garantiert ohne „Lost in Music“, ohne „Beef“ und, ja, auch ohne „Stylewars“.

01

Follow Your Heart (2008)

Der Dokumentarfilm „Follow Your Heart“ interviewt verschiedene HipHop- und Graffiti-Künstler aus China: im künstlerisch-hippen Shanghai, im verruchten Hong Kong, aber auch in teilweise bettelarmen Vorstädten. Immer im Balanceakt zwischen politischen Repressionen, der konfuzianisch geprägten Tradition und der starken Zuversicht auf eine bessere Zukunft, ist diese Doku vor allem ein Film über den Idealismus von Aktivisten. Eine faszinierende Sicht auf die chinesischen Millenials, die inmitten des gesellschaftlichen Wandels zu Cocakolonisierung und Pop-Kultur in dieser (nicht mehr ganz so) jungen Bewegung aus der Boogie Down Bronx eine Stimme gefunden haben. Man merke: HipHop is something you live.

02

A Tale From The Hood (2003)

Underdogs on top: Peter Hermann und Harald Rumpf begleiteten in „A Tale From The Hood“ den mittlerweile verstorbenen I.G. Off und seinen Sidekick Hazadus auf ihrem Weg durch den New Yorker HipHop-Underground zu Beginn des neuen Jahrtausends – schonungslos, ehrlich und atemberaubend authentisch. Der Film von 2003 zeigt intime, bedrückende, lustige und auch befremdliche Einblicke in das Leben zweier Untergrund-Rapper, die eigentlich als Pflegekraft für behinderte Menschen und Friseur arbeiten, aber niemals den unbändigem Willen, mit Rap Karriere und Geld zu machen, aufgeben. Freestyle-Sessions mit Saigon, Aufnahmen mit Kool G Rap, das Überleben in der Hood – „A Tale From The Hood“ ist eine Hommage an die Hoffnung, naive Träume und die unbezwingbare Liebe zu HipHop. The world is yours.

03

I Love Hip Hop In Morocco (2007)

Das Narrativ von „I Love Hip Hop In Morroco“ ist so alt, wie der HipHop-Film (und HipHop) selbst: Es geht um die Organisation einer Jam. Allerdings geben sich MC Bigg, H-Kayne, Fnaïre, Brown Fingaz, Mot de Passe oder DJ Key nicht damit zufrieden, im kulturverbundenen Lokalhelden-Status zu verweilen und ewig die gleichen Jugendhaus-Jams zu spielen. Es geht viel mehr um die Realisierung des ersten HipHop-Festivals überhaupt in Nordafrika. Man muss nicht streng religiös sein, um zu erahnen, welche Schwierigkeiten, welche Emotionen und welche Sanktionen den Protagonisten in einem muslimisch-konservativ geprägten Land erfahren, das von Amensty International bis heute für seine Nichtachtung von Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit stark kritisiert wird. „I Love Hip Hop In Morocco“ ist damit nicht nur eine herzerwärmende Story über die universelle Kraft der Leidenschaft, sondern auch ein Manifest gegen Unterdrückung, Armut und für die Freiheit. One Love.

04

Slingshot Hiphop (2008)

„Slingshot HipHop“ porträtiert den Werdegang des Trios DAM aus Palästina, das über die Inspiration durch us-amerikanischer wie französische Rap-Heroen im HipHop einen Ausdruck über die Frustration der gesellschaftlichen und politischen Lage ihrer Heimat findet. DAM steht für „Da Arabian MCs“ und besteht aus den Rappern Tamer, Suhell Nafar und Mahmood Jrere, die durch ihre Musik – symbolisch in arabisch, englisch und herbäisch verfasst – versuchen, das Leben ihrer Mitmenschen im Konfliktgebiet des Nahen Ostens zu verbessern. Auch wenn der komplexe Israel-Palästina-Konflikt in Dokumentarfilm-Form sicherlich nicht zu den konsumfreudigsten Ideen gehört, zählt „Slingshot Hip Hop“ zu den aufwühlendsten und spannendsten Rap-Dokus, die vor allem wie kaum eine andere den filmischen Beweis liefert, dass HipHop ein globales Phänomen ist.