Hannah Faith – „Die Vorstellung, etwas zu verpassen, ist eine Illusion.“

von am

Ihre Mixes laufen seit geraumer Zeit bei allen Menschen rauf und runter, die auf dope, experimentelle Beats stehen: Hannah Faith. Auf Soundcloud, Mixcloud und Instagram hat sie ein beachtliches Following, und wird immer dann genannt, wenn es um Soulection und den Dunstkreis um das Label aus L.A. geht. Tereza hat die Londonerin für einen gemeinsamen DJ-Gig nach Hamburg in den Kleinen Donner eingeladen und ihr ein paar Fragen gestellt.

Du bist in London geboren und aufgewachsen, aber weder was Mode noch den Vibe in deinen Mixes angeht, bist du das typische London-Postergirl. Inwiefern inspiriert dich London? Wie siehst du die lokale Musikszene?

London ist großartig! Es ist meine Heimat und wird es immer bleiben. London ist so eine schnelllebige Stadt voller Möglichkeiten. Ich treffe jeden Tag unglaubliche Menschen und der Vibe an sich ist einmalig. Die Future-Beats-Szene wächst sehr schnell und die Leute nehmen die Musik sehr gut auf. Zu sehen, wie aus einer Clubnacht in einem kleinen Keller mit 200 Leuten Konzerte mit 2.000 Leuten wurden, inspiriert mich definitiv, immer weiter zu machen.

Wie hast du den neuen Grime-Hype in 2015 erlebt?

Ha! Ich bin mit Grime aufgewachsen. Während meiner Schulzeit war das ein großes Ding bei den Jungs in meiner Schule. Sie trafen sich regelmäßig und rappten über Grime-Instrumentals. Die Tatsache, dass das so groß geworden ist, finde ich unglaublich. Es ist schön zu sehen, dass die britische Musikkultur immer weiter wächst.

Konstant neue Musik zu finden, ist für dich ebenfalls sehr wichtig. Wie gehst du vor, wenn es um deine Selection geht?

Das ist mir wirklich sehr wichtig. Ich würde sagen, ich bin ein digitaler Digger. Ich verbringe sehr viel Zeit damit, im Netz nach Musik zu suchen, seien es nun zeitlose Klassiker oder ganz neue Sachen aus der Underground-Szene. Soundcloud ist dabei meine Lieblingsseite im Netz, was Musik angeht.

Du bist schon sehr viel rumgekommen und hast in allen möglichen Ländern in Clubs und auf Festivals gespielt. Welche Städte haben dich besonders beeindruckt?

Ich sag das jetzt nicht, weil ich hier spiele, aber: Deutschland ist definitiv mein Lieblingsland, was das angeht. Der Vibe ist immer großartig und die Crowd nimmt sehr gut auf, was ich spiele. Ich spüre jedenfalls die Liebe, immer wenn ich hier bin.

„Es kann einen schon überwältigen, wenn man sich die Leben der anderen im Netz anschaut und sich irgendwann fragt, ob man selbst genug auf die Kette bekommt.“


Du bist Teil des Soulection-Kollektivs. 2015 war ein sehr gutes Jahr für die Gang: weltweite Touren, die „Beats1“-Radioshow … Und mittlerweile versuchen auch sehr viele junge Produzenten, Musik zu produzieren, die diesen Soulection-Vibe hat. Wie stehst du zu dieser Entwicklung?

Also ich finde das dope. Es zeigt doch, wie viel Macht Musik hat, wenn dieser Sound so viele junge Menschen erreicht und Produzenten inspiriert hat, selber etwas zu starten. Ich finde es großartig, dass immer mehr Leute offen sind für experimentellen Sound.

Du hast erst vor kurzem angefangen aufzulegen und wurdest über Soundcloud und Instagram relativ schnell bekannt. Allerdings musstest du 2015 auch eine Pause einlegen, weil du mit ein paar Schwierigkeiten zu kämpfen hattest. Also: Internet – Fluch oder Segen?

Ein bisschen von beidem. Es hängt natürlich davon ab, wie du das Netz für dich nutzt – es ist schlicht und ergreifend ein Werkzeug. Es kann einen schon überwältigen, wenn man sich die Leben der anderen im Netz anschaut und sich irgendwann fragt, ob man selbst genug auf die Kette bekommt. Aber in Wahrheit sind wir eben alle unterschiedlich, und es ist auch vollkommen okay, wenn man in seiner eigenen Geschwindigkeit lebt. Die Leben der anderen sind nicht das, was dein eigenes Leben definiert. Wenn du der Meinung bist, dass deine Online-Präsenz überhand nimmt, dann ist es völlig okay, auch mal Abstand davon zu nehmen. Die Vorstellung, etwas zu verpassen, ist eine Illusion.

Was hast du 2016 noch vor?

Reisen, reisen, reisen. Neue Visuals, neue Musik – und ich habe einen Podcast geplant!

Fotos: Philipp Stengelin (The Face Of Turn Up)