Was zur Hölle sind Halftime und Future D’n’B? – 6+1 Essentials von Soulmind

von am

Heute Abend steigt die fünften Ausgabe der New-Forms-Party von Kabuki und dBridge im Berliner Watergate. Dieses Mal widmen sich die beiden Nerds einem ominösen Genre, das als „Halftime“ und „Future D’n’B“ getauft wurde – im Grunde einfach eine etwas langsamere Ausprägung von Drum’n’Bass. Passend zum neuen Sound hat der dritte Nerd im Bunde, Soulmind, einen ganzen Mix gezimmert, in dem er obendrein seine Faszination für Fernost integriert hat: „60 chambers of futuristic Shaolin madness.“ Für uns hat er 6+1 großartige Beispiele für den neuen Sound vorgestellt. Wer Kabuki, dBridge, Soulmind und dazu Addison Groove heute Abend live erleben, findet ganz unten auch eine spontane Verlosung.

01

J:Kenzo & Nomine – Blind Man (Om Unit Remix)

Was könnte es Besseres als Einleitung geben als diesen Track mit einem berühmten Shaolin-Sample? In der heutigen, hektischen Zeit schadet es wahrlich nicht, die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass man ruhig richtig hinhören sollte. Ich glaube, durch diesen Remix von Om Unit bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, Stunden an Shaolin-Material durchzuhören, von denen es dann die besten Sachen in den Mix geschafft haben – verteilt in viele kleine Sprachfetzen. Ich finde auch das langsamere Original von Nomine großartig, habe aber auch neulich auf Facebook gelesen, es sei “der langweiligste Dubstep-Track aller Zeiten”. Es stimmt ja nicht immer alles, was im Internet steht.

02

Up High Collective – Nightways

Die Belgier hinter dem Tangram-Label sind zwar noch kein Household-Name und international in aller Munde, aber was insbesondere Up High Collective auf ihren letzten EPs veranstaltet haben (dieser Track ist von der „Kineticuts“-EP), fand ich durchgehend beeindruckend. Auf dem Label sind auch viele weitere talentierte Artists wie LTGL zu finden, was Tangram mittlerweile einen Geheimtipp-Status in der Beats-Szene verschafft hat. Sie tauchten in Radioshows und Livesets von Tastemakern wie The Gaslamp Killer oder Lefto auf. Und auch bei den Berliner Jungs von BeatGeeks waren sie bereits an einem Dienstag im Monarch zu Gast und haben voll überzeugt.

03

Alix Perez feat. Riko Dan – Warlord/Alix Perez – Rip N Dip

Eigentlich sind diese beiden Tunes sich beim ersten Hinhören gar nicht so wahnsinnig ähnlich. Auf der einen Seite ist dieser Future-Dancehall-Tune mit der unfassbar einnehmenden Stimme von Riko Dan und seinem Flow, der den Mix komplett dominiert und trotz aller Düsterheit mit seiner Stimme Wärme mitbringt. Auf der anderen Seite ist der ultraharte, stripped down UK-Tune “Rip N Dip” von Alix Perez mit Samples kalt wie ein Gefrierschrank. Aber seitdem ich die beiden Tunes eher aus Versehen einmal genau so aneinandergereiht hatte, wie man das nun in dem Mix hören kann, werde ich sie wohl live nie wieder trennen können. Bretter!

04

Busta Rhymes – Bounce (Let Me See Ya Throw It)

Wer einem HipHop-Fan erzählt, wie gut Busta Rhymes in den Tagen von “Genesis” war, kann auch einfach verdammt viele Eulen zur Akropolis tragen. Aber dieser – meiner Meinung nach gnadenlos unterschätzte – Track von Busta Rhymes versteckt sich fast ein bisschen in der Mitte dieses Albums. Und wer hat ihn produziert? Ich glaube, beim ersten Hinhören würde keiner widersprechen, wenn man Dr. Dre proklamieren würde, der für mehrere Klassiker auf dem Album an den Reglern stand. Und mit Producern wie den Neptunes, Just Blaze, Nottz oder J Dilla oder auch Legenden wie Pete Rock und Diamond D an Bord sind die Beats auf dem Album mehr als nur prominent besetzt. Aber wer hat ihn denn nun produziert? Mel-Man. Wer? Okay, nicht ganz so bekannt. Aber wo hat der noch so seine Finger im Spiel gehabt, außer bei Buju Banton und Gucci Mane? Auf Dr. Dres “2001” – und bestimmt mehr als das in den Liner Notes dokumentiert wurde. Und alles ergibt wieder Sinn.

05

aywy. x EphRem – Adderall

Zum Offensichtlichen: Erstens, für alle HipHop-Heads gibt’s hier ein Danny Brown Sample (“Bitch, I wanna party like Chris Farley.”) – und zweitens, dieser Tune klatscht einfach nur wie bescheuert. Ganz in der Tradition von der ersten TNGHT-EP und den Hunderten von Nachahmern seitdem sind die Trap-Posaunen hier mal wieder in Höchstform. Das mag vielleicht nicht der Gipfel der Innovation sein, den die beiden Producer hier erklimmen – aber wer den Tune mal auf einer vollen Party erlebt hat, versteht auch die Chris-Farley-Referenz vollkommen (Chris Farley war ein Comedian, u.a. von Saturday Night Live, der äußerst wild gelebt hat und wie ein Rockstar gestorben ist, Anm. d. Verf.).

06

Bukez Finezt – Luigi’s Lowrider

Dieser Track lädt sofort zum hemmungslosen Kopfnicken ein, sobald der Beat droppt. Mit seiner hypnotischen 8-Bit-Gameboy-mäßigen Melodie, dem klassischen HipHop-Bounce und den repetitiven Vocalfetzen, die den Track immer weiter voran schieben, funktioniert er auf jeder Party – zumindest für mich. Keine Ahnung, warum ich den sonst noch nie auf einer HipHop-Party gehört habe, aber vielleicht liegt das daran, dass zu viele DJs damit beschäftigt sind, “Ante Up”, “Break Ya Neck” und “Da Rockwilder” in ihr Serato zu laden. Oder es ist darauf zurückzuführen, dass er ganz unprätentiös auf einer kostenlosen Compilation aus Köln veröffentlicht wurde, die “The Smell Of Low Frequencies” heißt.

XX

Bonus: XXX – XXX

Was ich auf der Tracklist nicht verraten wollte, kann ich ja hier tun. Wir sind ja unter uns. Ab Minute 50:50 läuft ein unreleaseter Tune von Radar Bird aus meiner Crew Through My Speakers. Er hat ihn speziell für sein Liveset auf dem diesjährigen splash! Festival produziert. Generell hat er sich viel Mühe mit seinem Set gegeben und unzählige neue Sachen produziert – und den Unterschied zu vielen anderen “Live Performern” hört man dann auch. Ich weiß noch genau, wie die Premiere war: Ich kam gerade vom Feel Festival in Gräfenhainichen an und lief zur schönen Green Stage. Erstmal war ich froh, dass da eine ziemliche Menschenmenge tanzte und feierte. Und ein paar Sekunden später dachte ich: Was zur Hölle ist das für 1 Track? Genau mein Ding: orientalisches Sample, drückt ordentlich – aber groovet eigentlich ganz entspannt und gefühlt langsam vor sich hin. Namen hingegen sind nur Schall und Rauch.

Wer heute Abend zu New Forms mit DBridge, Kabuki, Soulmind und Addison Groove möchte, schreibt uns ganz schnell eine Mail mit dem Betreff „New Forms“ an win@splash-mag.de unter Angabe des echten Namens. Die ersten beiden Einsender gewinnen jeweils einen Gästelistenplatz +1. Mehr Infos zum Event gibt’s auf Facebook.