White girls can jump: Haiyti im Adrenalinrausch

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Haiytis überbrodelndes Release-Pensum ist auch 2017 nicht am Zenit. Noch im Januar hatte der Girlboss-Gangster mit dem Producer-Team die Achse in der „Jango EP“ den Nachfolger zum „Nightliner“-Tape vorgelegt, um nun – rund anderthalb Jahre nach ihrem Durchbruchsrelease „City Tarif“ – auf ihren alten Wegbegleiter Asadjohn zurückzukommen.

Es gibt keine Atempause in Haiyits Welt – nach dem Release ist vor dem Release. „Adrenalin, wenn wir auf Tankstellen fahren/Banknoten fallen, Handstand vor allen“, heißt es dazu auf dem neuen Tune „Moscow Mule“ im metaphorisierter Straßenrap-Sprech. Überhaupt morpht sich die kurzkettige Energie-Dosis aus der Musikmaschine von Asadjohn in betont gleichgültiger Lässigkeit in die Membrane, was der Timo-Milbredt-Clip in typischer Low-Fi-Igonranz nur noch verstärkt. Wie immer bei Haiyit geht es nicht um langzeitliche Kunst-Konzepte, sondern um die Magie des Moments – ein Rap-Song wie ein Snap. Denn der unterkühlte Synthie-Heuler dient obendrein als Vorbote für das ebenfalls neue Mixtape „Follow mich nicht“, das laut Videobeschreibung am 24.03. erscheint. Puh.

Auch auf „White Girl Mit Luger“, der gerade erschienenen Solo-EP von Haiyti, schnoddert sich die Hamburgerin ausschließlich über Asadjohns Instrumentalwerk. „Ándale, ándale, mache wieder fit/Ich bin diese Bitch“, stolpert sie gleich im titelgebenden Opener in ihrer eigentümlichen Hardcore-Delivery, die sich als eine Mischung aus rap-sozialisierter Straßenkante, der überzogenen Ästhetik einer Vivienne Westwood und der ironischen Distanz eines autarken Künstlers zu einem regelrechten Deutschrap-Pedant des radical chic entwickelt hat. Wenn Haiyti nicht gerade ihre Vorliebe für den Lebensstil der italienischen Schickeria ausdrückt („Italiano“) oder ihre „Läufer“ ins Nachtleben entlässt, um unversteuerte Konsumgüter absetzen zu lassen, ist so vor allem weiterhin die Speersptize des überdrehten Krawallmacher-Raps. Die größte Überraschung auf dem neuen Release ist allerdings „Pimp Slap Daddy“, dessen runtergefahrene Schmalzlocken-Synthies sich Leguan-artig über Asadjohns typisch reduziertes Drumplay räkeln und mit einem Gastpart von Tamas aufwartet. Dennoch bleibt Haiyti ihrer Mehrspur-Delivery aus Meta-Adlibs und absurden Denglisch-Street-Tales auch in der vorliegenden Viertelstunde treu: „Bleiche Girls wie Pappmachè/Mache aus den Batzen Schnee/Lass mal kurz ma’ KaDeWe/Alle meine Feinde in der Charité“. Den geschmeidige Arrangement-Apparat von Asadjohn umschmeichelt die Reeperbahn-Rotzgöre in lässiger Kaltschnauzigkeit und stellt damit ein für alle mal klar: weiße Girls bring’s doch!