Fünf Sterne Deluxe: „Ein Ei ist ein fragiles Versprechen an die Zukunft“ // Interview

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Das Bo, Tobi Tobsen, Marcnesium und DJ Coolman waren schon immer Außenseiter in der deutschen HipHop-Szene. Das galt vor 17 Jahren, als sie als mehr oder weniger selbsternannte „Hip Hop Clowns und Party-Rapper“ auf der Schaumkrone des ersten deutschen HipHop-Hypes über Rockfestivals und durch Mainstream-Radios tourten, genauso wie heute, wo sich Rapper Das Bo und Rapper/Producer Tobi Tobsen erneut auf die Suche nach dem „Flash“ begeben – nicht ohne Grund haben sie ihr Comeback-Album auch nach jenem von ihnen mitgeprägten Begriff benannt, der für eine ganze Generation Rap-Hörer ein Synonym für Ausgelassenheit, Inspiration, Freigeistigkeit ist. Unser Autor Fionn Birr traf sich mit den Klamauk-Pionieren Das Bo und Tobi Tobsen zum Gespräch – ein Interview über Schlägereien mit Too Strong und dem Ursprung des Wortes „Digger“.

Ihr habt 2014 wieder auf dem splash! gespielt. Was ist eure letzte Erinnerung an das splash!?

Das Bo: Das war die letzte Show, als wir noch einen, wie wir sagen würden, „Phasendreher“ in den ersten drei Songs drin hatten – der Sound war anfangs katastrophal und wir haben uns gewundert, warum die Leute so eingemeißelt da standen, als spielten wir gerade vor der chinesischen Terrakotta-Armee. Das hat sich aber Gott sei Dank noch gebessert später. Generell sind all unsere splash!-Shows aber die besten und größten HipHop-Erinnerungem, die wir haben. Wir haben in den Jahren 1999 bis 2001 jedes Jahr am Stausee Oberrabenstein gespielt – das ist ja noch die „gute alte Zeit“, wenn man das so sagen kann. Da gab es gerade den ersten deutschen HipHop-Boom und alle hatten ein euphorisches, geiles Gefühl, weil alles immer größer wurde. Das war der erste Hype. Heute ist das ja ganz normal, HipHop ist einer der einflussreichsten Musikstile überhaupt. In diesem Sinne gibt es in Deutschland zum Beispiel ja auch keine „Szene“ mehr. Heutzutage hören ja alle alles und suchen sich nicht mehr eine Subkultur aus, die sie dann exzessiv unter „Gleichgesinnten“ konsumieren.

Ist das denn etwas, was ihr vermisst?

Das Bo: Damals waren wir noch in der „Eier“-Phase. Aber nicht im Sinne von Geschlechtsmerkmalen, sondern: ein Ei ist in erster Linie ein fragiles Versprechen an die Zukunft (Gelächter). In so einer Phase befanden wir uns damals, diese dünne Schicht an Gefühlen haben sich erst allmählich zu einem starken Konstrukt aus Kreativität und Flash zusammengefügt. Deswegen kann man den Auftritt von 2014 und den von 1999 überhaupt nicht miteinander vergleichen. Wir sind früher ja auch schon angefeindet worden, weil wir HipHop in den Augen von anderen verarschen. Aber das hat uns auf eine bestimme Art befreit, weil wir sowieso nie etwas machen wollten, was wir nicht sind.Wenn man dann auch noch von einem bestimmten Kontext abgelehnt wird, ist man entweder eingeschüchtert und traut sich gar nichts, oder man macht es einfach so wie man will und der Rest ist einem egal. Letzteres war dann unsere Option. Heute, 17 Jahre nach „Neo Now“, sind wir uns viel mehr unserer selbst bewusst und sind in unseren Fähigkeiten so gereift, dass wir ganz andere Möglichkeiten haben, unsere kreative Energie umzusetzen. Wenn man es so sehen will, waren wir eigentlich immer eher „planlos“ und haben gespielt. Jetzt, bei „Flash“, sind wir auch nur unseren Instinkten gefolgt und haben einfach den ganzen Farbkasten benutzt und haben, glaube ich, eine 5-Sterne-Klassiker produziert.

Alben als „Klassiker“ zu bezeichnen, bevor sie rauskommen, ist aber durchaus fragwürdig.

Das Bo: Ich meinte ja auch einen „5-Sterne-Klassiker“ – das kann ich durchaus so sagen. Von den drei Klassikern, die wir haben, ist das auf jeden Fall einer. Da ist halt alles drauf, was Spaß macht – wir haben Referenzen an ganz alte Old-School-Sachen, die sogar noch früher als bei den 90ern ansetzen, aber eben auch moderne Stilistiken. Alles, was flasht, ganz einfach. Das ist auch anders, als es viele heute machen. Die suchen sich ein bestimmtes Klangbild und versuchen dem dann gerecht zu werden, bei uns steht das Feeling aber über dem eigentlichen Sound. Der Kern ist natürlich ganz klar HipHop, aber wir sind auch musikalisch heute auch noch gereifter und offener, sodass wir uns auch in dieser Beziehung nicht zurückgehalten haben.

Wie schwer war die Kompromiss-Findung im Bandgefüge nach 17 Jahren ohne Album?

Tobi Tobsen: Interessanterweise war das eher ein Vorteil, dass wir beide über die letzten Jahre eben auch unsere eigenen musikalischen Erfahrungen gemacht haben. Wir konnten aus diesen beiden Horizonten schöpfen – da gab es auch fast ausschließlich Überschneidungen. Es musste gar kein Kompromiss gefunden werden, weil jeder immer nur seinen Teil dazutun musste, der von der anderen Seite offen gelassen wurde.

Das Bo: Es gab auch gar keine Diskussionen, der Anfang war: einfach machen. Wir kriegen in den Interviews jetzt witzigerweise Fragen über Dinge gestellt, mit denen wir uns gar nicht beschäftigt haben oder gar mussten. Anfangs haben wir natürlich auch in die Tonne produziert, aber wir haben immer gesammelt und alles laufen lassen. Wenn der Song dann nicht mehr vom Flash getragen wurde, haben wir eben etwas neues gemacht.

Du erwähnst bereits mehrfach den „Flash“, wie das Album ja auch heißt. Warum war er „zerrockt und kaputt“, wie ihr im Intro andeutet?

Das Bo: Gegenfrage: Wer hat denn so in den letzten fünf Jahren so richtig abgeflasht? Gibt es das Wort überhaupt noch? (guckt fragend in die Runde)

Selbst, wenn wir nicht aus so einem Straßenrap-Film kommen, sind wir eigentlich immer real gewesen[…] wir waren immer echt.

Das Bo

Das Wort wird so nicht mehr verwendet, aber in diesem Sinne kann man ja schon sagen, dass z.B. Marteria oder Casper im Flash waren, aktuell auch LGoony oder Rin, dem Konventionen und Erwartungshaltungen ja weitestgehend egal sind.

Das Bo: Ist das ein Flash? Ein Flash hat ja etwas mit Freiheit zu tun. Die Sachen, die du da jetzt genannt hast, sind sehr speziell und bewusst, sehr konzentriert. Das ist gar kein Affront oder eine Wertung. Aber wenn man sich Rin oder diese Cloud-Rap-Ecke ansieht, hört man von denen immer, das sei Kunst. Wir kommen ja noch aus einer Ära, als Realness das Maß aller Dinge war. Selbst, wenn wir nicht aus so einem Straßenrap-Film kommen, sind wir eigentlich immer real gewesen, im wahrsten Sinne des Wortes: wir waren immer echt.

Aber genau dieser Realness-Anspruch innerhalb der HipHop-Szene hat euch doch diesen Ruf eingebracht, HipHop aufs Korn zu nehmen.

Das Bo: Eigentlich hat uns die Realness am Ende aus diesen Anfeindungen rausgeholt. Die Szene-Leute haben oberflächlich erstmal gesehen, dass wir da irgendeinen Spaß machen und dachten, wir wollen HipHop in den Dreck ziehen. Als wir dann auch noch in die Charts kamen, war alles zu spät. Wenn Sie dann aber bei einer Show von uns waren, haben sie gesehen, dass wir einfach wirklich so sind und deswegen auch „real“. Da gibt es ja diese klassische Geschichte, als Too Strong zu einem Konzert von uns gegangen sind, um uns auf die Fresse zu hauen. Am Ende haben wir alle zusammen gesoffen und gefeiert – die haben einfach gemerkt, dass wir sind wie wir sind. Desto mehr du du selbst bleibst, desto mehr wirst du auch respektierst.Wenn du so tust, als seist du von der Straße, braucht ja nur einer um die Ecke kommen, der wirklich von der Straße kommt, und der riecht sofort, dass du lügst.

Wie habt ihr denn 5 Sterne Deluxe mit einem Abstand von 17 Jahren selbst wahrgenommen, während der Produktion?

Tobi Tobsen: Davon haben wir uns eigentlich komplett freigemacht. 2013 haben wir uns einfach so mal im Studio getroffen. Wir sollten einen Auftritt spielen auf der Trabrennbahn in Hamburg auf einem großen Festival und wollten dafür mindestens einen neuen Song für produzieren. Wir haben damals schon festgestellt: „Hä? Die Magie ist ja sofort wieder da!“ Wir konnten sofort loslegen, ohne großartig uns aufeinander einzustimmen. Das war einfach gleich wieder ein freundschaftliches Miteinander.

Aber gerade, wenn man alte Freunde trifft, verfällt man ja schnell in so eine Blase des Austauschs, in der es nur um die Vergangenheit geht, weil einen die Gegenwart nicht mehr miteinander verbindet.

Das Bo: Unsere Pause begann ja aber nicht mit einem Knall. Wir waren zehn Jahre als Gruppe im Kollektiv unterwegs, sodass es irgendwann einen natürlichen Drang gab, sich davon auch mal lösen zu wollen – wir sind ja alle auch starke Individuen. Aber genauso natürlich sind wir auch wieder zusammengekommen, da war kein Reißbrett aufgestellt und wir haben uns erstmal die Köpfe zerbrochen. Wir sind zusammengekommen und waren sofort wieder tight – das sind ja eigentlich die besten Freundschaften, wenn es sich ganz natürlich zusammenfügt. Wir haben während der Produktion auch gleich alles zugelassen und dadurch unseren eigenen Style wieder definieren können. Das ist ja wichtig, oder war zumindest früher wichtig.

Was ist denn heute dann wichtig? „Style“ wird im Prinzip heute einfach nur „Swag“ genannt.

Das Bo: Heute ist es eher so, dass man sagt, „es muss klingen wie“ und dann produziert man in diese Richtung. Das stört mich auch ein bisschen an der neuen Rap-Generation. Mich flasht das alles sehr, kein Front! Das sind 20-Jährige Kids, die ihren Film fahren. Ich war 2016 auf der splash!-Pre-Party in Hamburg und war total erstaunt, dass diese Kids gar nicht in so einem berechnetem Habitus agieren, wie mein Bild davon aus der Distanz vorher entstanden war. Da stand ich also und dachte: „Wow, die sind ja alle so alt, wie wir, als wir angefangen haben!“ Und im nächsten Moment: „Okay, wie krass sind die denn bitte drauf ?!“ (Gelächter) Die haben ja alle auch einen ganz selbstverständlichen Umgang mit der deutschen Sprache mittlerweile, was bei uns noch nicht so war.

Auf „Genau mein Ding“ heißt es u.a. „Ich feier alles ab, sogar mit lamen Hooks“ – wenn diese Aussage mit der Produktion aus Pad-Synths und in Kombination mit dem Auto-Tune-Einsatz stellt, könnte man das als Szene-Kritik deuten: Wie sehr setzt ihr euch mit deutschem Rap heute auseinander?

Das Bo: Wenn du die Zeile weiterhörst, zitieren wir in der nächsten Line unsere eigene Hook – „das ist genau mein Ding!“ Das ist eigentlich eher auf den Song und uns bezogen. Praktisch sagen wir, dass das auch so „lame“ ist. Das ist ja schon eher das Gegenteil einer Kritik. So gesehen, ist das ganze Setting ja sogar das cloud-rappigste von allen auf dem Album.

Inwiefern haben euch alte Wegbegleiter und Altersgenossen, wie z.B. das Comeback der Beginner im letzten Jahr, bei eurer Rückkehr inspiriert?

Tobi Tobsen: Wir sind ja doch ganz andere Typen, als die Jungs. Wir können aber im Allgemeinen auch gar nicht so „mathematisch“ denken – das ist viel zu konstruiert. Für uns war das Thema in erster Linie, sich freizumachen. Wir hatten so ein Gefühl, im Auge des Orkans zu sitzen und um uns herum ist das Chaos. Wir haben das gar nicht so sehr wahrgenommen und auf uns bezogen. Wir waren unsere eigene Ruheinsel.

Das Bo: Das ist eigentlich auch eines der großen Ziele, die wir mit dem Album erreichen wollten. Wir wollten einen Ausgleich schaffen. Gerade, weil sich so vieles in den letzten 20 Jahren geändert hat. Die soziale Struktur, die Welt, alles ist viel enger zusammengerückt und dadurch aber auch auf eine Art und Weise wieder auseinander. Die Leute kriegen heute ständig Input, man sieht zum Beispiel andauernd diesen blonden Freak in den USA, das Chaos ist allgegenwärtig. Laut, hart, doll – das ist der Konsens unserer Zeit, was man ja auch in allen aktuellen Musikstilen auf der Welt wahrnimmt. Unser Album sollte einfach eine Stunde zum Durchatmen bieten: flashen, sich in Gefühlen oder Aussagen wiederfinden, in abstrakte Welten abdriften und sich danach, wieder gestärkt, dem Wahnsinn aussetzen.

Das ist ja aber dann eine Art Konzept, das dem Album zu Grunde lag.

Das Bo: Naja, wir leben das ja so, das ist ja in dem Moment unsere Welt. Wir haben uns da nicht bewusst mit der politischen Weltlage auseinandergesetzt und hinterher ganz mechanisch einen Beat gemacht, der sich „voll easy“ anfühlt. Wir sind dann einfach easy. Ein Großteil des Albums kam einfach durch diesen wiedererwachten Spieltrieb in uns, der sich dann auch noch so geil anfühlt. Wir haben uns einfach gefreut, diese besondere Situation zu leben. Mit fortschreitendem Alter wird man ja auch ein bisschen reflektierter und weiß diese Dinge auch zu schätzen. Wir hatten in den letzten 20 Jahren auch wenig miteinander zu tun, was es dann nochmal zu etwas Besonderem macht.

Was sagt Westbam eigentlich dazu, dass ihr euch jetzt „Beatboxrocker“ nennt?

Tobi Tobsen: Wir haben ihn angerufen, er ist ein guter Freund von uns. Da haben wir über vieles geredet, wenig über den Song. Es war ein …

Das Bo: … sehr philosophischer Diskurs, würde ich mal sagen. Es ging um HipHop, es ging um elektronische Musik im Allgemeinen. …

Tobi Tobsen: …und um das Leben! Im Endeffekt gab es aber bezüglich des Songs von seiner Seite keine Bedenken. Wenn man das Original kennt, merkt man ja auch, dass unser „Beatboxrocker“ eine Hommage an seinen Track ist. So gesehen ist es sogar eine doppelte Hommage, weil Westbam da ja Sir-Mix-A-Lot gesampelt hat. Uns war es aber wichtig, dass wir das mit ihm absprechen – das hätte sonst auch komisch rüberkommen können.

In den 90ern haben sich viele HipHopper beschwert, dass Techno auf MTViva und im Radio so populär, aber HipHop stets unterrepräsentiert war – wie nehmt ihr die 90er heute wahr?

Das Bo: Wir waren einfach immer offen – Lexy und k-Paul hatten damals auch so einen Song namens „Freak“, der mir extrem gut gefallen hat. Ich habe anfangs aber wenig andere Musik gehört. Durch HipHop bin ich halt auf Jazz, Soul und Funk gekommen und die ganzen Ursprünge gekommen – natürlich ist da auch mal Kraftwerk zwischengerutscht, was ja schon elektronischer war. Tobi hat ja auch immer andere Sachen gemacht und damals schon zum Beispiel Acid-Jazz-Songs produziert – also Moonbootica sind ja auch nicht einfach so entstanden. Musik-historisch waren HipHop und Elektro ja eh am Anfang dasselbe, das hat sich ja erst später aufgesplittet. Es ist witzig, dass eine Band wie Kraftwerk da eigentlich auch beides gleichermaßen beeinflusst hat.

Kraftwerk streiten sich seit Jahren gerichtlich mit Moses P um ein Sample, man könnte sagen, dass sie heute nichts mehr damit zu tun haben wollen und dagegen arbeiten.

Das Bo: Ich weiß nicht. Wir haben auf „Moin Bumm Tschakk“ auch Kraftwerk gesampelt. Ralf Hötter hat von uns eine Anfrage bekommen, ob wir das verwenden dürfen, auch einen kleinen Brief dazu geschrieben und er meinte nur : „Joa, das ist ungewöhnlich. Aber gut, macht mal!“ Manchmal muss man einfach nur mal fragen. (lacht) Ralf Hütter, Digger,von Kraftwerk, geiler, entspannter Typ.

Es geht um Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe – die Ur-Antriebe des Menschen.

Das Bo

Ihr wart ja Teil des ersten deutschen HipHop-Hypes Ende der 1990er gewesen: Was hat sich in den letzten 25 Jahren nicht verändert?

Das Bo: Wir wahrscheinlich. Wir sind eigentlich immer noch so, wie wir sind. Der Ansatz unserer kreativen Ergüsse hat sich auch nicht geändert. Es geht um Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe – die Ur-Antriebe des Menschen. Und wir hoffen natürlich auch, dass der Flash auch noch immer stark ist und dass die Leute noch Bock auf Gefühle haben.

Ihr habt 1999, 2000, 2001, 2004 und 2014 auf dem splash! gespielt. Was ist eure erste Erinnerung ans splash!?

Das Bo: Das Schöne ist ja, dass diese ganzen Erinnerungen oft gepaart mit dem Konsum von bestimmten Substanzen einhergegangen sind, was es einem nicht so leicht macht, sie heute noch abzurufen. Ich erinnere mich aber natürlich an den Auftritt mit Biz Markie – oder, war das auf dem splash!? Ich habe ihn jedefalls pompös angekündigt, entsprechend seiner Statur, der ist ja auch so ein riesiger Klumpen und er kam auf die Bühne, um nach einer halben Strophe keine Luft mehr zu haben. Das war sensationell.

Tobi Tobsen: Ich weiß nicht mehr auf welchem splash! das war, aber es muss eines der ganz frühen gewesen sein. Die Geschichte ist auch gar nicht so spannend: Unser Soundmann war damals Vegetarier und hat im Catering-Zelt dann nach vegetarischem Essen gefragt. Die Damen hat das allerdings nicht beeindruckt, die haben ihm nur entgegnet, dass er ja auch mal ein bisschen Fleisch essen könne. (lacht)

Was empfindet ihr, wenn Leute heute „Digger“ zueinander sagen, aber nicht einmal wissen, dass das von Leuten wie euch zumindest mit-etabliert wurde?

Das Bo: Das war früher eigentlich krasser. Aber da war Slang auch noch Slang und nicht flächendeckende Jugendsprache. Als das erste Mal jemand in der Tagesschau gesagt hat „da geht was“ haben wir uns natürlich amüsiert und den Fernseher angebrüllt: „Alter, da geht so einiges!“ Aber heutzutage ist ja alles auf Jugendlichkeit ausgerichtet und die Sprachentwicklung ist fast schneller in den Medien, als sie überhaupt gesprochen wird. Aber das gibt es ja immer noch, Stichwort: „läuft bei dir“. „Atom“ ist gerade am Wachsen, habe ich gehört.

Tobi Tobsen: Grundsätzlich ist es aber schon auch ein gutes Gefühl, wenn Sachen, die du etabliert hast, so in der Masse präsent bleiben. Das hat ja auch ein paar Jahre gedauert. Der „Digger“ im Speziellen ist aber ein alter Hamburger Schnack, der auch gar nichts explizit mit HipHop zu tun hatte. Das war auch keine Abwandlung vom N-Wort oder so, als Hamburger hast du vermutlich das Wort „Digger“ noch vor dem anderen Wort das erste Mal gehört.