Flatbush Zombies – 3001: A Laced Odyssey

Dillon Cooper lümmelt sich mit Sido-Feature zum Lieblings-Ami aller Deutschrap-Kiddies, die Underarchievers sind gefühlt alle zwei Tage auf Welttournee und Pro Era rühmt sich mittlerweile mit Merchandise-Kunden aus dem Weißen Haus – das Beast-Coast-Kollektiv steht jetzt schon in einer Reihe mit so traditionsreichen New Yorker HipHop-Movements wie dem Wu-Tang Clan oder den Diplomats. Vier Jahre nach ihrem ersten WWWagnis „D.R.U.G.S“ wollen nun auch die Flatbush Zombies vom Internetforum-Geheimtipp in den weltweiten HipHop-Kanon ihrer Generation aufgenommen werden.

Mit „3001: A Laced Odyssey“ stehen Meechy Darko, Zombie Juice und Erick The Architect allerdings vor einem altbekannten Problem, an dem schon B.o.B, Wiz Khalifa oder auch Big K.R.I.T. gescheitert, 50 Cent, Action Bronson und Drake wiederum gewachsen sind : Wie verwandelt man Mixtape-Vorschusslorbeeren in das klassische LP-Format, um sowohl künstlerisch, als auch kommerziell für alte und mögliche neue Anhänger attraktiv zu sein?

„Die Brooklyner Untoten scheinen ihren Experimentiergeist gegen Bestrebungen eingetauscht zu haben, erwachsen zu werden.“

Das Trio hat sich hierfür entschlossen, ihre inhaltliche wie musikalische Range nicht allzu weit vom Ausgangspunkt zu entfernen. So lebten ihre Mixtapes „D.R.U.G.S“, „BetterOffDEAD“ und natürlich die legendäre Kollabo-EP „Clockwork Indigo“ vor allem von der juvenilen Unberechenbarkeit zwischen mythenreicher Acid-Anhimmelung, spirituellem Nonsens sowie der okkulten Stilmischung aus klassischem NYC-Organismus und südstaatlicher Trippyness. Diese Formel ist für „3001: A laced Odyssey“ zwar nicht grundlegend umgestellt worden, doch scheinen die Brooklyner Untoten bei aller geschmackvollen Musikalität zwischen souligen bis bluesigen Samples aus eigens eingespielten Jam-Sessions ihren Experimentiergeist gegen Bestrebungen eingetauscht zu haben, erwachsen zu werden.

Allein der epochale Opener „The Odyssey“ zieht in beachtlicher Sechs-Minuten-Überlänge sämtliche Register aus dem Lehrbuch für Debütalbum-Intros: ein NASA-Countdown-Sample sowie reminiszierende Vocal-Cuts aus der eigenen Diskografie, dazu ein pompöses Streichorchester-Monument. Meech, Juice und Erick bäumen sich auf dieser instrumentalen Grundlage entsprechend vorhersehbar mit bedeutungsschwangeren Motivationsgebärden auf: „Black on black in time with my roots, this is my ghetto symphony/Shout out to my fam and my homies, we making history.“ Fleißig wird die Album-To-do-List abgearbeitet: Im unoriginellen Rahmen einer Filmklassiker-Anspielung im Titel folgt auf den obligatorischen Childhood-Rückblick („A Spike Lee Joint“) die Reibach-Hymne („Good Grief“), um als nächstes das Für und Wider des Weltruhms abzuwägen („New Phone, Who Dis?“) und schlussendlich die eigene Karriere als kompromisslosen Siegeszug zu resümieren („This Is It“). Inmitten dieses übervorsichtigen Album-Reißbretts dann noch vollmundig zu behaupten, „Unsigned and independent/Look, tell my moms I did it“, wirkt schon fast wie eine Unschuldsbeteuerung. Aus Mut und Willen wird hier Mutwille. Als erstes monetäres Projekt ihrer Karriere, geht man in den rund 60 Minuten lieber auf (Konto-)Nummer sicher.

Natürlich ist „3001: A Laced Odyssey“ von einer Enttäuschung weit entfernt – bei aller Grown-up-Refelexion swaggern die druffen Drei gewohnt ein paar Rauschmittel-Liebeslieder, (pseudo-)spirituelle Meditationsübungen oder im Homestudio erpobte Spitting-Einwürfe. Doch wenn Erick final auf „This Is It“ – abseits der „Your Favorite Rap Song“-Fingerübung der eigentliche Albumabschluss – selbstzufrieden protokolliert: „All I ever wanted was to be a one to one/Now I’m one in three“, kann man sich nicht des Eindrucks befreien, dass die Zombies den größten Fehler eines Debütalbums begangen haben: dem eigenen Hype zu believen.