Famous Dex: „Wahrscheinlich wäre ich tot oder im Gefängnis.“ // Interview

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Seit 2015 zelebriert Famous Dex, das charismatische Duracell-Männchen der jungen amerikanischen Turn-Up-Garde, jetzt schon den digitalen Musik-Hustle. Ob er gerade noch mit Cole Benett Low-Budget Videos am Fließband im Keller dreht, mit dem A$AP Mob im Studio hängt, oder schon die nächste Liveshow zerlegt: Bei dem 24-jährigen Chicagoer bleiben zur Zeit wenige Fragen offen. Alles weitere über den selbst ernannten Superhelden und »300 Entertainment«- Schützling erfahrt ihr im Gespräch mit unserem Autor Maximilian Hensch.

Hi Dex, du bist grade mitten in einem Promo-Run, dein Debüt-Album »Dex Meet Dexter« wurde aber bereits mehrfach verschoben und du hast noch kein neues Datum bekannt gegeben. Woran liegt das?

Das liegt daran, dass ich noch immer am Album arbeite. Ich habe schon 13 fertige Songs, aber ich hab immer noch Ideen. Ich plane aber auf jeden Fall, es zur March Madness raus zu bringen.

Als Teil deiner Tour warst du jetzt auch wieder in deiner Heimatstadt Chicago, wie fühlt es sich an nach Hause zu kommen?

Es ist großartig, ich habe ja meine Familie und Kinder dort. Ich hab dort fast mein ganzes Leben verbracht und jetzt nach Chicago zurück zu kommen und so viel Liebe von den Menschen zu bekommen, bedeutet mir unglaublich viel.

Kanye West, über den du auch einen Song gemacht hast, hat sein Kind jetzt sogar nach eurer gemeinsamen Heimatstadt benannt. Hast du dich geärgert, nicht selber auf die Idee gekommen zu sein?

(überlegt) Nein, aber jetzt wo du es sagst… Aber Kanye darf das. Er ist einer meiner Lieblings-Künstler seitdem ich klein war.

In einem anderen Interview hast du auch gesagt, dass du Künstler wie Kanye oder Jay-Z als »echte Musiker« siehst…

Genau! Jay-Z, Nas, Method Man & Redman… das ist echte Musik, das kannst du nicht toppen. Aber es ist 2018, und es gibt immer mehr Leute, die Musik hören um einfach Spaß zu haben – die ihre Dreads schütteln und herumschreien wollen (lacht). Für diese Leute mache ich Musik, aber meine Fans, und Fans von HipHop generell sollten auch die Legenden respektieren.

Ich vermisse Fredo sehr, aber ich hoffe sein Tod hat gezeigt, dass es nicht gesund ist, wenn wir alle in einem Wettbewerb darüber stehen, wer die meisten Drogen nehmen kann.

Famous Dex

Diese Künstler sind aber auch um einiges älter als du selbst. Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Was Musik angeht, weiß ich das nicht. Ich sehe mich aber als Anführer, als Boss in irgendeiner Art. Aber am wichtigsten ist mir, dass meine Familie gesund ist, meine Kinder in der Schule bleiben und einen positiven Einfluss haben.

In deinen Texten, Artworks und Videos taucht immer wieder die Komikfigur „Dexter“ aus „Dexter’s Laboratory“ auf. Was teilt ihr außer dem Namen?

Dexter war immer bereit, etwas neues auszuprobieren. Er hatte immer sein eigenes Ding. Ich hab die Sendung als Kind viel geschaut und er hat mich dazu inspiriert, einfach ich selbst zu sein.

Als du angefangen hast Musik zu machen, war dein Stil noch wesentlich enger am klassischen Drill-Stil von Chief Keef und Co. orientiert. Wann hast du dich entschieden neue Wege zu gehen?

Alle meine Freunde, mit denen ich damals Musik gemacht habe, sind diese Drill-Schiene gefahren. Aber niemand hatte Erfolg damit, deswegen habe ich angefangen, neue Sachen auszuprobieren. Ich danke Gott bis heute dafür, dass ich „Drip From My Walk“ gemacht habe, das war mein erster großer Hit und der Song, mit dem ich meinen eigenen Stil gefunden habe.

Als Fredo Santana kürzlich verstorben ist, hast du angekündigt, dass du aufhören wirst Lean zu trinken. Wie läuft der Entzug bisher?

Es läuft ganz gut. Ich vermisse Fredo sehr, aber ich hoffe sein Tod hat gezeigt, dass es nicht gesund ist, wenn wir alle in einem Wettbewerb darüber stehen, wer die meisten Drogen nehmen kann. Ich bin sehr dankbar, dass ich jetzt von den harten Drogen runter bin.

Ein anderer Künstler, den wir auch schon fast wegen dem Lean verloren hätten ist Lil Wayne. Warum hast du ihn mehrmals als the GOAT betitelt?

Weil er immer anders war als alle anderen. Niemand konnte ihm reinreden. Wenn es um Bars geht, gab es nie einen besseren. Und wenn du heute Musik hörst, hörst du seinen Einfluss überall.

Was ist denn dein Lieblingsmixtape/-Album von Wayne?

Dedication 2, das kenn ich fast auswendig. Und Tha Carter I.

Einfluss ist ein gutes Stichwort. Fühlst du dich in einer verantwortungsvollen Position, jetzt wo du als Musiker erfolgreich bist?

Ich hab viele junge Fans, viele Kinder, die mich als eine Art Vorbild sehen. Deshalb trete ich anderen Menschen immer mit Liebe und Respekt gegenüber. Meine Mutter hat auch immer gesagt: „Behandle andere so, wie auch du behandelt werden möchtest“. Ich möchte diese Einstellung auf jeden Fall an meine Fans vermitteln.

Du musst in den letzten 3 Jahren mindestens 100 Musikvideos gemacht haben, die meisten hast du auf die Schnelle zu Hause mit ein paar Kumpels aufgenommen. Ist es deine Taktik, dass ich, jedes mal wenn ich einen Song von dir höre, dich irgendwo in einem Keller auf einem Hoverboard tanzen sehe?

(lacht) Naja, das hat sich einfach so ergeben. Ich mag es einfach zu meiner Musik zu viben und ich will, dass die Leute mich sehen. Ich hab schon eine Menge Songs innerhalb von einer Stunde aufgenommen und auf YouTube gestellt. Es fühlt sich einfach besser an, selbst ein einfaches Video zu einem Song zu haben. Ich denke es gibt auch viele Fans, die so denken.

Wenn man jemanden verliert, der einem so viel bedeutet, wird man entweder verrückt, oder man geht durch den Schmerz und schaut nach vorne.

Famous Dex

In deinem aktuellen Video mit A$AP Rocky ist die Produktion ja doch etwas aufwendiger…

Ja, Shoutout A$AP Rocky, er hat uns mit der Filmcrew in Verbindung gesetzt. Der Dreh hat eine Menge Spaß gemacht, auch wenn ich so viel Aufwand gar nicht gewohnt bin. Ich glaube das war das erste Mal, dass ich ein Video von 5 Uhr morgens bis 5 Uhr abends gedreht habe.

Du machst generell gerne Songs mit anderen Künstlern, du hast sogar schon einen Track mit dem deutschen Rapper Sierra Kidd. Wie kam es dazu?

Ja, das lief über meine Engineer Willie und einen Manager von mir. Als ich ihn gesehen hab, dachte ich mir: er ist ein cooler Typ, er hat Style und macht sein Ding. Das hat alles gepasst und der Song ist auch richtig gut geworden. Shoutout Sierra Kidd!

Wenn ich dich mit einer Festplatte voll mit Beats für einen Tag im Studio einschließe, mit wie vielen Songs kommst du raus?

Vielleicht so… 50 bis 100. Kommt auf den Tag an. Aber auf meinem neuen Album sind auch Songs drauf, für die ich mir mehr Zeit genommen habe. Zum Beispiel für den Track, den ich mit Wiz Khalifa habe. Oder der Song mit NBA YoungBoy (wurde kurz nach dem Interview veröffentllich Anm.d.Red.). Ich sage dir, dass sind zwei richtige Hits.

Als jemand, der so einen starken Bezug zu seiner Kunst hat: Wo wärst du heute ohne Musik?

Um ehrlich zu sein, ich hab meine Mutter vor ein paar Jahren an Brustkrebs verloren, noch bevor ich angefangen habe zu rappen. Wenn man jemanden verliert, der einem so viel bedeutet, wird man entweder verrückt, oder man geht durch den Schmerz und schaut nach vorne. Und ich danke meiner Mutter und Gott, dass sie mir den richtigen Weg aus dieser Situation gezeigt haben. Ohne Musik würde ich jetzt vielleicht Basketball spielen, aber wahrscheinlich wäre ich tot oder im Gefängnis.

Was muss jemand über dich wissen, der noch nie einen Famous Dex-Song gehört hat?

Ich habe immer einen Vibe in meiner Musik, eine Kraft, die Leute animiert. Ich bin der „energy guy“. Ich hab nicht die besten Bars, aber ich hab gute Catchphrases und kann dich hyped machen. Ich nenne das „Laufband-Musik“. (lacht) Aber ehrlich gesagt: Ich liebe alle meine Fans, wenn ihr die Musik fühlt danke ich euch von Herzen, aber so oder so sind wir hier und gehen viral.

Eine letzte brennender Frage: Warum stagedivest du generell nur in deinen Boxershorts?

(lacht) Weil ich Captain Underpants bin!

Das hätte Ich mir auch denken könnnen.

Shoutout Deutschland! Dexter!