Punks pumpen Deutschrap – Die Shitlers bewerten Videos von Shindy, Cro & Kollegah

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Die Punkrock-Band Die Shitlers schießt wieder gegen Deutschrap. Nach einer mehrmonatigen Pause, sind sie ab sofort wieder back mit ihrer gefürchteten Kolumne. Wir haben der Ruhrpott-Boygroup die drei relevantesten Musikvideos der Woche von Shindy, Cro und Teesy sowie Kollegah vorgesetzt – und gewartet, was passiert. Politisch unkorrekt, unangemessen und unorthodox haben Martin, Frank und Tristan die drei Videos zerfleischt. Wie immer: Das splash! Mag distanziert sich von den Aussagen dieser Punks – aber: Irgendjemand muss ihnen ja zuhören.

01

Shindy – Dreams

Martin: Shindy finde ich scheiße, denn er hat m.E. einen schlechten Einfluss auf Bushido. Außerdem ist er nicht witzig. Aber er kann gute Texte schreiben. Vielleicht finde ich ihn doch nicht scheiße, sondern nicht so gut. Ich würde das gerne skippen, weil das Intro mich langweilt. Oh, dann geht der erste Part los. Das gefällt mir jetzt plötzlich doch ganz gut. Wieder die alte From-rags-to-riches-Erzählung. Shindy hat a lot of riches. Es geht um seinen Werdegang. Das ist nicht originell. Aber okay von der Darstellung. Ich gebe ihm eine Drei. Aber bei 2:03 skippe ich das jetzt auch.

Frank: Oh nein, nicht schon wieder Shindy. Der Typ ist so ein Otto. Man könnte sich über ihn aufregen, aber das haben wir in mehreren vorangegangen Kolumnen schon getan. Ich frage mich trotzdem, wie viele Songs er noch machen will, in denen es darum geht, dass er früher wenig Geld hatte, jetzt aber viel. Aber man soll ja nicht immer nur meckern, deswegen sage ich jetzt ein paar gute Sachen.

1.) Das Pferd soll angeblich 250.000 Euro kosten. Das freut mich für den Besitzer, er hat wahrscheinlich keine Geldsorgen.
2.) Der Beat und das Video sind ästhetisch.
3.) Shindy trägt ein Guns’n’Roses-Shirt. Ich habe auch eins, ich kann ihn daher fühlen.
4.) Der Effekt mit dem Computer-Desktop am Anfang und am Ende ist ganz gut.

Tristan: Mein Verhältnis zu Shindy hat sich gebessert. Auf Flers Album gefällt mir sein Part sogar besser als der von Bushido, seine Beats gefallen mir schon immer ganz okay (Deutschrap-Maßstab). Den Song finde ich ein bisschen geil und ein bisschen scheiße – vielleicht tatsächlich mehr geil. Der Anfang vom Video ist auch gut, weil unkonventionell, und weil ich tatsächlich versucht habe, die Maus vom Video weg zu bewegen (mäßiger Erfolg). Insgesamt finde ich aber die Bassdrum zu dick aufgetragen, das klingt ein bisschen wie zu Loudness-War-Zeiten Mitte der 00er (ich verweise hier mal wieder auf das ansonsten nahezu perfekte Debütalbum von Fifty). Auch das Video ist eher unangenehm, und hat damit etwas mit Shindys Arroganz gemeinsam. Ist teilweise Neid auf sein Money und so weiter, teilweise aber auch nicht – und das ist das Schlimme. Aber die „Tags, rede von Preisschilder, nicht Züge malen“-Line ist voll geil, die habe ich echt gefeiert. Im Endeffekt bleibt eine knappe 51:49-Entscheidung zugunsten von „find ich scheiße“, weil eine Zeile, die mit „high von dem“ beginnt und sich auf „Team“ reimen soll, mit Lean zu enden hat. Haste extra gemacht, wa, Schindler? War ’n ganz flotter Einfall. Findich nich witzich.

02

Cro feat. Teesy – In Love

Martin: Irgendwo habe ich neulich gehört, dass Crow einen Film macht. Und jetzt habe ich gerade heute Vormittag gelesen, dass dieser Film wohl gefloppt ist. Das wundert mich nicht, denn ich habe kaum Werbung für diesen Film gesehen. Und wenn man ein Produkt gut vermarkten möchte, muss man ja Werbung machen. Das Lied ist scheiße. Das wiederum wundert mich schon, denn normalerweise sind ja die Crow-Sachen ziemlich gut. Ich würde lieber was über Jugendgewalt oder Rauschgiftkriminalität hören. Bin jetzt kurz vor zwei Minuten und mache aus. Nächstes Mal bitte ein Video, das irgendeine Biker-Gang repräsentiert oder was von Makss Damage bitte. Jetzt kommt Kollegah. Scheiße, das kann ja nur Mist werden.

Frank: Ich habe vorhin bei Rapupdate gelesen, dass der Cro-Film gefloppt ist und ihn am ersten Wochenende nur 25.000 Zuschauer gesehen haben. Das ist erstmal nichts Ungewöhnliches, die Filme deutscher Rapper waren noch nie sonderlich erfolgreich, sogar „Zeiten ändern dich“ konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Bei Cro wundert es mich dennoch, da ich bisher immer davon ausging, dass er und seine Crew jeden noch so behinderten Zeitgeist erkennen und gewinnbringend aufgreifen können. Ok, gucke nun das Video. Ist das der Soundtrack zu dem Film? Ein sehr langweiliges Lied inklusive unspektakulärem Video. Mir fällt auf, dass die Klickzahl bei unter 100.000 ist, obwohl der Track schon eine Woche online ist. Ist der Hype um Cro vorbei? Hoffentlich!

Tristan: Schade, Cro. Er kann so schöne Ohrwurm-Hooks singen, gut rappen, gute Feelings hervorrufen, und all das vergeigt er dann beim Soundtrack zu seinem eigenen Film. Dass der gefloppt ist, zeigt, dass es für einen anhaltenden Erfolg im Pop-Sektor eben doch nicht immer das beste ist, möglichst glattgebügelt und geschliffen daherzukommen, dann interessiert nämlich niemanden die eigene Hintergrundgeschichte. Vielleicht war es deshalb auch krass als Sido seine Maske abzog, aber die Bilder von Carlo im Internet werden immer noch ignoriert. Da Soundtracks zu Filmen im Regelfall seltener gekauft werden als die passende Kinoeintrittskarte, wird wohl auch der floppen. Jetzt noch, erstens, ein sorgenvoller Gedanke, zweitens, eine Anekdote und, drittens, eine Punchline. Erstens: Speziell die Videos von Cro und Kollegah machen mich sehr nachdenklich. Der floppende Film und das vermutlich in Gänze floppende Projekt „Alpha Music Empire“ mit Kollegah und Seyed machen mir gerade ernsthafte Angst vor einer neuen, platzenden Deutschrap-Blase. Wobei, vielleicht auch besser so. Zweitens: Bei 1:36 sieht man einen Innenhof, der mich stark an den Innenhof beim Jugend-TV-Sender Joiz erinnert. Wenn er das sein sollte: Was wagst du dich, die Stage von Money Boys geilster Show aller Zeiten zu besudeln. Hoffentlich haste wenigstens gepisst. Drittens: Das Video ist, wie wenn ein Kannibale den Erstgeborenen einer jüngeren Schwesta Ewa zerkleinern und mit Käse überbacken würde.

03

Kollegah – Nero

Martin: Kollegah hat sich mit seinem unterirdischen Fler-Disstrack vollends ins Abseits befördert. Die sind in der Wüste. Es geht irgendwie um teure Autos, mit denen Kollegah rumfährt. „Du Untertan“. Richtig krasse Punchlines. Er macht keinen Finger krumm, außer beim Trigger pullen. „N steht für nicht zu ficken“. Das war gut. Ansonsten ist das Dreck. Ich kann das nicht länger angucken. Fürchterliche Videos diesmal. Es wird Zeit, dass Shitlers 1 Albung droppen und alles ficken.

Frank: Ich hatte direkt nach dem Release von „King“ das Gefühl, dass die Figur „Kollegah“ nun auserzählt ist, musikalisch eigentlich nichts mehr kommen kann und Kollegah sich anderen Dingen widmet. Durch seine selbst produzierte Late-Night-Show hat er zum damaligen Zeitpunkt auch bewiesen, dass er durchaus Entertainer-Qualitäten hat – vielleicht als Nachfolger von Stefan Raab oder Thomas Gottschalk? Über genügend Schützenfest-Flavor verfügt er auf jeden Fall. Stattdessen bringt er noch ein paar langweilige Alben raus, macht unermüdlich die gleichen Witze („keine Beine trainieren“, „Fler hatte eine Karotte im Arsch“) und nervt mit seiner pseudo-ironischen und scheinintellektuellen Selbstüberhöhung in dieser behinderten Sprache („Alles zerberstend“, „Weltmonarch“, „Nero“). Über diesen ganzen Verschwörungsscheiß, den er in den letzten Jahren von sich gegeben hat, muss man gar nicht erst reden. Paart man diese Punkte mit diesen neoliberalen „Du bist King“-Aussagen, entsteht eine ganze ekelhafte Mischung. „Nero“ reiht sich da ein. Musik und Video sind unspektakulär und langweilig.

Tristan: Kollegah höre ich mir bewusst zuletzt an, da er mich vermutlich am wütendsten machen wird. Wer später raged ist länger calm (gerne tätowieren – aber mit Copyright-Verweis!). Ich schreibe das hier jetzt als erstes und widme mich danach den anderen Videos. Verwirrend. Nun habe ich die anderen Videos bereits hinter mir und bin froh, die Reihenfolge so gewählt zu haben. Bisher konnte ich mich beherrschen. Nun aber los: Kollegah, Junge, ich sag’s dir jetzt mal klipp und klar: Der Trend geht zum Zweitbeat, ich habe mich an deinem bereits satt gehört. (FOLGT MEINEM TWITTER! @TRISTAMDZ) Seit zehn Jahren die gleiche Scheiße. Kollegah hatte mit „King“ seinen Zenit erreicht, ab jetzt geht es bergab und er macht sich lächerlich. Erst als König inszenieren, und jetzt irgendwie eine noch krassere, roughere Version darüber inszenieren wollen? Junge, halt mal den Ball flach. Keiner findet das geil. Dein Label wird untergehen, dein Newcomer ist scheiße und eine schlechte Kopie von dir. Du bist selbst seit Jahren nur noch eine mittelmäßige Parodie deiner selbst. Schreib doch mal ein Buch über Kreationismus und Chemtrails und Illuminaten, das ist gerade in etwa genauso im Trend wie Deutschrap, und wäre in deinem Fall vermutlich noch unterhaltsamer zu konsumieren. Dein Video bereitet mir physische Schmerzen, deine Hook ist lachhaft, und bitte mach nie wieder Comedy im Internet. Es reicht einfach. Der einzig korrekte Nero bleibt der, mit dem ich mir damals ASD und „Lose Yourself“ von Kazaa auf CD-R gebrannt habe. Die beiden anderen sind ganz krasse Ottos und gehen (in verschiedener Art und Weise und mit verschiedenen Arten der Gewaltausübung, aber strukturell ähnlich) gar nicht klar.