Die legendäre Punkband „Die Shitlers“ bewertet Deutschrap-Videos #2 (November ’14)

Shitlers

Tristan, Martin und Frank von den Shitlers sind die beste deutsche Punkband zurzeit und die lustigsten Dudes im Internet . “Öh, aber was hat das mit Rap zu tun?” fragt ihr euch jetzt. Die Shitlers sind große Deutschrap-Fans (und bringen nebenbei ihr Album "Drei Legenden versuchen jetzt, Deutschland zu ficken" am 12.12.14 raus). Wir lassen die Jungs regelmäßig Videos bewerten. Am Ende jedes Monats suchen wir uns fünf davon raus und lassen sie auf die Punks los. Deutscher Rap mal aus dem Blickwinkel einer anderen Szene. Wer die letzte Kolumne verpasst hat, kann sie hier nachlesen. Ansonsten wünschen wir euch viel Spaß mit der November-Ausgabe. Dieses Mal werden Videos von Prinz Porno, Kool Savas, Antilopen Gang, Trailerpark und Schwesta Ewa bewertet.

1. Prinz Porno – Parfum (Eau de Porneau)

Tristan

Prinz Porno ist ein ganz seltsamer Typ, es passt gut zu ihm, dass er Design studiert hat. Dass er nach dem Polohemden-Vorort-Style und dem langhaarigen Pennerlook nun mit Harry-Potter-Brille, Beanie und bescheuertem Bart rumläuft, ist nur konsequent. Er macht auch Interviews auf Bierzeltgarnituren, die vor Berliner Imbissen stehen und isst dabei Asiasuppen. Nun will er also zu seinen Roots zurück, komplett mit altem Namen, Berlin-Untergrund-Attitüde und seinem unsäglichen Verschwörungstheorie-Quark, den er hoffentlich nicht auch noch selber glaubt. Auch hier wieder konsequentes Vorgehen, dass er sich dafür Takti den Blonden (und andere, die ich auch erkannt habe, aber zu irrelevant finde, um sie zu erwähnen, Ausnahme Frauenarzt) ins Video holt, Spraycans in Benutzung im Bild hat und im U-Bahnschacht chillt. Soweit zum Positiven. Es gibt da nur ein Problem: Der alte Prinz Porno war damals Teil der ersten härteren Berliner Rapwelle und ein bisschen innovativ durch das Illuminatenzeug. Man könnte sagen, er hätte den Aluhut schon vor Sido getragen, aber das Bild ist schlecht, ein bisschen zu weit hergeholt und wirkt erst beim zweiten Nachdenken. Wirklich gute Songs hatte er damals nicht viele, und wenn ich ehrlich bin, habe ich seine anderen Lieder bis „Donnerwetter“ immer nur gehört, damit ich nicht der Typ bin, der nur „Keine Liebe“ kennt. Das ist aber leider der einzige richtig geile Song vom alten Prinz Porno. Das Donnerwetter-Album war okay, aber von diesem Loudness-Wahn der ersten Hälfte der 00er-Jahre betroffen, woraufhin keine Bassdrum fett war, sondern alles gedröhnt hat (guter Vergleich in weniger schlimm: das erste 50Cent-Album). Heute aber ist es noch schlimmer: Nun ist er einfach wieder irgendein Rapper, der back-to-the-roots vermarktet und seine alten Fans zusätzlich zu den neuen, ohnehin unvergraulbaren Teenie-Girls und -Boys auch wieder will. Außerdem ist das Illuminatengerede bei weitem nicht mehr so unverfänglich-witzig-abgedreht wie zur Jahrtausendwende, sondern eher höchst bedenklich (vgl. Antilopen Gang weiter unten; Kollegah-Gedankendiarrhoe über New World Order und ähnliches). Und dann soll er da entweder was lustiges draus machen, oder sich mit den Idioten identifizieren, oder sonst was. Aber nicht einfach nicht darauf eingehen und so tun, als sei das nicht passiert oder als sei er ganz unabhängig von denen, die das zur politischen Agenda machen. Das ist ähnlich wie bei Shindy: Viele halten ihn für intelligent, eloquent und reflektiert, aber das ist Unsinn, er besetzt einfach minimal komplexere Themengebiete mit etwas gehobenerer Sprache und sagt ab und an Sachen mit Sex. Aber wenn es nach mir geht, soll er bitte weiter Come-of-Age-Musik für melancholische Prä- bis Hochpubertäre machen und mich mit seinem Gewäsch in Ruhe lassen.

Frank

OK, ich bin gespannt. Das erste neue Video, das Friedrich wieder unter dem Namen „Prinz Porno“ veröffentlich hat, war ja „Chillen“ oder so ähnlich. Fand ich ziemlich whack und hätte auch von Prinz Pi sein können. So, dann mal zum Video. Da haut er ja ziemlich auf die Kacke und versucht seine Realness durch die Anwesenheit von Leuten wie MC Bogy, Taktloss und Frauenarzt zu untermalen. Dann pisst er auf die U-Bahn-Gleise und bemalt einen Waggon. Das wirkt alles natürlich nicht sehr authentisch, aber das scheint auch gar nicht die Intention zu sein. Sondern es sieht eher aus wie eine Reise in eine sehr verklärte Vergangenheit. Ich habe ja zu diesen Bassbox/WBM-Zeiten ja noch keinen Rap gehört und bin auch nicht aus Berlin. Mich würde mal interessieren, wie Leute, auf die das alles zutrifft, diesen Prinz Porno heute so finden. Wahrscheinlich nicht so gut. Musikalisch ist das cool, rappen kann er ja wirklich gut. Der Text ist größtenteils Prinz Pi/Porno-mäßiger Blödsinn, ab und zu mal eine Verschwörungstheorie-Referenz eingebaut, damit irgendwelche Kiffer denken, das sei irgendwie deep. Die Line mit dem Computer unter dem Tower von London, der seinen Flow berechnet, ist aber cool. Beim „Y.O.“ wird dann aber Taktloss eingeblendet, und so wirkt es dann wieder etwas peinlich und zu sehr gewollt.

Martin

Ich ringe mich mal dazu durch: Ich finde das ziemlich gut. Ich habe das beim ersten Mal hören gehasst. Vielleicht auch aus Prinzip, weil ich den seit dem ersten Track, den ich kannte sehr unsympathisch fand (Gib dem Affen Zucker). Kompass ohne Norden habe ich immer als KIZ-Abklatsch gehört (dieser eine Track auf Sexismus gegen Rechts, wo die sagen, dass die alt sind). Bei genauerem Nachdenken ist das vermutlich ebenfalls unfair, weil die Lieder gleichzeitig entstanden sind. Unentschuldbar ist aus meiner Sicht nur das öffentliche Anzweifeln der Splash-Berechtigung von Antilopen. Das geht nicht. Naja, aber nun zum Lied: Vielen werden sagen, dieser Prinz Pi (oder Porno, wie immer der jetzt heißt, ich weiß es schon gar nicht mehr) ist nicht real, weil er ist ein Hipster und trägt eine Brille. Das ist natürlich Quatsch. Das ist das niedrigste Level der Negativ-Kritik. Das etwas höhere ist vermutlich, dass er irgendwelche kommerziellen Hintergedanken hat und jetzt wieder Szene-affinen Rap macht, weil der wieder erfolgreich wird. Glaube ich aber auch nicht. Und die vielleicht etwas avancierte (aber nicht unbedingt legitimere) Kritiklinie zielt auf irgendwas, das ich gerade nicht verstehe, weil ich in der U-35 von Bochum nach Herne sitze und mich daher nicht konzentrieren kann (ein relativ junger Teenager in der Bahn hat die gleiche Brille wie Prinz Pi und einen grünen Parka, den Prinz Pi bestimmt auch hat – allerdings noch keinen Bart). Dreier-Aufzählungen sind aber immer besser als zweier Aufzählung. Diese Kritiklinie existiert! Ich schreibe jetzt gleich was zum Lied. Oder ne, erst zum Video. Das finde ich gut. Grafitti ist neben Breakdance und auf die U-Bahn-Gleise pinkeln eins der drei Rap-Elemente (oder?). Alles richtig gemacht. Er hängt außerdem mit Leuten aus Graffiti-Crews rum. Wahrscheinlich sind das sogar die, die in dem Video sind und gar keine Schauspieler. Das ist cool und erreicht den Fan, auch wenn er nicht in einer Großstadt wohnt. Zum Text: Ein nicer Representer-Track. Es werden Namen genannt. Aber nur positiv (Westberlin Maskulin; besagte Crews). Terrorgruppe werden nicht genannt. Meiner Meinung nach 1 Fehler, die sind auch aus Berlin und 1 Crew. Scheiße, was soll ich noch schreiben? Ich hätte lieber das andere neue von Haftbefehl besprochen, aber das wollte Artur nicht, weil der schon letztes Mal war. Alles Politik, Brudi. Ich schreibe dazu gleich was bei Trailerpark. Style ist klassisch-Berlin-mäßig, einfach gehalten aber bodenständig und die Punches treffen. Gefällt mir gut. Prinz Pi kann das verkörpern. Ich nehme das ernst und feiere es ein bisschen. Überrascht mich!

2. Kool Savas – Märtyrer

Tristan

Es ist nice, Savas bietet ein gutes Gesamtpaket als MC, nur manchmal alles etwas anstrengend schnell und verschachtelt, dann muss man das Lied mehrmals aufmerksam hören, um alle Lyrics zu verstehen. Dafür reicht meine Aufmerksamkeitsspanne in drei von vier Fällen nicht aus, und ich fange an, parallel auf Facebook zu grinden. Lustige Lyrics auch, „Peter-Zwegat-Hustle“ ist, glaube ich, die beste Peter-Zwegat-Line bis jetzt, und damit reicht’s jetzt auch vorerst. Ich finde es auch cool, wie er unterschwellig Bodybuilding-Rap ein bisschen anfrisst, aber er geht nicht gleich auf die persönliche Ebene und disst wild rum. Kollegah hat ja seine Savas-Disses sehr plump gemacht, und ihn einfach einigermaßen direkt beleidigt und sein Standing in Frage gestellt, das macht Savas deutlich besser. Er führt den ganzen Vollidioten mal vor wie man einen Beef auf die Rapebene zurückbringt, ohne rumzuheulen oder Drohungen auszusprechen oder zu klingen wie ein Sozialpädagoge. Das Video sieht ein bisschen aus wie das vom „Urteil“, wegen Nebel und Wald, aber Eko fehlt. Wobei die beiden sich ja jetzt scheinbar gerade vertragen, also vielleicht kann man das dann noch nachholen, „Eko und Savas tanzen zusammen im Wald zu Autotune-Hooks“ oder so, moderiert vielleicht von irgendwem, mir fällt niemand ein, aber halt eine Prosieben-Moderatorin im Glitzerkleid. Klingt alles gut, nur könnte man einwenden, dass Savas dieses grauenhafte Album mit Xavier Naidoo gemacht hat, das man sich wirklich nur unter schlimmen Schmerzen anhören kann. Und wenn man dann noch bedenkt, was in Xaviers Kopf scheinbar so vorgeht, und dass Savas mit ihm einen „politischen“ (haha, so nennt Rapdeutschland das, hahaha) Track gemacht hat, wirft das ein extrem schlechtes Licht auf Herrn Yurderi, und man kann ihn nicht mehr ernst nehmen. Schönerweise ist er mir aber als Person total egal, deshalb bin ich einfach froh, dass er nicht auf back to the roots macht, wie Samy, den er sicherlich auch mit den ekelhaften Leprazähnen meint.

Frank

Das Video ist mir irgendwie zu anstrengend. Raptechnisch ist das natürlich große Kunst, keine Frage. Nur dieses Gejaule in der Hook ist natürlich kacke, da stimmen wahrscheinlich alle zu. Trotzdem finde ich diesen Kool Savas irgendwie merkwürdig. Rappt mit so einer großen Ernsthaftigkeit und Akribie über Rap, das wirkt auf mich sehr verstörend. Er soll lieber mal sagen, dass irgendein anderer Rapper ein Hurensohn ist und er dessen Mutter fickt oder so. Ich müsste das Video jetzt bestimmt noch ein paar Mal gucken, um die ganzen Feinheiten nachvollziehen zu können, hab ich aber keine Lust drauf.

Martin

Feinde zerfallen als ob sie Corega-Tabs sind. SAV ist der King of Rap. Kollegah nicht. Er ist eine merkwürdige Kunstfigur. Und mit seinem Verschwörungs-Wirrwarr ist er wesentlich schlimmer als PETA-SAV. Die Hook ist schrecklich, dieses Märtyrer-Gesinge nervt. Kollegah wird vermutlich irgendwas mit „Mehrtürer“ antworten und dann sagen, dass er damit nicht den Wagen, sondern die Freundin von ihm meint. Oder ne, das war Farid Bang, der so rappt, oder? Mir auch egal. SA ist natürlich viel, viel besser. Ich schreibe nichts mehr Substanzielles dazu, sondern nur nochmal, das SAV wirklich sehr gut ist. Auch das mit Xavier Naidoo. Ne, natürlich das nicht. Das war scheiße. Aber der Rest!

3. Antilopen Gang – Beate Zschäpe hört U2

Tristan

Das ist ein großartiger Song. Panik Panzer ist eine Legende am Mic. Sie sprechen schlaue Sachen an, und der Promomove ist auch geglückt, kurz nach Ende der Albumpromophase (also kurz nach Bekanntgabe der Chartplatzierung) kommt Ken Jebsen mit diesem mieserablen Anwaltsschreiben um die Ecke und schießt sie kostenlos nochmal durch alle Medien. Schade, dass Danger Dan im Refrain so wenig singt, wenn er mehr singt, ist es meistens schöner. Ansonsten habe ich aber nichts auszusetzen, auch das Video ist extrem nice. Die erste Strophe fängt an, und klingt so nach Politrap, und gleich sagen sie dann, dass man aufstehen und was tun soll, und dann nennt Dan sie einfach Hurensöhne und ab da hat der Song mich vollständig auf seiner Seite. Ich liebe dieses Lied und das Album ist genau so gut. Ich hoffe, alle, die das hier lesen, kaufen das Album und gehen in Zukunft auf viele Konzerte der Antilopen, am Ende spielen sie meistens ihr Cover von „Bullenschweine“ von Slime, und sie haben jetzt einen auf Müll trommelnden Macbook-DJ, der Moses heißt, und es ist nice.

Frank

Das ist auf jeden Fall das beste Video, das ich kenne. Ich weiß gar nicht, was ich am meisten feiern soll. Die MCs, die sich flowtechnisch gegenseitig überbieten? Das nice Storytelling? Der Hitlergruß von Beate Zschäpe? Diese Antilopen sind auf jeden Fall vielversprechende Zeckenrap-Newcomer, von denen wir hoffentlich in Zukunft noch mehr hören werden.

Martin

Das Lied ist ein Hit und wichtig. Es ist schön, wenn Rap gegen Fremdenfeindlichkeit ist. Panik Panzers Part gefällt mir am besten. Er ist ein down to earth-guy und beschreibt sehr konkrete Probleme mit Nazis. Das kann er gut. Die anderen Parts mag ich inhaltlich nicht so sehr. Apfel, Jebsen und Möllemann sind z.B. natürlich unterschiedliche Baustellen (das sagt auch mein Chef). Die Antisemitismus-Klammer ist als Argument wichtig, funktioniert da m.E. aber nur teilweise. In dem einigermaßen populär gewordenen Interview komplementieren Kolja und Daniel ihre Darstellungen mit weiterer Polemik (ich vermute, Daniel meinte Blocupy und nicht Occupy?). Als Kunst ist das mehr als okay. Als politische Analyse nicht. Aber der Ryhme ist fett. Und wenn ein paar autoritäre Rapfan-Charaktere jetzt Hakenkreuze in der U-Bahn crossen, ist das auch gut. Aber auch beängstigend, irgendwie. Das war ja schon bei Egotronic so, dass antideutsche Positionen nicht inhaltlich, sondern mit subkulturellem Swagger attraktiv wurden. Finde ich nicht richtig (substanziell und prozedural). Ich höre jetzt auf, darüber zu schreiben, weil ich weder Streit möchte, noch bewirken will, dass dem splash! Mag die Leser*innen weglaufen. Aber irgendwie auch doch. Oder nicht? Und was würde Markus Staiger dazu sagen? Der hat meines Wissens auch noch gar nicht den Beef mit Jebsen kommentiert!

4. Trailerpark – Poo Tang Clan

Tristan

Einer der besten Songs, die ich seit langem gehört habe. Auch das Video ist sehr gut. Eine Gesamtinterpretation wäre sehr anstrengend, aber es passieren viele coole Dinge. Meine Lieblingszeile ist sicherlich „Ice sucht man vergebens in deine muttergefickten Kola mein Freund, so geht das nicht weiter“ (oder so ähnlich). Das ist extrem lustig, und eine sehr coole Auseinandersetzung mit der deutschen Raplandschaft. Weder einfach nachgemacht, noch dämlich-ironisch (wie bspw. der durchschnittliche deutsche Comedian Hiphop ‚parodiert‘), noch schlau-besserwisserisch-ironisch (wie 1 Conscious-MC), sondern einfach genau so, wie ich es gern sehen wollte. Das gleiche, schwer greifbare Feeling strömen für mich auch die Frauen im Video aus, die alle recht nice aussehen, aber überhaupt keine Anstalten machen, irgendetwas zu tun, außer anwesend zu sein. Das ist nicht holzhammer-emanzipatorisch, aber es bricht gängige Guck-Erwartungen, ohne sie zu parodieren, und verstört einfach ein bisschen, was angenehm wenig plakativ ist. Ich hätte nicht erwartet, dass genau Money Boy mit seinem korrekten Freund MC Smook mit so etwas um die Ecke kommt wie jemand, der um einen spitzen Winkel eines Gebäudes ins Sichtfeld tritt, aber im Nachhinein erscheint es doch logisch. Money Boy macht großartiges Entertainment und großartige Rapkunst, und wer ihn jetzt immer noch nicht peilt, soll sich bitte verkriechen gehen. Und hört auf mit „er ist nur eine Witzfigur und man muss über ihn lachen“. Das ist lächerlich, ihr habt Rap nicht verstanden. „Ehrenmann“ ist mein Lieblings-Rap-Video-Gesamtpaket 2014 bis jetzt.

Frank

KIZ haben das Thema Kacke in sehr guter Weise bearbeitet, nicht nur in dem Lied „Klopapier“. In einem Interview haben sie mal gesagt, dass zwei von ihnen dem Dritten (ich weiß nicht genau, wem) mal zum Geburtstag ein Album aufgenommen und geschenkt haben, das sich thematisch ausschließlich mit Kacke befasst. Soweit ich weiß, ist „Klopapier“ auch in dieser Session entstanden. Wenn jemand weiß, welches Interview es ist, würde ich gerne informiert werden, ich würde das sehr gerne nochmal gucken. Ein anderes Lied davon haben sie mal geraumer Zeit vor der „Urlaub fürs Gehirn“-Veröffentlichung auf Soundcloud hochgeladen und bei Facebook gepostet. Mit dem Hinweis, dass es sich um einen ersten Vorgeschmack auf das neue Album handele. Ich habe das damals tatsächlich geglaubt und sehr gut gefunden. Ich weiß gar nicht, ob das irgendwo online noch zu finden ist. Ich bin grad im Zug und habe kein Internet, so dass ich nicht vernünftig recherchieren kann. Thematisch ging es um die innige Beziehung zwischen einer Person und einer Kackwurst. Die Hook hatte so ein schönes „just the two of us“-Gesangssample. Ein drittes Mal wurde das Thema in der Version von „Fleisch“ auf dem Fake-Promo-Album von „Urlaub für’s Gehirn“ aufgegriffen. Diese enthält die geniale WBM-inspirierte Line: „Meine Wurst ist relativ monströs, Bräute knabbern dran zu viert.“

Martin

Ich kannte Trailerpark vorher nur aus Erzählungen und von einem KIZ-Feature. Aus den Erzählungen schloss ich, dass mir das nicht gefallen würde. Das U-Bahn-Schläger-Lied hingegen gefiel mir sehr gut (obwohl ich die KIZ-Parts besser fand als die von TP). Ich war also sehr gespannt, zu hören, worum es sich hierbei handelt. Insgesamt muss ich sagen, dass ich nicht zufrieden bin. Ich mag den Beat ganz gerne. Die Hi-Hat gefällt mir manchmal. Ich glaube, das heißt dann Trap, wenn die so schnell ist, oder? Die Hook ist fürchterlich. Klingt wie Gothic-Pop (Linking Park, Evanescene; ähnlich unangenehm wie die SAV-Hook). Das Scheiße-Thema schockt mich nicht so, denn ich mag Scheiße und finde die Idee, einen Song über Scheiße zu machen gut. Gelingt denen leider nicht so. Es ist zwar natürlich ekelhaft, wie die das machen. Aber aus meiner Sicht sind es mehr die Typen selber, die sehr unsympathisch wirken als die Scheiße, die ekelhaft ist. Ich denke, das ist auch beabsichtigt, insofern ist das vermutlich auch saubere Arbeit. Aber der Schockeffekt mit der Scheiße funktioniert nicht. Das Video gucke ich mir nicht an, weil ich das hier direkt schreibe, während das Lied läuft. So ist das schneller vorbei. Jetzt nämlich.

5. Schwesta Ewa – Schwesta Schwesta

Tristan

Langweilig. Schwesta Ewa wird immer fürchterlich parodiert und so ironisch gefeiert, das ist scheiße und kein bisschen lustig, und jeder, der es tut, ist ein krasser Trottel. Niemanden, der sowas macht, kann ich noch ernst nehmen, gleiches gilt für Haftbefehl usw. usf., außerdem Money Boy. Video normal, schauspielerische Leistung am Anfang sehr schlecht. Sobald man dann die komische goldene Knarre sieht, und den Flaschengeist, kann man es sich schön reden, weil alles nach B-Movie aussieht, und braucht sich nicht mehr so aufregen. Ich glaube trotzdem, dass sie es einfach nicht besser konnten. Track nicht spannend, da gibt es viel bessereres von ihr (sagen Freunde. Ich konnte ihren Stil nie leiden und skippe manchmal sogar ihre Features auf korrekten Alben, aber habe keinerlei Argumente dafür). Xatar sagt mir auch nicht so zu, SSIO dagegen ist sehr gut und ich fühle mich nostalgisch an meinen Humor und mein Lebensgefühl vor sechs oder sieben Jahren erinnert. Alles oder Nix ist also ein insgesamt okayes musikalisches Lager. Auch recht langweilige Hook, und man erfährt nicht mal, wer das singt. Einfach wirklich unspannend.

Frank

Ich finde Schwesta Ewa ja richtig gut und hatte daher hohe Erwartungen an diesen Track. Leider werden die nicht ganz erfüllt. Warum? Die Idee mit Jetset Mehmet und der goldenen Knarre ist sehr gut. Aber wenn man die Möglichkeit hat, auf alles zu schießen, worauf man einen Abturn hat, und anschließend alles zu dem wird, was man sehen will, sollte man doch mehr draus machen, oder? In dem Video wird nur vier Mal geschossen. Einmal macht Ewa aus einem schäbbigen Dude einen nicen Dude. Dann schießt der Typ auf eine andere Perle, auf eine Zigarette, die eine Zigarre wird und auf Erdnüsse, die ein Steak werden. Diese Ausbeute ist doch ein Bisschen mager, oder? Schwesta Ewa rappt wie immer richtig gut, aber dieser Discobeat und diese Hook finde ich einfach nicht passend. Ich hoffe, dass der Rest des Albums anders wird (mit geilen Beats und Lyrics über Para vom Strich), den sie ist 1 nices + talentiertes Girl.

Martin

Lied und Video sind der absolute Knaller. Auf jeden Fall mein Highlight unter den Videos. Ewa ist richtig super, finde ich. Die hat Humor und eine interessante Geschichte. Alle die dachten, das wäre es und sie könne sich perspektivisch nicht durchsetzen, weil es ihr an Skills fehle, sollten mittlerweile gecheckt haben, dass das nicht der Fall ist. Die macht richtig gute Lieder. Ich finde auch, dass sie sich das Sexarbeits-Thema richtig gut aneignet und in Lieder verpackt (künstlerisch jetzt, politisch bin ich nicht so sicher; habe mal einen anderen Text dazu mit-geschrieben. Beat ist richtig nice, Story auch. Ewa hat 1 korrekte Art zu rappen. Ich mak das. Bein nächsten mal (wenn es 1 gibt) gep ich mir wieder mehr mühe.

Foto @ Michael Schnell