Die 50 besten Releases 2016 (Teil 1: 50-41)

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Wie jede mehr oder minder ernstzunehmende Einleitung eines 2016er Jahresrückblicks behaupten auch wir: Es war 1 Scheiß-Jahr (wie man im Mai noch so twitterte)! Gesellschaftlich fröstelte es ganzjährig. Musikalisch haben wir dagegen ein spannendes und vor allem qualitativ gutes Jahr erlebt. Alles, was wir gut fanden, haben wir nun fein säuberlich aufgelistet und kommentiert. Viel Spaß mit dem ersten Teil unseres Jahresrückblicks.

50

Brown-Eyes White Boy – Vibes

„Die „Vibes“-EP des minderjährigen Rap-WWWunderkindes Brown-Eyes White Boy legt offen, was das Wesen dieses Trends namens Trap bzw. Cloud ist: Eingängigkeit.“, schrieb der Kollege Birr zur „Vibes“-EP von Brown-Eyes White Boy. Und genau diese Eingängigkeit beherrscht der beschämend minderjährige Österreicher im Schlaf. Vor allem mit „Messer raus“ und „Rare undso“ lieferte der Salzburger zwei absolute Sommerhits, die uns bis in die kalten Wintertage im Ohr hängengeblieben sind. – Jonathan Nixdorff

49

Gzuz & Bonez – High & Hungrig 2

2016 war das perfekte Jahr für die 187 Straßenbande. Den ersten Paukenschlag gaben die Hamburger mit dem Nummer-1-Album „High & Hungrig 2“ ab. Gzuz und Bonez harmonieren perfekt miteinander, wie es schon immer der Fall war. Eine Ansammlung von Hits und überragender Straßenrap in altgewohnter Manier. – Esra Turan

48

Banks – The Altar

„The Altar“ erschien im September diesen Jahres, pünktlich zum Herbst, um der depressiven Grundstimmung mit sanftem Pop-R&B die Tür zu öffnen. Jilian Banks ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Die Entwicklung, die Banks zwischen ihrem Debüt-Album „Goddess“ und „The Altar“ gemacht hat, ist deutlich zu erkennen: Sie ist textlich bestimmter, der Sound stellenweise härter und ihre Selbstreflektionen um einiges gnadenloser als auf der Vorgänger-Platte. – Esra Turan

47

Rin – Genesis

Mit seiner Yung-Hurn-Kollabo „Bianco“ lieferte Rin einen der unbestrittenen Hits des Deutschrap-Jahres ab. Aber auch solo wusste das Fashion-Victim aus Bietigheim-Bissingen zu überzeugen. Seine EP „Genesis“ punktete mit präzise-poppigen Melodien, die sofort im Ohr hängen blieben. Beeinflusst von zeitgenössischem R&B a la Tory Lanez croont Rin in erster Linie über die kleinen (großen) Dinge des Alltags: Modemarken, hochklassige Rauschmittelchen und die Liebe. Produktionstechnisch überzeugt das Release zwar nicht über die volle Spielzeit, umso einnehmender sind aber gerade die Songs, bei denen dann auch die Musik stimmt: „Don’t Like“ und „Error“, jeweils auf einem Lex-Lugner-Beat, sowie der von Minhtendo produzierte Closing-Track „Curtis“ sind unbestrittene Hits. – Jonathan Nixorff

46

Bones – Useless

Auch 2016 erreichte uns wieder ein ganze Flut an Bones-Mixtapes, mit denen der Head-Honcho des globalen Internet-Kollektivs TeamSESH auch eine Vielzahl zusätzlicher Fans neuer konnte. Fans, die auch und vor allem dank seines A$AP-Rocky-Features aus dem Vorjahr auf ihn aufmerksam geworden sind. Mit „Useless“ lud der Misanthrop aus Kalifornien bereits im Februar sein konsistentestes und stärkstes Projekt des Jahres auf Soundcloud hoch. Viel winterlicher und atmosphärischer kann Musik kaum klingen – und viel düsterer kann man auch nicht texten. Eine introvertierte und pessimistische Auseinandersetzung mit seinem Offline-Erfolg und den nach wie vor bedrückend düsteren Bildern in seinem Kopf, mal gesungen, mal gerappt und immer stimmig. – Jonathan Nixdorff

45

Lil Yachty – Lil Boat

Yachty und sein Sailing Team entzweiten die HipHop-Welt 2016 wie kaum ein anderes Kollektiv. Denn als Post-Internet-Rapper mumblete sich der bunthaarige Paradiesvogel mit simplifzierten, teils bewusst schlampigen Synthie-Kinder-Charme voller Absurdi-, Obszöni- und Banalitäten durch die Timelines und erinnerte Realkeeper an ihr zunehmendes Alter, Young Guns an den nächsten Turn Up – und uns vor allem daran, was Rap uns einmal gemacht hat: Spaß. – Fionn Birr

44

Wiki – Lil Me

Das Ratking-Drittel holte sich auf seinem Solo-Debüt mit Kaytranada, Madlib oder Black Milk eine zertifiziert nerdige Auskennerriege vor die Musikkonsolen, um ein organisches Leftfield-Orakel aus Tour-Tagebuch, Eigensinnigkeit und New Yorker Alltagswahnsinn zu skizzieren. „Lil Me“ war in dieser Ära der lilfarbenem Harlem-Hoodlums mit Dollarzeichen-Fetisch ein musikalisch durchweg überzeugendes Statement dafür, dass Rapper aus New York auch ohne Hustensaft im Pappbecher relevant sein können. – Fionn Birr

43

Maeckes – Tilt

Maeckes veröffentlichte in diesem Jahr sein zweites Album – was ein bisschen verrückt klingt, zumal der Orson seit Jahren fester Bestandteil der Deutschrap-Szene ist. Nach unzähligen Projekte war es erst „Tilt“, das der Stuttgarter sechs Jahre nach „Kids“ mal wieder als vollwertiges Album adelte. Auf der Platte wechseln sich poppige Klänge und experimentelle Arrangements durchweg ab. Textlich oft hochkomplex und unverständlich, musikalisch oft mehr als eindeutig. Maeckes bleibt sich selbst treu, auch wenn er selbst nicht genau weiß, wer oder was er (Maeckes) denn eigentlich ist. Seine musikalische Reise führt den Hörer auf tiefe, nachdenkliche Pfade, um dann kommentarlos auf die nächstgelegene Autobahn abzubiegen. Ein Album, das man immer und immer wieder hören kann, ohne es jemals ganz zu durchschauen. – Esra Turan

42

LGoony & Crack Ignaz – Aurora

Die Veröffentlichung von „Aurora“ katapultierte den Hype, den LGoony und Crack Ignaz im Jahr 2015 aufgebaut hatten, ins Unermessliche. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion entstanden und unangekündigt ins Netz geschossen, lieferte das Album den perfekte Startschuss für die gemeinsame Tour – die Liveshow gewordene Manifestation, dass Forum-Fame auch offline zieht. „Aurora“ ist als Album sicherlich kein in sich geschlossenes Meisterwerk, dafür aber eine faszinierende Momentaufnahme dafür, wie zwei Hochtalentierte ihren gemeinsamen Nenner finden. Der liegt irgendwo zwischen Auto-Tune-Kitsch, Alman-Ösi-Drill und blumig besungene Luxusbrands. – Jonathan Nixdorff

41

Kamaiyah – A Good Night In The Ghetto

Auf ihrem Debüt „A Night In The Ghetto“ kombinierte Kamaiyah die handwerklichen Fähigkeiten eines Lyricist der Golden-Era-Schule mit unerhört poppiger Eingängigkeit – ihr selbsternannter Tomboy-Rap atmete den Geist der 90s so sehr, dass man sich gleich mal vornehmen wollte, sein Stüssy-Shirt rauszukremplen und einen „Fresh Prince Of Bel-Air“-Marathon einzulegen. – Fionn Birr