Crack Ignaz & Wandl – Geld Leben

Ist es nun Crack Ignaz’ zweites Album, wenn es als gleichwertige Kollaboration mit Wandl erscheint? Keine Ahnung, ist auch egal, denn „Geld Leben“ ist vielleicht das unverkrampfteste, smoothste (wie soll man das denn aussprechen?) Album der letzten zwölf Monate. Musikalisch ergänzen sich Wandls Sound und Crack Ignaz’ Stimme sowie sein Umgang mit Sprache perfekt.

Dabei fehlen auf den ersten Blick die Merkmale eines Hit-Albums: Weder finden sich richtige Abgeh-Songs auf dem Album, noch heftige Kopfnicker, die der BoomBap-feiernde Deutschrap-Fan auf Anhieb erkennen würde. Trotzdem funktioniert der Sound des Albums, den ich einfach als „Cloud“ einordne, weil er ähnlich fuzzy und schwer festzunageln ist (wie eine Wolke). Und hiermit ist dieser furchtbare Begriff doch noch mal zu etwas gut.

Das Album ist aber nicht einfach seltsam diffus, sondern so locker, dass es in meine üblichen Deutschrap-Kriterien nicht mehr hineinpasst. Musikalisch liegt das ganze irgendwo zwischen Lil B und Madlib, zwischen Trap, Cloud, BoomBap und vielem anderem. Das klingt etwas widersprüchlich? Ja, ist es auch. Aber Wandl schert sich nicht darum, macht einfach, und es funktioniert wunderbar. Warum sollte man sich also ewig damit aufhalten, die Musik einzuordnen? Die freie Herangehensweise gipfelt auch in ein oder zwei Absurditäten. Auf „Wellen“, dem vorletzten Track, erzählt Crack Ignaz etwa drei Minuten lang über ein sphärisches Instrumental eine seltsame Liebesgeschichte. Das passt soundtechnisch und vom Abstraktionsgrad wunderbar ins Album, verwirrt aber doch auch merklich.

Nicht nur musikalisch, auch sprachlich wirkt das Album angenehm unbeschränkt. Haufenweise Anglizismen und Salzburger Dialekt? Klar. Hochdeutsche Einschübe und Internet-Slang? Auch kein Problem. Crack Ignaz erinnert in seinem Umgang mit Sprache/Sprachen an Haftbefehl. Nur erzeugt er dabei ein ganz anderes Feeling. Sind ja auch ganz andere Sprachen und ganz andere Themen. Aber auch bei Ignaz K passt alles zusammen, klingt gut und hat Swah. Selbst als Dialekt-Hater gewöhnt man sich nach kurzer Zeit an die Vortragsweise und erkennt die Unverkrampftheit, die Ignaz an den Tag legt. Hier versucht niemand, edgy zu sein und sich durch den Dialekt abzuheben. Die Entscheidung gegen Sprachgrenzen und für den eigenen Dialekt fällt im Affekt.

„Geld Leben“ ist kein Banger, den man morgens müde in der Bahn hört, um gehypet auf der Arbeit anzukommen, es ist auch kein deepes Storytelling-Monument. Es ist vor allem ein entspanntes und stimmiges Album. Es wird nie wirklich melancholisch, man hört immer Crack Ignaz’ Grinsen durch. Auch den Instrumentals hört man an, dass Wandl nicht nur depressiv vor dem Laptop rumgebastelt hat.

Man könnte auch sagen: Auch ein swaggy Dude sitzt mal zuhause entspannt auf dem Sofa, ohne gleich zu weinen. Dabei würde er wahrscheinlich diese Musik hören. Swag-Rap ≠ Swag-Rap. Es wird endlich Zeit, die neuen Kids ernst zu nehmen.

„Geld Leben“ von Crack Ignaz & Wandl erscheint am 15. Januar 2016 via Melting Pot Music.