splash! Mag Converse

Wir sind
generell
Anti
Hype!

LGoony und Crack Ignaz sind die Gesichter der neuen Converse One Star-Kampagne. Es gibt wohl keinen besseren Anlass, um mit den beiden Boys ein bisschen über deren Stilverständnis, die Rolle von Social Media in dem ganzen Fashion-Kontext und die Bedeutung von Flexen zu quatschen. Deshalb haben wir uns bei dem Shoot eingeklinkt und die Jungs dabei begleitet, wie sie bei gefühlten Minusgraden in wunderschönen Schuhen durch U-Bahn-Stationen streunten.

Eine Fashion-Coverstory mit Ignaz und Goony? Diese Frage können wir im ersten Moment eigentlich niemanden übel nehmen, stehen die beiden Airforce Luna-Jungs nicht gerade im Mittelpunkt der deutschen, streetstyleverbundenen Rap-Welt. Weder LGoony noch Crack Ignaz füllen ihre Instagram-Accounts mit teuren Outfits, Danksagungen an irgendwelche Artist-Relation-Menschen oder identifizieren sich offensichtlich mit irgendwelchen Hypes. Ab und zu droppen sie mal “Gucci, Prada, Louis” in ihren Tracks, doch wirkliches übertriebenes Zurschaustellen bleibt aus. Wenn man daraus aber auf ein generelles Desinteresse an Mode schließt, liegt man ganz einfach falsch. Das ist auch der Grund, wieso diese Coverstory schneller als gedacht ihre Daseinsberechtigung bestätigt.

»Rap ist grad sehr im Zeitgeist und ist Mainstream-Kultur, genauso wie Fashion und Streetstyle auch.« LGoony
Goony, Ignaz, Ubahn

Aber beginnen wir mal ganz am Anfang – wenn auch nur kurz – bei dieser intensiven Liebesbeziehung, die Rap und Fashion gerade führen. Obwohl Mode ja schon immer (ja, wirklich immer) ein unglaublich relevanter Teil der HipHop-Kultur war, gab's besonders in den letzten Jahren eine sehr bedeutende Entwicklung: HipHop wurde von einem einst kleinen Subgenre zum Mainstream, Streetstyle übernahm die Laufstege und alles verschmolz zu dieser klebrig-süßen, trendgetriebenen Masse an Lifestyle, Fashion und Musik, der man sich kaum entziehen kann. Kanye West und Co. mauserten sich zu Streetwears wichtigsten Stilikonen und kaum ein großer Name der HipHop-Welt macht nicht gemeinsame Sache mit der einen oder anderen Brand. In Mainstreamgefilden sind Mode und Rap also kaum mehr auseinanderzuhalten.

Ignaz, gelb
Ignaz, gelb
Goony, gelb
Goony, gelb
»Fick Social Media!« Crack Ignaz

Laut Crack Ignaz fließt noch was ganz anderes in diesen Wandel mit ein. Rap sei im Laufe seiner Entwicklung ziemlich oberflächlich geworden, zumindest im Mainstream. „Mein erster Gucci-Gürtel war ein ganz anderes Statement, es hatte eine andere Bedeutung“, irgendwann hat es dann aber den Hintergrund verloren und der einfache Besitz irgendwelcher teuren Marken rückte in den Vordergrund – „Statt einer gesunden Individualität wird der Konsum an sich im Rap einfach zu krass glorifiziert.“ Einstige Statussymbole mit Bedeutung wurden so zu einfachem Haben oder Nicht-Haben, das von den Rappern dieser Welt fleißig besungen wird.

Goony, gelb

Gleichzeitig wird von den Fans und der Rap-Anhängerschaft nicht mehr nur die Musik eines Künstlers gekauft und konsumiert, sondern das komplette Paket – also von Outfits bis Luxusgüter. Für LGoony eigentlich eine ziemlich logische Folgerung: „Je mehr promotet wird, desto mehr findet es auch im Leben der Fans statt.“ Man kauft sich nicht mehr nur das Album von Artist XY, sondern will den kompletten Lifestyle. Jung und alt (s/o Kai Pflaume) grinden also regelmäßig auf den Instagram-Accounts der Rap-Welt und fühlen sich verdammt wohl dabei. Doch Ignaz erinnern die sozialen Netzwerke eher an eine Lotterie:

»Jeder spielt mit, jeder will irgendwie den Jackpot knacken. Am Ende des Tages sind es dann aber nur virtuelle Zahlen, die nicht wirklich viel mit dem echten Leben zu tun haben.«

Die beiden Airforce Luna-Jungs hängen dann doch zu sehr am Real Life und der Musik an sich, nicht an dem ganzen Drumherum. „Es rückt auch krass den Fokus weg von der Musik,“ bringt Goony auf den Punkt. „Es rückt generell den Fokus weg von jeglichem Inhalt“ haut Ignaz hinten nach. Doch beide werden sich einig, dass es eben dazugehört, „weil es alles irgendwie greifbarer macht.“

Goony
Shoes

Trotzdem spielt Style sehr wohl eine Rolle. „Klar setzt man sich damit auseinander“, doch versucht Goony seinen eigenen Weg zu finden und nicht die ausgetretenen Pfade der anderen entlang zulaufen – „Ich bin insgesamt eher Anti Hype!“ Das gleiche gilt auch für Ignaz: mit seiner mit Fuchsfell gefütterten Bomberjacke (Anm. d. Red. Es handelt sich um Vintage Fell, also recycelt, Ignaz ist eigentlich kein Fan von Pelz und Fell) schreit er gegen den Hype auf: „Ich mag viele Designs gern, aber wenn man dann wirklich die schlimmsten Idioten damit rumlaufen siehst, dann vergeht es einem.“

»Miss me mit dem Bullshit, oida. Ich chill' lieber auf der Alm und blick hinab. Auf die Distanz seh' ich zwar die Menschen, aber ich seh' nicht was sie anhaben. Und das ist gut so. Hauptsache denen geht’s gut.« Crack Ignaz

Diese extreme Hype-Orientierung der Modewelt und deren Jünger, führt dazu, dass eine Identifikation für die beiden schlicht und einfach unmöglich wird. Designs verlieren an Wert und die Schwierigkeit, Sachen zu finden, „die man selbst auch ästhetisch findet, und gleichzeitig kein Teil dieser Hype-Sache sind“ wird laut Ignaz immer größer. Imitation und Einheitlichkeit geht für die Masse vor Individualität. Klar, Fashion erfüllt natürlich auch den Zweck von Zugehörigkeit einer Gruppe und Identifikation mit Gleichgesinnten, doch bleibt immer der Zwiespalt: Ein Stilmittel, das man so einfach bestimmen kann, sollte doch eigentlich dazu verwendet werden, die eigene Persönlichkeit zu unterstreichen und nicht Eins-zu-eins jemand anderen zu kopieren. Vor allem nicht, wenn man dieses Imitation und die Verherrlichung des Konsums innerhalb einer (Pop-)Kultur zu einem wahllosen Konsum irgendwelche Güter führt, die einen rein finanziellen Wert darstellen (Stichwort Sneaker-Resell).

Ignaz, Goony

Ja, auch Lgoony und Ignaz K. besingen Prada, Fendi, Gucci und Co. und setzten sich mit dem Thema auseinander, doch passiert alles auf einer persönlichen Ebene. Es werden keine Gucci-Logos gesportet – nicht nur, weil „Gucci played out ist“, sondern weil alles eher fernab der Augen ihrer Instagram-Follower passiert. „Gepose ist falsch, Flexen ist dope!“ erklärt Ignaz. „Wenn du irgendwo hin greifst, dein Shirt sich langsam hebt und der Ferragamo-Gürtel glänzt und alle erblinden, dann ist das schon was wert.“ A m Ende des Tages bestimmt jeder selbst, wie er Flexen definiert. Es wird aber schnell klar, dass die beiden sehr wohl Ahnung von dem Ganzen haben, doch ihr Stilverständnis eben auf ihre eigene Art ausleben – Abseits von irgendwelchen Trends und Massenkonsum.

Ignaz, Goony

Vielleicht ist diese Anti-Hype-Haltung genau der Grund, wieso wir die beiden bei dem Converse One Star-Shoot getroffen haben. Kann man den Schuh doch irgendwie als Antithese zu dem ganzen Dad-Sillouhetten-Future-Trend, der jedem, der auf ein bisschen Abwechslung steht, schon längst zum Hals heraus hängt, sehen. Alleine schon die Zusammenarbeit mit Tyler, The Creator spricht eigentlich für die Kompromisslosigkeit großen Maß an Individualität von Converse. „Tyler war damals schon eine große Inspiration. Er ist immer schon seinen eigenen Weg gegangen und hat nur das gemacht, was er nice fand und das in alle Richtungen: sein eigenes Festival, eine eigene Marke, seine Musik, seine Videos – alles einfach.“ Denn im Endeffekt geht’s auch bei LGoony und Crack Ignaz darum, das zu machen, was einem selbst gefällt, sowohl musikalisch als auch stiltechnisch. „Scheiß egal, wenn man von irgendwelchen Pseudoexperten negativ bewertet wird. Solange man sich wohlfühlt und das trägt, was man will, ist alles gut.“ Individualität und Einzigartigkeit wird für die beiden und uns eben doch für immer über einem sinnlosen Massenkonsum stehen.

Goony
»Es geht natürlich auch um den Flex!« LGoony
splash! Mag