Cashmere Cat: „Es klingt wie eine Mischung aus einem Bohrer und einer sehr fröhlichen Schlange.“ // Interview

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Cashmere Cat — bitte wer? Magnus August Høiberg, so sein bürgerlicher Name, ist ein norwegischer Produzent. Wenn ihr ihn nicht kennt, dann wird es höchste Zeit das zu ändern, denn auf seinem Debütalbum „9“ geben sich Selena Gomez, Ty Dolla $ign, Mø und The Weeknd die Klinke in die Hand. Und selbst an einem Beat für Kanye hat er bereits mitproduziert. Auf einen anderen als seinen eigenen Stil kann man ihn nur schwer festlegen. Franziska Gromann hat mit dem Wahl-New-Yorker am Telefon über Katzen, Hunde und Loser gesprochen.

Ist dieses Wochenende dein erster Auftritt in Deutschland?

Nein, ich glaube nicht. Ich war schon ein paar Mal in Deutschland. Ich habe hier bereits auf einem Festival gespielt und außerdem leben ein paar gute Freunde von mir in Berlin. Mit denen habe ich auch schon zusammen an Musik gearbeitet. Holy Other zum Beispiel ist ein richtig cooler Produzent. Den treffe ich normalerweise wenn ich in Berlin bin.

Bemerkst du einen Unterschied, je nach dem ob du in Europa oder den USA auftrittst? Vor allem die EDM-Szene ist dort ja etwas ganz anderes, oder?

Also erstmal verstehe ich mich nicht als Teil der EDM-Szene und ich weiß auch nicht, wie die funktioniert. Aber ich glaube, dass Europäer_innen elektronische Musik auf eine andere Art und Weise hören als Amerikaner_innen, schon immer. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es unterschiedlich ist, aber ich kann jetzt nicht genau sagen, was genau das ist. Manchmal sind die Leute in Europa respektvoller, manchmal sie die Leute in Amerika wilder, aber manchmal ist es auch genau andersherum. Aber es gibt diesen Unterschied, auch wenn ich ihn jetzt nicht genau benennen kann.

Wenn du sagst, dass du dich nicht als Teil der EDM-Szene verstehst – wie würdest du deine Musik dann beschreiben? Wie stellst du dir eine Person vor, die deine Musik hört?

Oh, das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, diese Person hat sich im Verlauf der Zeit ziemlich geändert: früher, vor Cashmere Cat, habe ich mir immer ein großes Publikum vorgestellt – verschwitzt, im Club, auf einem großen Festival, ein Publikum das total durchdreht und Drogen nimmt, richtig aufdreht. Inzwischen stelle ich mir diese Person mehr als Zuhörer vor. Jemand der die Straße entlangläuft und auf seinem Smartphone Musik hört. Oder jemand der in einem Zug aus dem Fenster schaut. Das ist schon eine ziemliche Veränderung.

(Autosirene im Hintergrund)

Ok, das ist irritierend, was war denn das?

Das war ein Rettungswagen. Du findest das irritierend? Ich liebe es. Das gefällt mir an New York, dieser ganze Lärm. Man hört immer irgendwelche Geräusche. Ich fühle mich da wohl. Es ist wirklich überall, die ganze Zeit. Mal ein Krankenwagen, Leute brüllen, Kreischen – und irgendwie beruhigt mich das.

Früher haben Leute dann immer komisch geschaut, wenn ich eigene Sachen gespielt habe.

Cashmere Cat

Hast du ein Lieblingsgeräusch?

Ein Lieblingsgeräusch? Das ist eine gute Frage! Ich mag diese Frage. Und ja! Ich habe ein Lieblingsgeräusch! Wenn man im Flugzeug ist und bei der Landung gibt es so ein bestimmtes Geräusch. Aber nicht immer. Nur bei jedem fünften Flug oder so. Ich bin mir nicht sicher, was es ist, aber es kommt aus dem Frachtraum. Ich kann es wirklich sehr schlecht beschreiben, weil es auch nur so selten zu hören ist. Es klingt wie eine Mischung aus einem Bohrer und einer sehr fröhlichen Schlange.

Hast du schonmal versucht das Geräusch nachzuproduzieren?

Ja, ganz oft! Aber das ist unmöglich.

Produzieren kam bei dir erst später dazu, ursprünglich hast du als DJ angefangen. Stehen die beiden im Widerstreit oder ergänzt sich das?

Oh, das ist schwer zu sagen. Anfangs war mir DJing viel wichtiger, inzwischen denke ich gar nicht mehr ans DJing, wenn ich Tracks produziere. Anfangs hatte ich kein Publikum für meine Musik. Die einzige Gelegenheit sie einem Publikum vorzuspielen war als DJ, wenn ich so zehn richtig gute Songs hintereinander gespielt habe, um dann einen eigenen Track zu spielen und zu hoffen, dass es niemand auffällt und der Track den Leuten auch gefällt. Inzwischen bestehen meine Sets fast nur noch aus eigenen Tracks – und dann kann ich auch mal einen Teil spielen ohne Drums und Vocals, der 15 Minuten lang „chhhhrhchchchchschschsch“ macht – und ich mache mir weniger Sorgen darum ob er dem Publikum auch tatsächlich gefällt. Ich habe das Glück, jetzt in der Position zu sein meine eigene Musik spielen zu können, ohne dass die Leute das doof finden. Früher haben Leute dann immer komisch geschaut, wenn ich eigene Sachen gespielt habe.

Was inspiriert dich beim Produzieren?

Im Herbst, wenn es nicht regnet und draußen viele Blätter auf dem Boden liegen, man geht mit dem Hund spazieren und dann kickt man die Blätter hoch und der Hund jagt die Blätter. Dieser spielerische Moment inspiriert mich am meisten.

Ich habe mich gefragt, dein Künstlername ist ja Cashmere Cat, aber im Video zu „9 (After Coachella)“ wird gesagt, dass du Hunde magst – bist du mehr ein Hunde- oder ein Katzenmensch?

Hunde. Wieso ich ausgerechnet Cashmere Cat als Künstlernamen habe weiß ich auch nicht. Ich bin verwirrt. Und du? Bist du mehr ein Hunde- oder ein Katzenmensch?

Ich weiß nicht, ich mag beides.

Ich mag Hunde lieber, weil sie immer eine Interaktion wollen. Katzen suchen die Interaktion nur, wenn sie selber wirklich wollen. Hunde freuen sich immer, wenn sie dich sehen und kommen immer zu dir. Katzen nicht.

Mit welchen Künstler_innen hast du am liebsten zusammengearbeitet, von all deinen Kollaborationen?

Das weiß ich nicht. Ich habe mit so vielen Leuten zusammengearbeitet. Früher habe ich immer allein gearbeitet, ganz allein. Aber inzwischen produziere ich fast nur noch zusammen mit Freunden und Künstlern. Das gefällt mir am besten, weil alleine zu arbeiten doch sehr langweilig ist. So wie alles andere auch, Reisen oder ein gutes Restaurant. Wenn du in einem guten Restaurant bist und etwas Tolles serviert bekommst und du sagst „wow, das schmeckt unglaublich“ — aber dann kannst du das Gefühl mit niemandem teilen, dann wird es gleich viel weniger aufregend. Genauso geht es mir mit Musik. Aber wenn man dieses Gefühl teilt, dann wird es automatisch viel schöner. Ich glaube sowohl in der Musik, wie auch im Leben bin ich inzwischen weniger Einzelgänger.

Es ist einsam und kalt in Norwegen – da kann man nichts anderes tun, als sich an den Computer zu setzen.

Cashmere Cat

Also würdest du dich früher eher als introvertiert beschreiben oder…

Ja, und das bin ich immer noch! Aber ich habe gerne Gesellschaft von einem anderen Menschen – oder Tier!

Aus deiner Heimat Norwegen und Skandinavien insgesamt kommen viele Produzent_innen, die großen Einfluss auf die internationale Popmusik haben. Hast du dafür eine Erklärung?

Es gibt tatsächlich viele bekannte Produzent_innen aus Norwegen. Kennst du Stargate? Die haben „What’s my name“ und „Diamonds“ von Rihanna produziert zum Beispiel. (singt die Lieder kurz an). Die kommen aus der gleichen Gegend in Norwegen wie ich. Das sind richtige Helden für mich und ich habe auch schon öfter mit ihnen zusammengearbeitet. Ich glaube es gibt so viele großartige Produzenten in Norwegen weil das Wetter so schlecht ist. Manchmal kann man einfach nichts anderes machen, als zuhause rumzusitzen am Computer und ein Loser sein — weil draußen würde man sich nur erkälten. Es ist einsam und kalt in Norwegen – da kann man nichts anderes tun, als sich an den Computer zu setzen.

Aber auch jetzt, wo du nicht mehr in Norwegen lebst, produzierst du weiterhin Musik?

Ja, jetzt mache ich sogar mehr Musik als jemals zuvor. Aber meine norwegischen Wurzeln haben meine Musik mehr beeinflusst als alles andere. Ich liebe Norwegen und in zwei Wochen fahr ich endlich wieder mal hin. In Norwegen gibt es auch meinen Lieblingskaffee. Was nur wenige Menschen wissen, ist, dass es in Norwegen ein paar richtig gute Kaffeeröstereien gibt. Darauf freue ich mich am meisten. Auf den norwegischen Kaffee.

Cashmere Cat spielt am Freitag (13.10) im Bi Nuu in Berlin – dafür gibt’s hier noch 2 x 2 Tickets zu gewinnen. Schreibt einfach eine Mail mit dem Betreff „Cashmere Cat“ und eurem vollen Namen an win@splash-mag.de und mit ein bisschen Glück packen wir euch auf die Gästeliste. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen und die Gewinner werden per Mail benachrichtigt.