Killa Cam-Liebe – Die zehn besten Cam’Ron Tracks // Best Of

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Der Release von Cam’Rons Hit-Single „Hey Ma“ feiert 15. Geburtstag! Diesen Anlass wollen wir nutzen, um an die Meilensteine des Dipset-Oberhaupts zu erinnern. Ganz persönliche Lieblingsstücke, die erfolgreichsten Songs oder die Rap-historisch relevantesten Tracks – unsere Top10 erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist viel mehr verträumte Nostalgie. Damals, als noch viele der heutigen Realkeeper mit 5xl-Shirts und Red Bandana selbst der Kritik der HipHop-Polizei ausgesetzt waren.

99

Cam’Ron – 10,000 Miles

Im Frühjahr dieses Jahres bewies uns die Harlem-Ikone auf erstaunliche Art und Weise, dass er weiterhin der König der Sample-Auswahl ist. Ein wahrlich herrzerreißendes Comeback, inklusive herzzerreißendem Video. Nicht unbedingt ein Anwärter auf unsere Top10-Liste, aber unbedingt erwähnenswert!

10

Cam’Ron – Get Ya Gun

Ignorante Lines („should talk in sign language / y’all don’t deserve words“), epische Chöre und ein Beat, der wie ein Punch in die Magengrube wirkt und bei gutem Subwoofer ein Auto zum Kippen bringen könnte. „Get Ya Gun“ aus „Killa Season“ von 2006 vereint heute noch alles, was einen guten Killa Cam-Track ausmacht.

9

Cam’Ron – Get’em Girls

Die Leadsingle zu „Purple Haze“ hatte neben den typischen Referenzen an TV-Shows, die sich nicht nur lyrisch, sondern auch in Form eines Talkshow-Sketches niederschlugen, ein episch geflipptes „Carmina Burana – O Fortuna“-Sample zu bieten. Noch epischer als das Sample war nur die letzte Minute des Videos, in der Killa Cam zu „Killa Cam“ den nebelverhangenen Katakomben entsteigt und in einen knallpinken Range Rover steigt.

8

Cam’Ron – Dipshits

2014 ließ uns Cam für kurze Zeit die 6XL-Shirts aus dem Schrank kramen und von einer glorreichen (Dipset-)Zukunft träumen. Der A-Trak produzierte Track war ein solch schlagkräftiges Brett, dass der anschließende splash! 18-Auftritt im Rückblick immer noch verdammt weh tut. Es hätte doch…man hätte doch…wäre er doch…

7

Cam’Ron – You Got To Love it

Cam’ron ist nicht nur Lebemann, sondern war auch jederzeit in der Lage, der Konkurrenz die Leviten zu lesen, wann immer das nötig war. Dass er mit „Curtis“ nebenbei 50 Cents Karriere dem Abgrund zuführte, hat man heute fast vergessen. Noch durchschlagender, wenn auch ein zweischneidiges Schwert, war nur seine Abrechnung mit seinem ehemaligen Labelboss bei Rocafella, Jay-Z. Cam’ron schlug sich auf die Seite des von der Doppelspitze vertriebenen Damon Dashs und im Nachhinein hätte es vielleicht klügere Business-Moves gegeben. Trotzdem hat kaum jemand ähnlich viele erinnerungswürdige Lines innerhalb eines Diss-Songs gesammelt. Und dann diese Max B-Hook (#freemaxb)!

6

Cam’Ron – Let Me Know

Cams zweites Studio-Album „S.D.E. (Sports, Entertainment, Drugs)“ war nicht nur das letzte Album über Epic Records und das erste Machwerk nach dem Tod seines ehemaligen Weggefährten und Mentors Big L, sondern markierte mit Features von Juelz Santana, Jim Jones und Freekey Zekey auch den Anfang der Diplomats. „Let Me Know“, der bereits 1999 releast wurde, war der Standout-Track und stellte zudem im Video die eben Genannten vor. Der Beginn einer Ära.

5

Cam’Ron feat. Juelz Santana & Jay-Z – Welcome To New York City

„Welcome To New York City“ war nicht nur das letzte Jay-Z-Feature (Gründe weiter oben) und nach 9/11 eine Hymne an die Standhaftigkeit der Bewohner einer in ihren Grundfesten erschütterten Stadt. „Welcome To New York City“ sorgte auch in deutschen Gefilden für einen erneuerten Ausdruck von Lokalpatriotismus. Nahezu jede Stadt bekam ihr „Welcome To…“. Kein Wunder, denn der Just Blaze-Beat funktioniert auch heute noch bestens.


4

Cam’Ron feat. Kanye West – Down & Out

Damals, als Kanye West sich noch nicht Yeezy schimpfte und sich zur Aufgabe machte, häßliche Schuhe an den Mann/ das Hype-Kid zu bringen, war der Junge aus Chicago ein begnadeter Rapper und Produzent, auch wenn man gestehen muss, dass der stilprägende Beat ursprünglich von Kollege Brian Miller stammte und sich beide dann Co-Production Credits teilten. Tut dem Song natürlich keinen Abbruch.

3

Cam’Ron feat. Juelz Santana – Hey Ma

Das Geburtstagskind nur auf Platz 3?! Es tut mir fast Leid. Aber ein dritter Platz beim Hit-Katalog Killa Cams ist wie ein erster Platz bei 99,999% aller anderer Rapper. Der Trostpreis also für die zweite Single aus „Come Home With Me“. Auch nach 15 Jahren ein unvergleichbarer Mix aus Corny und Kinky. Dazu eine Hook, die auf sämtlichen Teenager Housepartys das Eis brach, wenn „sie“ die richtigen Zeilen wusste. Also rein imaginativ. Wusste sie natürlich nie. Aber mein 14-jähriges Ich wäre vorbereitet gewesen.

2

The Diplomats – Dipset Anthem/ I Really Mean It

„Diplomatic Immunity“ – allein diese zwei Worte verursachen Gänsehaut. Das Crew-Album, das die Blaupause für knappe fünf Jahre Deutschrap darstellte. Ein Meilenstein der Rap-Geschichte und stilprägend für eine ganze Generation an Nachwuchs-Rappern, musikalisch, aber viel mehr noch modisch. Kein Rap-Kollektiv hatte danach einen ähnlich großen modischen Einfluss, jede Brand, die gerockt wurde, musste gecoppt werden. Egal, ob man das weißeste Vorstadtkind der Welt war (und das war ich), man war felsenfest davon überzeugt, sich mit ähnlichen Klamotten eine ähnliche Reputation aufbauen zu können. Geklappt hat das nur vorm Spiegel, im Kopf und bei den besten Freunden. „Dipset Anthem“ und besonders „I Really Mean It“ waren aber nicht nur aufgrund ihrer Visuals Meilenstein, auch der Heatmakerz-Sound, eine Weiterentwicklung des von Just Blaze und Kanye West etablierten Styles, Soul/Funk/Glamrock-Stücke zu samplen und zu pitchen, war für viele Jahre das Non-Plusultra. Wie genial der Sound ist, versteht man besonders gut rückblickend, weil man heute mit Fug und Recht sagen kann, dass kein deutscher Produzent auch nur annähernd an den Sound kam. Und das lag ganz sicher nicht daran, dass es nicht versucht wurde.

1

Cam’Ron feat. Juelz Santana – Oh Boy

Bis heute Cam’rons größter Hit, schönster Hit, wundervollster Hit. Just Blaze, Vocal-Pitch, Cam & Juelz. Coolness wurde an diesem Tag neu erfunden. Selbst Menschen, die mit HipHop nichts am Hut hatten, hatten „es“ für einen Augenblick verstanden. Bis heute nichts an seiner Wirkung verloren. Ich verliere mich in Stichpunkten und Gedankensprüngen. OH BOY!