Buddy: „Ich dachte, dass ich verdammt nochmal berühmt werde!“ // Interview

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Schon 2012 ließ Buddy zig HipHop-Münder offen stehen – mit „Staircases“ releaste er nämlich eine Überdosis Soul mit Kendrick-Feature aus Pharrells Producer-Händen und jeder war so: new Phone, who dis? Nun haben wir 2018, der Compton-MC Buddy hat mittlerweile ein Kollabo-Projekt mit Kaytranada, besitzt ein stabiles Mixtape- und Single-Archiv, lieferte 2017 der gefühlt kompletten HipHop-Welt Gastbeiträge (A$AP Rocky, BJ The Chicago Kid, Chance The Rapper etc.) aber irgendwie hat sich an seiner Bekanntheit die letzten fünf Jahre nicht viel geändert – jeder fragt sich immer noch wer Buddy eigentlich ist und das ist verdammt nochmal schade. Also, dürfen wir euch (zum hundertsten mal) vorstellen: Das ist Buddy, geboren 1993, aufgewachsen in Compton und unsere Autorin Nina Nagele hat vor seiner Berlin-Show im vergangenen Herbst kurz mit ihm gequatscht.

Foto: Nina Francesca Nagele // ig: @uglybutbroke

Foto: Nina Francesca Nagele // ig: @uglybutbroke

Wahrscheinlich haben viele Leute von dir das erste mal 2012 gehört, als du mit Kendrick Lamar den von Pharrell produzierten Track „Staircases“ releast hast.

Ja, stimmt. Ich war zu dieser Zeit schon bei I AM Other gesignt. Ich hab gerade mit Pharrell an dem Song gearbeitet, als die komplette TDE-Crew ins Studio kam – also Schoolboy Q, Jay Rock, Ab-Soul und Kendrick. Pharrell hat den Track angemacht und Kendrick gefragt ob er drauf rappen will, also sprang K. Dot in die Booth. Es ging alles wahnsinnig schnell. Aber an dem Tag hab ich mit allen connectet. Obwohl ich eigentlich die ganze Zeit nur rumgerannt bin und mit Q hängen wollte, weil er der Dude mit dem Weed war (lacht).

Hast du nicht auch Mike & Keys, mit denen du „Magnolia“ gemacht hast, irgendwie über ’ne Weed-Connection kennengelernt?

Ja (lacht). Ich habe durch eine andere Musik-Bekanntschaft einen Dealer kennen gelernt, der mit einem Haufen verschiedener Sorten Gras daher kam – echt eine ganze Box voll. Kush, Indica, Sativa, Haschisch, einfach alles. Also wurden wir Freunde (lacht). Nicht nur wegen dem Weed natürlich. Kurz bevor ich dann mit meiner Schwester für ’nen schnellen Geburtstagsurlaub nach Hawaii flog, rief ich ihn an. Ich brauchte irgendjemanden der mit mein Weed so verpackt, dass ich’s im Koffer mitnehmen kann. Das hat er natürlich gemacht, Ehrenmann. An diesem Tag nahm er mich dann auch mit zu Mike & Keys. Ich wusste damals schon, dass die verdammt heiße Beats haben. Wir haben dann den ganzen Tag gekifft, gechillt, sie haben an ein paar Beats rumgebastelt und ich hab dann drüber gerappt. Es hat von Anfang an einfach gepasst. Mittlerweile haben wir ungefähr 300 Tracks. Für „Magnolia“ haben wir dann die besten fünf rausgesucht, wir haben aber noch ziemlich viel guten Scheiß, der muss aber noch fertig werden.

Klar, es passierte sehr viel Shit in meiner Gegend, aber ich hab das Gefühl, das ist überall so.

Buddy

Aber bevor wir weiter über „Magnolia“ reden: Du hast ja 2014 schon dein erstes Tape „Idle Time“ gedroppt. Wie war es daran zu arbeiten? Bist du sehr unter Druck gestanden?

Ich glaub den größten Druck habe ich mir selber gemacht. Ich wollte möglichst schnell mehr Musik droppen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nichts von dem Plan verstanden, den I AM Other und Pharrell für mich hatte. Die hatten einen Roll-Out Plan, Marketing, die ganzen Videodrehs, die Organisation von Shows – das habe ich alles nicht wirklich verstanden. Deshalb war ich irgendwie ängstlich und hab dauernd nur daran gedacht mehr Tracks zu releasen – also habe ich das Tape einfach über Twitter gedroppt, ohne Promo oder sonst was. Ich glaube, dass es deshalb vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit bekam.

Und es waren verdammt viele Features drauf. Glaubst du, dass viele Leute auch davon etwas abgelenkt waren?

Ja, ganz bestimmt. Sogar ich war etwas abgelenkt davon. Ich wollte all diese Leute auf meinem Tape haben, aber eigentlich hätte ich einfach einen Track für mich selbst gebraucht. Das wichtigste, das ich daraus gelernt habe ist aus einem Projekt alles herauszuholen, das nur geht. Und nicht einfach nur Musik zu droppen, damit ich Musik droppe. Wenn du wirklich ein geiles Projekt fertig hast, kannst du so viel mehr raus holen, als nur ein paar Hörer, ein paar Views oder ein paar Likes. Du kannst deinen Standpunkt klarmachen, du kannst Widerstand leisten, du kannst etwas Zeitloses schaffen.

Ist das auch einer der Gründe, wieso „Magnolia“ eine EP wurde?

Ja, ich hatte einfach das Gefühl, dass weniger mehr ist – zumindest zu diesem Zeitpunkt. Ich hab versucht es nicht zu übertreiben, sondern habe auf Qualität statt Quantität geachtet. Ich habe auch ganz anders daran gearbeitet. Bei „Idel Time“ hüpfte ich von Studio zu Studio und habe mit unglaublich vielen unterschiedlichen Menschen zusammengearbeitet. Dann habe ich alles gesammelt und das beste daraus gemacht. Bei „Magnolia“ war alles viel organisierter und durchdachter. Wir hatten genügend Zeit für Mixing und Mastering und haben den besten Release-Zeitpunkt abgewartet.

Im November 2017 hast du dann mit „Shine“ den nächste Hit abgeliefert, der auch hier in Deutschland etwas größere Wellen geschlagen hat.

„Shine“ war auch echt was besonderes. Ich wusste, der Track würde gut ankommen und ich wusste, dass sehr viel Positivität drin steckt. Ich wollte irgendwie einfach das Leben feiern, und das jeden Tag. Wenn ich mit Menschen in Kontakt bin, egal wo oder wie, will ich die selben Vibes fühlen, wie in dem Song. Ich bin immer irgendwie positiv gestimmt, weil ich atme. Ich bin nicht tot – ich lebe. Es gibt immer Hoffnung auf ein Morgen, es ist nicht vorbei. Das ist der Grund wieso ich immer versuche positiv über Dinge zu denken und für Menschen positiv gestimmt zu sein, die es selbst nicht schaffen – die vielleicht wegen irgendwelchen Problemen am verzweifeln sind. Ich versuche Menschen glücklich zu machen, das ist auch der Zweck von „Shine“. Der Track soll uns daran erinnern, dass wir am Leben sind. Nichts kann mich nach unten ziehen, ein bisschen wie Sonne.

Dein aktuelles Tape ist „Ocean & Monatan“ mit Kaytranada – wie hat sich dir Reise auf dem Tape unterschieden zu deinen vergangene Releases?

Ich war einfach an einem anderen Punkt in meinem Leben angekommen. Und meine Musik ist immer abhängig von meiner täglichen Reise durchs Leben. Als sich also meine Wohnsituation und meine Lebensumstände verändert haben, hat sich logischerweise auch meine Musik verändert. Ich bin aus meinem Elternhaus ausgezogen und hatte dann meine eigene Wohnung in Santa Monica. So ergab sich auch der Name „Ocean & Montana“ – das sind die beiden Straßen an der Ecke meiner Wohnung. Direkt über die Straße war der Strand, also ist das Tape auch voller Beachvibes. Gleichzeitig war es aber auch eine Zeit, in der ich realisiert habe, dass ich jetzt nicht mehr in meinem gewohnten Umfeld bin. Leute die früher um mich waren, sind jetzt nicht mehr in meiner unmittelbaren Nähe. Es hat sich alles verändert – wie ich aufgewachsen bin, woher ich komme und wie weit ich es geschafft habe.

Weil du gerade vom Aufwachsen sprichst. Es ist wahrscheinlich eine der meist gefragten Fragen im HipHop-Game, aber wie war es für dich persönlich in Compton aufzuwachsen?

Ich hatte eine ganz normale Kindheit. Hab viel mit meiner Familie, meinen Schwestern gechillt. Ich bin aber auswärts zur Schule gegangen – generell hab ich sehr viel außerhalb der Stadt unternommen. Los Angeles ist wahnsinnig groß und es gibt echt viel zu machen. Klar, es passierte sehr viel Shit in meiner Gegend, aber ich hab das Gefühl, das ist überall so. Ich hab gelernt, immer etwas Gutes in den Dingen zu sehen. Jeder um mich herum denkt an Worst Case-Szenarien, an das schlimmste an einer Situation, um darauf mental vorbereitet zu sein. Man hat immer im Kopf, was denn alles schlimmes passieren könnte. Ich glaube aber, dass das eine falsche Herangehensweise ist. Deshalb versuche ich immer an das bestmögliche das passieren kann zu denken.

Wir haben unendlich viele Möglichkeiten – Wir haben Zugang zu so viel Wissen und Aktivitäten.

Buddy

Zurück zu „Ocean & Montana.“ Wie hast du Kaytranada denn kennengelernt und wie war es mit ihm zu arbeiten?

Es war alles super easy. Kay ist mega gechillt, er hat mit ein paar Beats geschickt und ich hab drauf gerappt. Kennengelernt habe ich ihn bei einem seiner Videodrehs. Ich hing mit ein paar Freundinnen von mir ab und meinte irgendwann zu Kaytranada, dass seine Beats richtig dope wären. Er meinte darauf, dass er feiert, wie ich rappe – so kam das ganze zustande.

Einer der Standout-Tracks auf dem Tape ist ganz eindeutig „Find Me“. Du redest von einem Problem, dass jeder irgendwann durchmachen muss: Erwachsen werden, dabei sich selbst nicht verlieren und gleichzeitig noch irgendwie einsam zu werden. Wieso glaubst du ist es so schwierig sich selbst zu finden wenn man älter wird?

Wir haben unendlich viele Möglichkeiten – Wir haben Zugang zu so viel Wissen und Aktivitäten. Ich glaube von mir selbst, dass ich sehr viel machen könnte, deshalb glaube ich auch, dass viele andere genau so denken. Und wenn du der Meinung bist, dass du alles machen kannst, wie sollst du dann die ein, zwei oder drei Dinge finden, auf die du dich fokussieren willst? Wie entscheidest du dich? Das ist die eigentliche Frage. Man wühlt also eigentlich dauernd durch die eigenen Interessen auf der Suche nach der richtigen Entscheidung, der einen wahren Leidenschaft. Ich war schon immer der Entertainment-Typ, also wusste ich schon sehr früh, was ich machen will.

Du sprichst auch davon, dass du das College abgebrochen hast für die Musik.

Ja, ich dachte, dass ich verdammt nochmal berühmt werde (lacht)! Ich habe den Vertrag bei bei Pharrell unterschrieben, ich hab ein Video gedroppt und wirklich geglaubt, dass ich jetzt berühmt werde. Ich hatte keine Ahnung vom echten Leben – Geld, Rechnungen und dieser ganze Shit. In meinem Kopf war die ganze Zeit: ich werde jetzt ein berühmter Rapper. Aber die Härte vom echte Leben kam dann schnell. Man checkt irgendwann, dass man ja Miete zahlen muss, dass man Rechnungen begleichen muss – Man will irgendwas machen, aber man kann es sich nicht leisten. Ich musste mich wirklich darauf konzentrieren, wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen und herausfinden, wie ich denn mit so Situationen umgehe, bevor ich weiter Musik machen konnte. ich war zu der Zeit einfach nicht ganz bei mir.