Brown-Eyes White Boy – „Mit Money Boy kann ich nichts anfangen.“

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Age ain’t nothing but a number. Brown-Eyes White Boy eroberte mit seinem viralen, vor Positivität strotzendem Hit „Messer raus“ das Herz jedes noch so sturen Realkeepers. Und trotzdem wird er oft sein Alter reduziert, obwohl der 13-jährige Salzburger bisher mehr Projekte und Pseudonyme am Start hatte, als so manch ein gestandener Rapper. Alles begann mit zu viel Langeweile und Hängerei auf Soundcloud. Nun erschien kürzlich seine EP „Vibes“. Brown-Eyes White Boy ist ein zurückhaltender Junge, der aber genau weiß, was er tut. Aufgewachsen im Internet, beheimatet in der Berg Money Gang und nicht zufällig als „WWWunderkind“ bezeichnet. Im Spagat zwischen Schule und Studio. Unsere Autorin Miriam Davoudvandi traf ihn zum Gespräch – um die Authentizität zu bewahren selbstverständlich im Internet, via WhatsApp.

Bis auf dein Alter weiß man bisher nicht viel über dich. Was sollte man über dich wissen?

Ich bin Brown-Eyes White Boy, ein Kind aus Salzburg. Ich interessiere mich für Musik, seitdem ich im Auto meiner Mutter sitze und höre was im Radio läuft. Ich treibe eigentlich relativ wenig außer Musik und Schule, da ich auf andere Sachen wenig Bock habe. Wobei, auf Schule halt auch nicht. Ich mag ziemlich viel: Mangosaft, zum asiatischen Supermarkt gehen, draußen mit Freunden chillen, ab und zu skypen, den Bass so sehr aufdrehen, dass man von den Vocals nichts mehr hört, Black Metal-Dokus schauen – wenn ich welche finde, die ich nicht kenne – und ein paar andere Sachen.

Du interessierst dich also für Black Metal?

Für die Dokus, ja. Die Musik kann ich nicht hören irgendwie. Varg sind interessante Dudes.

Vor allem tragen sie mystisches Make-Up.

Sie sind an sich sehr mystisch.

Wenn nicht Metal, was hörst du dann?

Schubladendenken ist nicht so meins. Ich höre viel Zeug, das ich random auf Soundcloud finde. Dietrich, Lil Soda Boi, Lil Peep, YungJZAisDead, Joule$, T.Hoods und sowas.

Ist das dann auch deine Systematik, wenn du für dich selbst Beats pickst? Einfach auf Soundcloud grinden?

Ja, manchmal, aber es ist keine bestimmte Systematik. Bei unbekannten Leuten schaue ich nach den Produzenten. Ansonsten mach ich einfach. Meistens lande ich bei „Type Beats“ wie von Lil Yachty, MadeinTYO und Ugly God. Sowas gefällt mir soundtechnisch einfach.

Gibt es in der deutschen oder österreichischen Szene Künstler, die dich interessieren?

Die gesamten Hanuschplatzflow-Leute natürlich, T.Hoods und Dietrich sind ja auch deutsch, aber ansonsten gibt es in der Szene nicht viel Interessantes.

Genug von anderen. Wie bist du überhaupt darauf gekommen, selbst Musik zu machen?

Langeweile. Und zu viel Zeit im Internet verbracht. Irgendwann habe ich angefangen Texte zu schreiben und irgendwann wollte ich es ernsthafter machen.

Apropos Internet, denkst du, dass „deine Generation“ durch das Internet einen besseren Zugang zu Musik hat und dadurch gar offener ist?

Ja, true, einen besseren Zugang auf jeden Fall. Trotzdem hören die Leute in meinem Umfeld nicht so tolles Zeug.

Weiß dein Umfeld, dass du Musik machst?

Ja, aber kennen nur das Gr1mer-Zeug. Dasselbe gilt für meine Eltern. Gott sei Dank.

Denkst du, sie würden es nicht feiern?

Naja. Die haben keine Ahnung, um ehrlich zu sein.

Warum hast du dir mit Brown-Eyes White Boy ein anderes Pseudonym zugelegt?

Weil es andere Musik ist. Gr1mer ist Boom Bap und das andere einfach, was ich will. Natürlich ist es irgendwie Trap. Inspirationen von Gr1mer sind eher MF Doom und so, Brown-Eyes White Boy Lil Yachty und so.

Und was ist mit deinem Projekt MVK?

Da gibt es keine Inspirationen. Ich habe das gemacht, was die Beats gemacht haben. Aber das ist eher ein unnötiges Nebenprojekt. Das war halt irgendwas und es kommt auch nichts mehr als MVK.

Als MVK warst du ja auf „Für die Gang und so 2“, dem Berg Money Gang-Sampler. Wie bist du zur BMG gekommen und was bedeutet deine Zugehörigkeit für deine Musik?

Über Instagram. Habe bei den Pics immer #bmg getagged und dann hat Paul aka Syruped Flaco Paulus mich angeschrieben und fragte, ob ich in die BMG will. Die BMG hat eigentlich mega den Einfluss auf mich, hab ja fast nur wegen denen mit „Trap“ angefangen. Außerdem sind die Leute mega korrekt und wie eine Familie für mich. Sie haben mich dazu motiviert, Musik zu machen.

Zu Beginn war Money Boy gemeinsamer Nenner und Grundlage der ganzen Gruppen wie Berg Money Gang, Swag Mob etc. Wie stehst du dazu?

Auch wenn das klar eine Grundlage war, kann ich damit, ehrlich gesagt, null anfangen.

Wie war das für dich, als deine Musik plötzlich außerhalb einer geschlossenen Gruppe gehyped wurde?

War toll. War schon ein bisschen Druck mit Interviews und so. Aber generell eigentlich toll.

Und wenn auf einmal Leute, die man selbst vielleicht feiert, sagen, dass du die Future bist, übt das Druck aus, oder juckt es dich?

Beides eher nicht. Juckt auf jeden Fall nicht. Druck habe ich auch nicht. Bin dann halt mega geschmeichelt.

Denkst du, dass der Hype auch mit dem Alter zusammenhängt?

Ja klar, wahrscheinlich zu 80%. Alle was ich hör‘ ist halt immer nur: „… für dein Alter“. Dabei hat das nichts mit dem Alter zu tun. Entweder die Musik ist gut oder nicht.

Es gibt ja immer diese Realkeeper, die z.B. sagen jemand wie LGoony darf nicht über Lean rappen, weil er es nicht trinkt. Ist das bei dir dann noch schlimmer, weil Leute z.B. sagen „Der ist 13, der kann gar keine Ahnung von Waffen haben“?

Ja, bei mir ist es schon schlimmer, weil es, wie du sagst, noch unrealistischer ist. Versuche das auch möglichst zu vermeiden. Aber eigentlich ist es mir egal.