„Das war die Grundlage des Festivals“ – #blueprint mit der Tapefabrik

von am

Totgesagte leben länger – die Tapefabrik hat sich wieder aufgerappelt und geht am 11. März 2017 frisch gestärkt in die verflixte siebte Runde. Nach dem letztjährigen Ausflug auf dem Berliner RAW-Gelände, wird sich das Team um Maximilian Schneider-Ludorff im kommenden Frühjahr mit einigen Neuerungen, dem altbekannten Spirit und natürlich einem erlesenen Line-Up wieder im heimischen Schlachthof Wiesbaden einfinden. Aus diesem Anlass hat uns das Tapefabrik-Oberhaupt jene fünf Songs verraten, die den Geist des größten Indoor-Festivals in Deutschrap-Hausen pointiert zusammenfassen – der (fast) offizielle Soundtrack zum Festival, sozusagen. Alle Infos zur Tapefabrik 2017 findet hier.

01

Hiob – Mein Käfig

„Mein Käfig“ war für mich wie ein Einstieg in eine damals neue „Sektion“ der deutschen Rapmusik. Als ein heute verstorbener Freund mir den Track damals zeigte, war ich sogar erst nicht besonders begeistert von Hiobs Stimmen-Einsatz. Nach ein paar mal Hören waren wir aber alle voll auf dem Film. Wir haben jeden Track von Hiob und Morlockk Dilemma, dann auch von Artists aus dem Umfeld wie Audio88 & Yassin, rauf und runter gehört – wochenlang. Die Tatsache, dass genau diese Künstler gleichzeitig kaum auf Bühnen in unserem Umkreis zu sehen waren, war mehr oder weniger die Grundlage für die erste Tapefabrik.

02

Creutzfeld & Jakob – Anfangsstadium

Wie für viele aus meiner Generation war Creutzfeld & Jakob etwas, das zunächst mein älterer Bruder hörte. Als ich das Album in die Hände bekam hat es mich dann komplett umgehauen. Was den Song so besonders für mich macht, war das Erlebnis, sich an den Moment zu erinnern, in dem ich mit 16 im Bus sitze und die CD im Discman springt und mit 26 – 10 Jahre später – im Bühnengraben zu stehen und zu sehen wie Jungs auf der Tapefabrik ein kleines Revival geben.

03

Betty Ford Boys – Papa Was (A Junky), Too

Die Betty Ford Boys sind für mich das vielleicht auffälligste Merkmal einer seit Jahren wieder erstarkenden Beatkultur in Deutschland. Als ich vor einigen Jahren die Jungs das erste mal live gesehen habe, war ich absolut beeindruckt. In diesem Jahr wollen wir mehr denn je die Beat-Szene in den Vordergrund des Festivals rücken und die Betty Ford Boys sind ein wichtiger Repräsentant in unserem Line-Up, der das widerspiegelt. „Papa was (A Junky), Too“ ist dabei für mich ein Track, den ich in Vorfreude auf den 11.03. immer wieder gerne auflege.

04

Eloquent – Jazz Auf Gleich

Gerade in den früheren Jahren waren wir mit der Tapefabrik auch in Bereichen der Videoproduktion tätig. Für Eloquent haben wir das Video zu „Jazz auf Gleich“ gedreht. Wir sind einen Tag lang durch jeden Plattenladen Frankfurts gezogen und ich bin in der S-Bahn mit einem Contrabass auf dem Rücken durch das halbe Rhein-Main-Gebiet gefahren. Bis heute versetzt mich der Track in die Stimmung und Zeit der damaligen Tapefabrik zurück – für einen kurzen Moment sehe ich wieder wie hunderte Fans in der Räucherkammer, die im mittlerweile abgerissenen, ehemaligen Schlachthof Gebäude, zur Sichtexot-Show eskalieren.

05

Dramadigs feat. Slowy&12Vince – Fotolovestory

Eines der Projekte auf die ich wirklich stolz bin, ist unsere „Tapefabrik Compilation„-Reihe, die auch Vinyl erschienen ist. Künstler aus unserem Programm haben dazu Tracks eingereicht, oft exklusiv und unveröffentlicht. Das haben wir alles zusammen auf Platte gepresst. Ich weiß noch genau, wie damals in unserem Kellerstudio „Fotolovestory“ ankam. Ich war völlig am Ende. Dass die Jungs uns einen solchen Track, eine solche Bombe, geschickt hatten, wollte mir einfach nicht in den Kopf und ich hab das Ding sicher hundertmal gehört, noch bevor die Platte gepresst war.