Vergiss Rap! Die besten Beat-Tapes im November

Bevor es von der heißen Glühwein-Phase über Umwege unter dem Tannenbaum quasi direkt in die (natürlich noch zu planende) Silverstfeier geht, wollen wir die besinnlichen Stunden noch einmal nutzen, um der Grundlage unserer Kultur – dem Beat – zu lauschen. In einer leicht verspäteten Ausgbe präsentieren wir zum vorletzten Mal in diesem Jahr die besten Beat-Tapes der vergangenen vier Wochen. Listen up!

01

Don Phillipe – Between Now And Now

Freundeskreis-Drittel und Stuttgarter Produzenten-Urgestein Don Phillipe hat für seine Doppel-LP „Between Now And Now/A Long And Silent Street“ merklich in winterlichen Jazz-Archiven gewühlt. Verschanzt hinter der Beatmaschine mit voluminösen Bassläufen, trockenen Holzmöbel-Drums und Antiquariat-Soundschnipseln schnurrt nun auch der Digitalrelease von „Between Now And Now“ auf der Throwback-Schiene der Beat-Geschichte – selbstbewusst von brachialen Zeitgeist-Synthies abgewandt, aber auch diskret genug, um nicht einfache Nostalgie-Narrative aufzudrängen. Die Tracklist setzt auf einfache Eleganz. Bewusst simpel und fokussiert, säumen sich die jazzigen Ohrensessel-Loops angenehm unaufgeregt durch das imaginäre Kaminzimmer – „erwachsen“ könnte man das nennen. Wir nennen es dope Beats.

02

Spellwrks – Transitions

Spellwrks kommt aus Texas und ist dem deutschsprachigen Instrumental-Interessenten vermutlich mit seiner Radio-Juicy-Veröffentlichung „Super Chill“ aus dem Jahr 2015 spätestens auf die Kopfhörer geschlichen. Sein aktuelles Beat-Werk „Transitions“ ist – nomen est omen – eine musikalische Zwischenlandung. Entgegen seiner bisherigen Strategie, jährlich neue Releases ins WWW zu würfeln, will sich der Rumpelige Distortion-Drums wechseln sich mit samtweicher Synthie-Romantik ab, gerne auch in einem eklektischen Genre-Hyprid aus Broken Beat, Drum & Bass oder westküstlicher Boogie-Rückbank. So setzt „Transitions“ vor allem auf die Wandlungsfähigkeit, springt zwischen Epochen, Ästhetik und Herangehensweise und bleibt dabei vor allem flexibel. Oder wie es Spellwkrs selbst sagt „Everything changes, nothing ever stays the same. And that’s ok.“. Bei uns jop.

03

V.a. – Sichtexotica III

Als „Instrumentaler Kultaustausch“ beschrieb unser Autor Jonathan Nixdorff den dritten Teil der Beat-Kollektion aus dem Mainzer Powerhouse. In der Tat ist „Sichtexotica III“ aber vor allem eine schnörkelose East-Coast-Verneigung von Lidly, Yotaro, Tajima Hal, Linn Mori, EmMu, TiMT und Green Assassin Dollar, die allesamt aus Japan stammen. Zwischen verspultem Keller-Jazz und spielerischen Nippon-Vibes platziert sich das Umfeld des En-Tokyo-Kollektivs hier genau – loungie Sample-Atmosphäre küsst gelassenes Drum-Fundament, das quasi minutös gleich mehrere Nations unter einem Groove verschmilzen lassen. Moshimoshi!

04

hnrk – Neonurban

Schon die ersten Sequenzen des Openers „Teerwalze“ verheißen lautmalerisch: „Neonurban“ von hnrk tappt vordergründig im Dunkeln. Nebülose Synthie-Weißräume, irreführende Klangspiele und verstörende Irrenhaus-Triolen, die einen quasi durch das industrielle Innenleben einer auditiven Autobahn führt. Wenn nicht an der Seite seines musikalischen Seelenverwandten DJ Heorin, arrangiert sich der Würzburger durch meta-musikalische Ambient-Anleihen, gothisch-anmutende Techno-Verweise und heruntergebremste Fabrik-Fanfaren. Das hier ist keine Kellermusik, das ist Musik aus der Pariser Kanalisation des 18. Jahrhunderts – anrüchig, mysteriös, faszinierend.

05

Nugat – Ward 8

Seit Nugat uns vor rund anderthalb Jahren im Interview verriet, dass seine Vorbilder Dexter oder auch Peet seien, kann der mittlerweile 19-Jährige auf eine beachtliche Laufbahn zurückblicken – kaum ein Blog ohne lobende Worte für den Youngster, kaum ein HipHop-Festival ohne ein Beat-Set. Auch das Co-Sign von Dexter dürfte ihm mittlerweile sicher sein, denn sowohl das Debüt „Beast x Beer x Green“, als auch „18“ zählten zu den spannendsten Throwback-Instrumental-VÖs der letzten Jahre. Allerdings stellt sein neuster Release „Ward 8“ auf mehreren Ebenen eine Zäsur dar: Erstmal wagt sich Nugi hier nänlich von der Musikmaschine hinter das Mikrofon, um mit selbst-gesungenen Vocal-Samples eine Art Wurmfortsatz des Soundcloud-Pops anzuvisieren – keine Drumbreaks und Soul-Flips, dafür weitläufige Melodiebögen knieftief im Effekt-Interior. Die Referenzen berufen sich zunehmend auf HipHop-Randgebiete im synthetischen Urban-Universums, sind mehr Chet Faker als Clark Kent, mehr Bonobo als Beatnuts. Auch wenn Nugats Gesangsambitionen in der Tracklist keinesfalls haarsträubend, aber durchaus zu kritisieren sind, ist „Ward 8“ vor allem als musikalische Öffnungszeremonie zu deuten. Die Reise scheint gerade erst zu beginnen.