Vergiss Rap! Die besten Beat-Tapes im September

Der 01. September 2016 war der meteorologischer Herbstanfang. Die Tage, in denen man der unbeschwerten Baggersee-Romantik frönte, ausgelassene Stadtpark-Stunden genoss oder sonntägliche Flohmarkt-Besuche zelebrierte, sind für das Jahr 2016 vorerst vorbei. Doch muss der Eintritt der kalten Jahreszeiten nicht etwas zwingend Negatives sein, immerhin haben wir alle nun wieder mehr Zeit. Um neue Musik zu hören zum Beispiel. Passend für die bevorstehenden Entspannungsmomente, haben wir unsere liebsten Ereignisse im Geschehen der internationalen Beat-Generation dieses Monats zusammengetragen.

Plusma – Waver

Der Hamburger Producer Plusma, gerne auch mal als „+ma“ stilisiert, stammt aus dem Dunstkreis der Berliner Untergrund-Gourmets von Dezi-Belle Records und hat in diesem Monat ein neues musikalisches Lebenszeichen ins WWW geworfen. Das Album „Waver“ schiebt allerdings keine übertriebene ADHS-Welle, sondern eher eine ruhige Billiardkugel in wollsockiger Wohnzimmer-Atmospähre. Das vinly-warme Knistern und Rauschen auf organischen Kalvier-Kleinkünsten wie „Sweetchop“ oder süßlichen Saxophon-Samples wie „Lacus Benacus“ entwickeln sich über die Laufzeit von 20 Instrumentals somit zu einem auditiven Kaminfeuer – entspannend, einladend und eingängig. Noch etwas Beats zum Feierabendbier? Aber gerne!

KanKick – Serious Bonus

In eine ähnlich traditionalistische Kerbe schlägt Kankick, der bereits 1992 seine ersten Spuren zusammen mit einem noch nicht als Madlib bekannten Producer namens Dezo releaste Sein aktuelles Beat-Tape „Serious Bonus“ versteht sich folgerichtig nicht als gänzlich tiefentspannte Audio-Reise, sondern taugt in seiner simplen Eingängigkeit auch für gewisse Freestyle-Warm-Ups. Die fünf instrumentalen Rap-Songs ohne Rap bewegen sich eher in höheren Boom-Bap-BPM-bereichen, gestützt von Sample-Loops aus der klassischen Fungrubde zwischen Funk, Reggae oder Soul und entpuppen sich somit, als authentisches Aushängeschild für das, was „Boom Bap“ mal gewesen ist: Roh, Lo-Fi und Real. Man merke: ein Soul-Sample macht noch lange keinen Realkeeper.

FloFilz – Cenàrio

Der zweite Longplayer des Aacherner Wahl-Kölners, erschienen auf der Kölner Beat-Album-Instanz Melting Pot Music, ist ein instrumentaler Ferientrip an die portugiesische Atlantikküste. Unter dem klassischen Sample-Bummtschakk verbrät der studierte Violinist geschmackvollen Siesta-Ostinatos mit Connections Richtung leichtfüßigem Eckkneipen-Fusion, gemütlichen Proveraum-Blues und na klar, sonnigem Bossa Nova. In den 90er hätte man das vermutlich als Acid oder Nu Jazz bezeichnet. Rund 25 Jahre später ist es das, was es auch damals schon war: HipHop.

Einsnulleins – U Better Not Play Trash

Das Producer-Team Einsnulleins hat seit diesem Jahr wohl das, was man gemeinhin einen „Run“ nennt. Obwohl die Musik-Datenbank tatsächlich nur ihren Beitrag zu Slangins und Young Krillins „Salamanderschnops“ aufführt, sind Eike und Chrischi mittlerweile die fast obligatorische Adresse für aufkommende Deutschrap-Generation um die Bergmoney Gang oder auch die Based030-Squad. Ihre aktuelle Instrumental-Schau „U Better Not Play Trash“ sportet gewohnt düstere Ambient-Arrangements aus den Kellergewölben der Fantasie. Unorthodoxe Synthie-Welträume, atmosphärische Himmesltor-Hymnen und melancholische Nachtspaziergangs-Nuancen, die dem musikalischen Minimalsmus einen wolkigen Tribut zollen. Müll, der wird hier sicher nicht gespielt.

The Breed – The Beatuy & The Breed

Von Beginn an wurden die AON-Releases für ihren professionellen, satten Sound gelobt. Mitschuld diesem Ruf und so vertibalen Ever-, pardon Ewa-Greens wie „Schwesta Schwesta“ oder „Brusthaare“ trägt unter anderem The Breed, der es bislang vorzog eher hinter den Boards zu agieren. Nun hat das Keyboard Kid mit der Vorliebe für organische Funk-Referenzen seine erste Instrumental-LP „The Beauty & The Breed“ releast und eine elektrische Relaxation zusammengezimmert, die die Stimmung des Spätsommermonats nicht besser einfangen könnten. Zehn Beats für ein Hallelujah!