Bausa: „Ich will nicht diesen 0815-808-Mafia-Trap machen.“

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Als Bausa Anfang 2014 seine „Seelenmanöver“-EP bei Capos damaligen Label-Projekt Hitmonks veröffentlichte, bekamen das nur eingefleischte Szene-Insider mit. Heute, drei Jahre später, gilt der Junge aus Bietigheim-Bissingen als großes Deutschrap-Versprechen. Selbstbewusst kombiniert er Rap mit großen Pop-Arrangements und poetische Texte mit verschmitztem Braggadaccio. Jonathan Nixdorff sprach mit Bausa über sein Debütalbum „Dreifarbenhaus“, den Weg dorthin und seine Heimat, die mehr Talente hervorbringt als manch andere Großstadt.

Foto: Ferhat Aslantas

Foto: Ferhat Aslantas

Deine Heimat, die Kleinstadt Bietigheim-Bissingen, steht gerade ziemlich im Fokus, weil mit Shindy, RIN und dir gleich drei Deutschrap-Hypes dort groß geworden sind. Wie war es denn für dich, in der Provinz aufzuwachsen?

Eigentlich ist es wirklich nur eine Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart, aber Bietigheim ist das neue Deutschrap-Mekka. Wie es ist, dort aufzuwachsen? – Ich habe ja keinen Vergleich, aber ich denke es ist nicht viel anders als in Berlin. Aber alle kennen sich natürlich in einer Kleinstadt – man läuft sich zwangsläufig über den Weg. Trotzdem gab es damals zwei verschieden Gruppierungen: Die eine war die Shindy-Ecke, die andere waren ich und noch ein paar andere Leute. Das lag aber großteils daran, dass wir aus verschiedenen Stadtteilen kamen. Inzwischen gibt’s ja noch einige mehr, wie Caz, Rin und Lucky Looks. Ich wohne immer noch da und ich will da auch nicht weg. (lacht)

Das ist auffällig: Ihr betont alle, dass ihr keinen Bock habt, wegzuziehen – dabei erzählst du auf dem Album, dass die Stadt eigentlich ziemlich grau und trist ist.

Naja, es gibt zwei Seiten. Da, wo ich aufgewachsen bin, ist alles sehr grau und trist – diese Hochhausgegend. Aber gleichzeitig gibt es eine historische Altstadt, die sau schön ist. Und die Parks sind richtig idyllisch. In dieser Gegend wohne ich jetzt. Es ist nicht so klein, dass es Dorf-mäßig ist und man nichts hat. Man hat alles was man braucht und mit der S-Bahn kommt man sofort nach Stuttgart. Es ist genau richtig – nicht zu groß und nicht zu klein.

Diese vier, fünf Rapper, die man aus der Stadt kennt, unterscheiden sich sehr im Sound. Aber: inhaltlich schreibt ihr alle sehr lebensbejahende, fordernde Musik. Kannst du dir erklären, woher das kommt?

Ja, wir genießen es! Bietigheim genießt das Leben. Das bietet sich auch an, es ist einfach idyllisch hier. Vor allem im Sommer lebt es sich es wie im Urlaub. Das schlägt sich auch in der Einstellung nieder: Wenn du aus Bietigheim kommst und Deutschrap machst, kannst du nicht den großen Gangster raushängen lassen, wie das Leute aus Berlin, Hamburg oder Frankfurt machen. Wir haben halt unsere eigene kleine Kultur. Ohne es zu wissen, hat sich das einfach so entwickelt.

Hat sich das komplett unabhängig voneinander entwickelt oder hat man sich da gegenseitig schon ein bisschen inspiriert?

Wir haben uns gegenseitig geholfen, inspiriert und zusammen auch Lieder gemacht. Rin ist ja auch auf Shindys Album, ich war mit Rin öfter im Studio. Seine ersten Sachen habe ich auch gemischt. Es gibt schon eine Menge Parallelen. Bei Caz haben wir damals auch das Studio eingerichtet, da haben wir alle aufgenommen: Lucky, Rin und ich. Natürlich haben wir uns alle gegenseitig beeinflusst und weitergebracht.

Wenn du aus Bietigheim kommst und Deutschrap machst, kannst du nicht den großen Gangster raushängen lassen, wie das Leute aus Berlin, Hamburg oder Frankfurt machen.

Bausa

Du hast eine sehr eigene Art, Rap und Gesang zu vermischen. War es von vornherein dein Anspruch, diese poppige Seite in Rap zu integrieren?

Ja, voll. Ich habe auch eine Zeit lang überhaupt keinen HipHop gemacht. Ich habe sehr viel experimentiert – mit Instrumenten, mit Gesang, mit elektronischen Sounds – mit allem möglichen. Aber davon habe ich nie etwas veröffentlicht, ich habe das nur für mich gemacht. Mit Kumpels und gar nicht, um damit rauszugehen und erfolgreich zu werden, sondern wirklich nur für uns, als Therapie.

Vor deiner letzten EP („Seelenmanöver“, 2014) hatte dich Capo entdeckt. Wie war dieser Moment für dich, dass jemand aus dem großen Azzlackz-Camp auf dich aufmerksam wurde?

Ich fand das voll komisch. Im allerersten Moment habe ich gedacht, die wollen mich verarschen. Caz hatte Capo Lieder von mir geschickt hat, ohne dass ich Bescheid wusste. (lacht) Und das waren vor allem gar keine Rap-Tracks, sondern eher Reggae-beeinflusste Sachen. Das hat eigentlich gar nicht gepasst. Aber dann bin ich halt hingefahren, weil sie mich eingeladen hatten, um zu reden. Ich wollte einfach mal gucken, was da so geht. Die waren dann alle sau korrekt, ich habe mich gut mit denen verstanden und wir haben direkt zwei Lieder gemacht.

Hast du in Frankfurt auch schon mit den Arbeiten am Album begonnen?

Ja, voll. Ich habe direkt nach der EP angefangen. Aber ich habe mich da zu weit aus dem Fenster gelehnt, was meine Musikalität angeht. Die einzelnen Lieder waren am Ende so bunt und so unterschiedlich, dass sie einfach nicht mehr zusammengepasst haben auf ein Album. Dann habe ich nochmal von vorne angefangen.

Und seit wann ist dann das Album, das jetzt im April kommt, fertig?

Seit drei Monaten ungefähr. Ich habe insgesamt, ohne zu übertreiben, 60 bis 70 Lieder gemacht in den letzten zwei Jahren.

Nach der EP war lange gar nichts mehr zu hören. Was ist denn aus dem Hitmonks-Label von Capo geworden?

Das hat sich im Sand verlaufen. Das ist relativ schnell wieder abgewickelt worden. Dann war ich eine Zeit lang ohne Label und hatte in dieser Phase auch gar keinen Bock, ein neues zu finden. Ich wollte erstmal abwarten, was passiert – dann ist aber nichts mehr passiert. Irgendwann kam das Gespräch mit Warner zustande und dann habe ich diese Chance natürlich ergriffen.

Wie hat sich die Zwischenphase, in der nichts mehr passiert ist, für dich angefühlt?

Naja, es ging ja nie wirklich krass hoch. Es gab ja für „Seelenmanöver“ überhaupt keine Promo – gar nichts. Das kam eigentlich nur über Facebook raus. Die haben den Download-Link geteilt und das war’s. Deswegen gab’s auch keinen großen Hype. Ich habe danach einfach weitergemacht und an meiner Mucke gearbeitet – so wie immer. Ohne festzulegen, ob’s ein Hobby ist oder nicht. Es kam halt kein Geld dabei rum, das war nur für Luft und Liebe. (lacht) Aber darum geht’s ja eigentlich auch.

Meine Musik besteht eigentlich immer aus zwei, drei Stilelementen: Soul, Trap und Deutschrap.

Bausa

2016 hast du zunächst Kontra K und dann RAF Camora & Bonez auf Tour supportet. War das der Startschuss für dich, um neu anzugreifen?

Ja, vorher habe ich mich ja noch voll bedeckt gehalten – aber bewusst. Mir wurde schon relativ früh gesagt, Anfang 2016, dass das Album nicht vor Anfang 2017 kommen kann. Ich habe das verstanden und eingesehen, und es war auch gut, weil ich dadurch mehr Zeit hatte. Diese Zeit habe ich natürlich auch genutzt. Bis dahin musste ich gucken, wie ich meine Miete bezahle – da ging nichts mit Geld und so – jetzt ist alles relativ chillig.

Auch davor hast du dir ein interessantes Netzwerk aufgebaut. Wie hast du z.B. RAF, aber auch die Immer-Ready-Crew kennengelernt?

Das waren Zufälle: der Eine kennt den, der Andere den, der zeigt dem was – und so kommen die ganzen Netzwerke zustande. Caz kennt übers Internet schon seit drei, vier Jahren diese ganzen Immer-Ready-Leute. Der stand mit denen immer in Kontakt. Die hatten mich auch schon früher nach Berlin eingeladen, aber ich hatte nie zeit und Geld dafür. Trotzdem hat Mauli irgendwann RAF Lieder von mir gezeigt und RAF hat sich darauf bei mir gemeldet. Andere Leute habe ich auch über die Azzlacks kennengelernt. Ich habe mich aber nicht angestrengt dafür. Ich habe nicht gesagt: „Ich muss jetzt unbedingt den und den kennen lernen, damit ich das und das machen kann.“ Das ist alles einfach so entstanden.

Auf der Platte hast du aber auf Rap-Features verzichtet.

Ich wollte mich nicht, so wie das viele andere machen, an irgendwelchen Leuten hochziehen. Ich wollte es, wenn schon, dann richtig machen. Die Leuten sollen meine Musik wegen mir hören, und nicht wegen irgendjemand anderem. Ich hatte zwar über Features nachgedacht, habe auch mit ein paar Leuten darüber gesprochen, aber ich mag diese Rumschickerei auch nicht. Ich gehe entweder mit Leuten ins Studio und mache einen Song zusammen – oder halt nicht. Und wenn es nicht dazu kommt oder in der Session kein guter Song entsteht, dann soll’s hat nicht sein.

Deine Songs setzen sich oft aus Trap-Referenzen und Pop-Harmonien zusammen. Wie hast du diesen Sound entwickelt?

Ich will halt nicht diesen 0815-808-Mafia-Trap machen. Das war für mich von Anfang an klar. Auch wenn das gerade gehypt ist und das jeder hören will – das ist mir zu simpel. Und außerdem macht das ja gerade jeder. Ich habe schon immer versucht, Stile zu mischen. Es macht mir Spaß, aus verschiedenen Einflüssen zu einen neuen Sound zu formen, der trotzdem homogen ist und harmonisch klingt. Trotzdem ist das Album sogar fast das „HipHopigste“, was ich je gemacht habe. Aber ja, im Großen und Ganzen besteht meine Musik eigentlich immer aus diesen zwei, drei Stilelementen: Soul, Trap und Deutschrap.

Über deine Eltern hast du auch schon früh Motown entdeckt. Was hat dich daran fasziniert?

Ich liebe Funk, Soul, Jazz und Blues – das ist meine Welt und mein Geschmack. Die ganzen Motown-Leute und Curtis Mayfield, Stevie Wonder und so haben mich mit am meisten geprägt. Diesen Sound modern klingen zu lassen, ist ein bisschen das, was ich versuche.

Abschließend: Wie bist du zu deinem Albumtitel gekommen? Hat Bietigheim keinen eigenen Puff?

Doch, gibt’s sogar. Aber der hat nicht so einen schönen Namen. Ich finde, der Titel klingt einfach so schön. Was dahinter steckt ist eben so das Verruchte und Dreckige – genau das wollte ich haben. Auch wieder diese Mischung.