#backinthedays: Plattenpapzt feat. Kool Savas – King Of Rap (2000)

„Bitches suchen Endstress, kriegt ihr gern!“ Natürlich kann die HipHop-Polizei darauf beharren, dass der Savas-Impact auf das Deutschrap-Abendland Ende der 1990er mit Westberlin Maskulin, M.O.R., „LMS“ oder gar dem legendären „Demotape“ (noch unter dem Pseudonym Juks) schon vor dieser Single hier begonnen hatte. Doch erst „King Of Rap“ aus dem Jahr 2000 offenbarte diesen Paradigmenwechsel auch einem breiteren Publikum.

Die Durchschlagskraft von „King Of Rap“ lag einerseits an der Video-Rotation auf MTViva, welche in der Prä-Streamingdienst-Ära für viele (insbesondere jugendliche) Musikfans die primäre Informations- und Konsumquelle war. Plötzlich hatten auch deine Klassenkameraden und die Kids im Nachbardorf ein Bild von dem Typen, dessen vulgäre Ausdrucksform und überspitzter Fäkalhumor seit einigen Monaten auf dem Schulhof für Stirnrunzeln bei den Mongo-Clikke- und Kolchose-Fans sorgten. Denn im Vergleich zu anderen Battle-Rappern wie etwa Samy Deluxe, der nur selten Sprüche unterhalb der Gürtellinie brachte und sich eher auf technische Perfektion konzentrierte, war Kool Savas‘ Musik tatsächlich unerhört hart: Dissen mit Namen war bis dato zum Beispiel verpönt – aber dann kam Savas und proklamierte einfach ganz unverblümt, dass er Spax scheiße findet.

Zudem wusste man durch das Video auch endlich, wie der Typ mit der großen Klappe überhaupt aussieht. Ein Umstand, der vormals für reichlich Spekulationen in deutschen Jugendzentren sorgte. So rappt auch ein gewisser Casper auf „Verdammt nah dran (Supermänner)“ über diese Zeit mit den Worten: „Ich schwör, Savas aus Berlin ist ein Zwei-Meter-Messerstecher, verrückter Riese, der tickt.“ Doch nicht so verdammt nah dran – denn eigentlich sah Savas mit seiner Bubenfrise ganz nett aus.

Ein anderer Punkt, der zu dem unfassbaren Impact beitrug: Bis „King Of Rap“ konnte man als Fan der etablierten Stuttgarter und Hamburger Acts angesichts des grottigen Berliner Tape-Sounds vermeintlich zurecht die Nase rümpfen: In ihrem Streben nach einem „amtlichen“ Sound „wie bei den Amis“ waren die Eimsbush- und Kopfnicker-Acts ziemlich weit gekommen – während in Berlin auf „fette Beats“ und ähnliche Oberflächlichkeiten noch komplett geschissen wurde. Der Release von „King Of Rap“ klang allerdings mindestens amtlich, entstammte er doch dem von Plattenpapzt (aka Plattenpapst Jöak von Fresh Familee) und Roe Beardie produzierten Album „Full House“, das produktions- und soundtechnisch A-Liga-Material war (und unter anderem auch MC Rene, Ferris MC, Afrob, Wasi und sogar Smudo featurete). Zum ersten Mal musste sich die Samy-Deluxe-Fraktion eingestehen, dass das doch ganz schön krass ist, was dieser Berliner da veranstaltet – und es dauerte nicht lang, bis das wirklich jeder Rap-Fan in Deutschland begriffen hatte.