#backinthedays: Luke & Swift – „Bleib cool“ (2000)

Kein Album, nur eine Hand voll 12″-Singles und vereinzelte Sampler-Beiträge (übrigens auch auf dem ersten „Splash! Allstars Event Album“) reichten aus, um die zwei Münsteraner, Rapper Luke und DJ Swift, als Luke & Swift in dem höheren Einflussbereich deutscher HipHop-Geschichte zu fixieren. Vor allem „Bleib cool“, eine sonnig-entspannte Conscious-Rap-Hymne auf die Courage, gilt bis heute als zertifzierter Classic unter Lieblingsrappern wie Casper oder auch AzudemSK. Ein Boombap-Highlight einer viel zu kurzweiligen Karriere und dazu ein exemplarisches Zeugnis einer Zeit, als Hosen noch baggy, Internetseiten über HipHop rar gesäht und Rapper auch mal freundlich waren. „Still gettin‘ mine, in the 1-9-9-9.“

Wie so oft in der internet-losen Deutschrap-Szene der 1990er begann die Karriere von Luke & Swift beinahe zwangsläufig an einem Ort, den manche Soundcloud-Abonnenten heute nur noch aus verjährten Foren-Einträgen kennen: in einem Plattenladen. Der spätere DJ und Producer Swift arbeitete damals bei 8-Ball Records, seinerzeit der erste reine HipHop-Laden in Münster, welcher kurzerhand ein eigenes Label aus dem Boden stampfte (8-Ball Recordings), um dem Duo Luke & Swift eine Plattform für ihre Debüt-Maxi „Der Wanderer/MC Therapie“ zu bieten. In der durch die Jam-Kultur geprägten Rap-BRD der End-90er, war das Tag-Team aus Felix Wenzel und Lukas Hoye schon mit deutschlandweiter Bühnenerfahrung gesegnet. Beinahe zwangsläufig folgte nach der obligatorischen Demotape-Verschickerei aus den heimischen Kinderzimmern ein Deal mit dem Hamburger Imprint Showdown Records und der Release jener programmatisch-betitelten Single, die bis heute als Blaupause für das lässige Understatement der Münsteraner gilt: „Bleib cool“.

„Keine hanebüchenen Freestyle-Raps, keine zurechtgerückten Fantasiewelten – nur zwei Jungs aus Nordrhein-Westfalen, die gerne Musik machen und aus ihrer Welt erzählen.“

„Ich habe nie behauptet perfekt zu sein/Doch, yo, ich lege Wert darauf, korrekt zu sein.“. In einer Zeit, als sich rappende Mittelstandskids zwischen Eimsbush-Beanie und Kolchose-Shirt im damals oft nur sachdienlichen Doppelreim-Strebertum maßen und fleißig Substantive verschachtelten, konzentrierten sich Luke & Swift in zartbeseelter Soul-Sample-Umgebung auf das, was man heute als Realtalk bezeichnen würde: Keine hanebüchenen Freestyle-Raps, keine zurechtgerückten Fantasiewelten – nur zwei Jungs aus Nordrhein-Westfalen, die gerne Musik machen und aus ihrer Welt erzählen. Woanders galt vielleicht die Devise „Hauptsache, der Reim ist fett“, doch auf „Bleib cool“ ging es um die Verkörperung einer Kultur, für die Reime Transport-, aber kein Zweckmittel war. Auch im dazugehörigen Video wurde vor dem damals obligatorischen 2-Turntables-and-1-Mic-Setting in Graffiti-Kulisse (umringt von Münsteraner Writer-Größen,) vor allem demonstriert, dass HipHop eine Ausdrucksform ist: „Ich hab Probleme, klar, doch, yo, im Ganzen/Denke ich positiv und nutze meine Chancen.“ Ein Satz, bei dem es dich verwundert, warum er nicht in deinem Poesiealbum steht und auch demonstriert, dass Luke & Swift seit über 15 Jahren zu Unrecht immer nur dann genannt werden, wenn „Bambule“ oder „NLP“ längst gebrainstormt wurden. Dass Rapper Luke im Eifer des Gefechts auf dem Court am Videoende fast eine folgenschwere Verletzung erlitten hätte, sei hier nur als Fun Fact erwähnt. „Bleib cool, yo – doch immer achtsam.“