#backinthedays: Absolute Beginner – „Füchse“

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„Eyau, der Magen knurrt wie Sau.“ Als Karuzo 2013 im Titeltrack des Genetikk-Albums „D.N.A.“ diesen Satz droppte, hatte er direkt die Aufmerksamkeit einer ganzen Generation von Deutschrap-Fans sicher – einer Generation wohlgemerkt, die ihre prägenden Momente über ein Jahrzehnt vorher erlebt hatte. Warum? Weil das ein Zitat aus „Füchse“ ist, der dritten Single des 1998er Albums „Bambule“. Also aus dem Track von den Absoluten Beginnern, der nicht nur einer der wenigen echten Klassiker der deutschen Rap-Historie wurde, sondern wie kaum ein anderer für den Sound des ersten großen Deutschrap-Booms kurz vor der Jahrtausendwende steht.

„‚Bambule‘ war mit allem Drum und Dran eines der besten deutschen HipHop-Alben damals“, bestätigt Marcus Staiger. „Allerdings hat sich an diesem Album auch unsere endgültige Feindschaft entzündet, weil damit dieser Schritt weg aus der Underground-Szene in den Mainstream vollständig vollzogen wurde. Der einzige Vorwurf, den ich dem Hamburger HipHop machen kann, ist, dass er von vornherein, ohne dass ein Major-Label eingreifen musste, Mainstream war. Die Leute hatten dieses Mainstream-Muster anscheinend schon im Kopf – und deswegen fand ich das wack.“

Den damaligen Unmut des Berliner Untergrundverfechters Staiger kann man heute vielleicht nachvollziehen, wenn man sich vor Augen führt, was für ein Ausdruck Hamburger Rap-Dominanz „Füchse“ damals war. „Bambule“ kam Ende November 1998 raus, den ganzen Winter dudelte die als Persiflage der szeneinternen Sellout-Diskussion gedachte Single „Liebes Lied“ durch alle damals zur Verfügung stehenden Kanäle und schob den eh schon wie blöd kochenden Hype namens Rap auf Deutsch in noch ganz andere Pop-Sphären. Im darauffolgenden April folgte „Hammerhart“, das ohne Wenn und Aber zu den großen Hits des legendären ’99er Rap-Sommers zählt. Und dann, rund ein Dreivierteljahr (!) nach Albumrelease, folgte schließlich „Füchse“: Ein Instant-Ohrwurm-Sample, eine unfassbar effektive Bassline – kurz: ein Beat, für den damals so einige Rapper getötet hätten -, und dann sind die Beginner auch noch so dreist, den damals unbestritten heißesten Rapper Deutschlands gleich zweimal auf einer Single zu featuren – unvergessen Samys Intro-Verse, der auch ohne Kick/Snare/Bass-Support einfach alles zerlegte. Und auch wenn der Song im Vergleich zu den übrigen „Bambule“-Singles eher moderat chartete, wissen wir heute: „Füchse“ ist für die Ewigkeit.

„‚Füchse‘ ist ein Track, den ich bis heute nicht wirklich dekodiert habe.“

Falk Schacht

Worum es im Song eigentlich geht, darüber besteht nach wie vor Uneinigkeit. Assoziationsketten stehen hier im Vordergrund, Themensongs im eigentlichen Sinne haben die Beginner ohnehin kaum gemacht und um Füchse geht es in „Füchse“ nun wirklich nicht. Allein in Eißfeldts Part lässt sich ein durchgehendes Fuchs-Motiv ausmachen: Hier steht der Fuchs für den HipHop-Head, der schlau genug sein muss, Sellout-Industrie und auf HipHop gestylte Faker zu durchschauen, denn „jeder Fuchs weiß, dass ähnliche Garderobe heute leider nicht mehr Schutz heißt“.

„‚Füchse‘ ist ein Track, den ich bis heute nicht wirklich dekodiert habe“, gesteht Falk Schacht. „Der Song ist in einer Phase entstanden, in der galt: Reim dich oder fress dich. Der Zweckreim heiligt alle Mittel. Der spannende Punkt ist daran, wie sich das verselbstständigt hat und es eigentlich egal ist, was das mit den Füchsen bedeutet; jeder macht sich seinen eigenen Reim darauf. Aber jeder weiß auch, was gemeint ist, wenn man hört: ‚Füchse sind gar keine Rudeltiere.‘ Jeder schnallt den Code, der da kreiert wurde. Wenn der ganze Song wirklich eine Sinnlosigkeit war, dann ist er trotzdem mit der Zeit sinnvoll geworden. Das finde ich daran spannend.“