„Die Band war kaputt.“ – Die Antilopen Gang im Interview

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Heute erscheint das neue Album der Antilopen Gang. Auf „Anarchie und Alltag“ machen Danger Dan, Koljah und Panik Panzer da weiter, wo sie auf dem „Aversion“-Album aufgehört haben: aberwitziger Humor und eine Menge Gesellschaftskritik. Jonathan Nixdorff hat die Jungs getroffen, um mit ihnen über Druck von Außen, Depressionen und Punk-Rap zu sprechen.

Zuletzt habt ihr das „Abwasser“-Mixtape veröffentlicht, auf dem ihr überwiegend über Fremdproduktionen rappt. Warum wolltet ihr nach dem Debütalbum nicht direkt ein zweites nachlegen?

Panik Panzer: Weiß jemand warum wir das machen wollten? Ich habe es vergessen ehrlich gesagt.

Kolijah: Nach dem „Aversion“-Album waren wir an einem Punkt, an dem wir einfach Bock hatten, Beats zu picken und zu rappen, ohne eine Wissenschaft daraus zu machen. Es war auch ein schönes Statement, das einfach als free Download rauszuhauen. Damit hatten wir die Möglichkeit, auch über die Sachen zu reden, die uns seit dem Album-Release passiert sind. Also konnten wir auf dem Mixtape über aktuelle Geschehnisse reden, wie zum Beispiel diese Abmahn-Geschichte oder den Medienrummel im Allgemeinen. Themen, die auf einem echten Album fehl am Platz gewesen wären. So war das ein ganz gutes Ventil und ging auch relativ schnell. Wir haben im Festival-Sommer angefangen und danach immer an den Wochenenden daran gearbeitet. Dann stand das Ding auch in ein paar Wochen.

Also seid ihr das Mixtape auch inhaltlich anders als ein richtiges Album angegangen?

P: Man macht sich auf so einem Mixtape tatsächlich mal lockerer, was so Nonsense-Tracks angeht, auf denen man 16 Zeilen lang irgendeinen Unsinn aneinander reiht und zwei, drei Lacherfolge erzielen kann. Bei „Aversion“ wollten wir sowas lieber weglassen, weil wir das Gefühl hatten, dass solche Inhalte keine Nachhaltigkeit haben und es keine Musik ist, über die die Welt irgendwann noch sprechen wird. Bei „Abwasser“ haben wir uns dann lockerer gemacht. Fürs neue Album haben wir als Lehre mitgenommen, dass dieser lockere Swagger funktioniert und einem Album vielleicht sogar gut tun kann, wenn es nicht aus 50 Minuten Weltschmerz besteht, sondern auch einfach mal Unsinn erzählt werden kann.

K: Das war beim neuen Album halt der Unterschied. Da sind zwei, drei Songs drauf, die vom Stil her auch auf „Abwasser“ gepasst hätten. So kann man jetzt auch auf dem richtigen, ausproduzierten Album hören wie Panik Panzer rappt: „Ich grille eine Grille auf dem Grill/Ich mache kille kille bei einem Killer, der mich dann killt.“ (Gelächter)

P: Seitdem klar ist, dass diese Zeile auf dem Album landet, habe ich auch ein bisschen mit mir selbst zu kämpfen, weil sie einfach so unglaublich scheiße ist. (zu Danger Dan:) Danke an der Stelle, dass du mich öffentlich in die Pfanne haust.

D: Hä? Du haust dich doch selbst öffentlich in die Pfanne. Das wurde auf CD gepresst!

P: Ja gut, aber du musst es ja nicht so rausstellen, du Schwein. Naja, irgendwann hat Kolijah mal den Rapstyle, der sich bei uns entwickelt hat als „Ruinen-Rap“ bezeichnet. Dabei geht es nur noch um so ganz absurde, unlustige Wortspielereien. Und eigentlich ist das eine sehr, sehr gute Referenz auf den Antilopen-Ruinen-Rap.

Wenn du auf einmal die Zeit hast, einen geilen Beat zu bauen, funktioniert das plötzlich gar nicht mehr so gut.

Danger Dan

Seid ihr danach gut in die Arbeit am Album reingekommen?

Danger Dan: So locker, wie wir uns das vorgestellt haben, war es leider gar nicht. Wir wollten viel früher fertig werden, aber haben uns vier bis fünf Monate komplett verkrampft. Ich habe voll viele Beats gebaut, die alle richtig wack waren. Aber es ist halt auch so: Wenn du auf einmal die Zeit hast, einen geilen Beat zu bauen, funktioniert das plötzlich gar nicht mehr so gut. „Aversion“ haben wir auf einem Laptop ohne Akku produziert, der immer an der Steckdose sein musste. An dem war alles voll kaputt. Und plötzlich hatte ich einen richtigen Computer und ganz andere Möglichkeiten – und auf einmal habe ich mich total verkrampft. Also falls jemand so richtig schlechte Beats haben will, kann er sich gerne bei mir melden. Ich habe bestimmt um die 300 gebaut und die kann ich alle verschenken.

Schön im Ferienhaus am Strand Beats bauen funktioniert für dich also nicht?

D: Nein. In der Not haben dann bei einem Krisengespräch entschieden, dass wir uns für ein Wochenende in Kaput in Brandenburg zusammensetzen.

P: Die Band war kaputt. Es war wie ein Zeichen des Schicksals, dass diese Stadt auf der Karte zu finden war.

D: Da hat sich das dann irgendwie gelöst: Wir waren wieder auf einem Haufen, haben uns schlecht ernährt und uns gegenseitig in den Wahnsinn getrieben. Aus dieser Situation heraus floss kreatives Potenzial.

K: Bei „Abwasser“ hatten wir auch keinen Druck und mussten keine Erwartungen erfüllen. Vielleicht war das der Trick an der Sache. Nach dem „Aversion“-Album war klar, dass wir einen drauf setzen wollten. Das ist jetzt auch das erste Mal so, dass Leute warten und gucken, was wir da jetzt abliefern. Der Druck kommt aber auch nicht von außen, sondern von einem selbst. Man macht sich da einfach verrückt. Deswegen redet man auch ein bisschen öfter über Texte, als das jetzt bei diesem Mixtape der Fall war.

Wahrscheinlich war es für euch, Panik Panzer und Danger Dan, auch eine große Herausforderung, wieder eine musikalische Vision zu entwickeln. Was war dabei euer Ansatz?

P: Bevor wir mit dem Album angefangen haben, habe ich tatsächlich versucht, Referenz-Sounds zu finden. Ich habe auch ein Trap- und Boom-Bap-Verbot ausgesprochen. Aber die Lehre, die ich aus dem Prozess gezogen habe, ist, dass die Antilopen Gang so einfach nicht funktioniert. Das fließt einfach aus sich heraus und am Ende ist es der Brei, der es ist.

D: Das ist die positive Sichtweise. Die Negative ist: Wir sind einfach stark limitiert in unseren individuellen Möglichkeiten. Es macht halt keinen Sinn, etwas zu produzieren, was man gar nicht kann. Irgendwie hat jeder Mensch seine eigene Handschrift beim Musik machen und die muss man dann auch einfach lieben lernen und ausfeilen – aber mit der Schrift eines anderen zu schreiben, das geht halt nicht. Ich glaube, für diese Erkenntnis haben wir jetzt ein halbes Jahr gebraucht.

Aber ihr habt euch für die Produktion diesmal von Roe Beardie helfen lassen.

D: Ob das jetzt eine Hilfe war, sei mal dahingestellt… (Gelächter) Wir haben auf jeden Fall sehr viel Zeit mit ihm verbracht und er hat noch eimal ganz andere Einflüsse reingebracht. Ohne ihn würde das Album auf jeden Fall ganz anders klingen. Es ist immer ganz geil, so einen externen, erfahrenen Dude dabei zu haben. Er ist sehr meinungsstark. Wir mussten an vielen Stellen richtig viel diskutieren, weil ich ja auch sehr meinungsstark bin. Aber durch Reibung entsteht ja Wärme und es ist ja auch ein schöner, warmer, analoger Sound geworden. (lacht)

K: „Aversion“ hatte er schon gemischt, diesmal durfte er auch musikalisch mitreden. Außerdem haben wir auch die Vocals bei ihm im Studio aufgenommen. Zum allerersten Mal nach 10 bis 15 Jahre haben wir nicht bei bei uns zu Hause aufgenommen. Es war erstmal sehr schwierig, da jemand anderen ranzulassen.

Ihr habt euch auf „Abwasser“, aber auch auf dem neuen Album damit auseinander gesetzt, dass ihr jetzt vom Mainstream wahrgenommen werdet. Entspricht das dem, was ihr euch das früher als Untergrund-Künstler darunter vorgestellt habt?

K: Ich hatte gar keine Ahnung davon, wie der Alltag eines Musikers wirklich aussieht. Die Vorstellung davon war sehr abstrakt. Ich habe aber auch nie das Gefühl gehabt, irgendwo angekommen zu sein und tue es auch immer noch nicht. Das war mehr ein fließender Übergang.

D: Ich rappe ja auch auf dem Album: „Ich dachte wirklich, ich wäre glücklich, wenn es irgendwann läuft.“ Ich bin enttäuscht davon. Ich hätte geschworen, dass man von morgens bis abends grinsend durch die Gegend läuft, wenn man als Band von der Musik leben kann. Aber das wird halt doch irgendwann zu einem Alltag und zu einem Job. Ich bin total froh, dass wir keine CDs mehr einpacken und verschicken müssen. Trotzdem passiert so vieles gerade, zehn Baustellen auf einmal, und das ermüdet einen auf Dauer schon auch. Die Konzerte sind aber auf jeden Fall geiler. Es macht mehr Spaß, wenn mehr Leute kommen und wenn man sowohl auf der Bühne als auch im Studio mehr Möglichkeiten hat.

K: Für mich war immer die größte Tragödie, dass alles, was wir früher veröffentlicht haben, zu dem Zeitpunkt schon zwei Jahre alt war. Nicht nur, weil wir keinerlei Hilfe hatten, sondern weil wir dazu auch noch Kiffer und faul waren. Wir waren nie up to date. Jetzt ist es das erste Mal, dass wir Sachen fertig machen und die auch zeitnah rauskommen. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, aber das war es bei uns nie und das finde ich eigentlich recht angenehm.

Ich habe sehr großen Spaß an Auto-Tune. Sowohl an Auto-Tune -Musik, als auch selbst damit zu experimentieren.

Panik Panzer

Gab es bei euch interne Konflikte – vor allem nach der Veröffentlichung von „Aversion“ – darüber, auf welchen Plattformen ihr stattfinden wollt?

K: Ehrlich gesagt: nö! Wir haben erstmal gesagt, dass wir alles mitmachen und gucken, wie es ist. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir sagen können, dass wir bei „Aversion“ Sachen gemacht haben, die hätten wir uns sparen können. Es war echt wie bei „Alice im Wunderland“ – auf einmal kommen alle und wollen mit uns reden. Dann setzen wir uns halt bei Joiz rein und reden mit ihnen. Wir dachten die ganze Zeit: „Wir Idioten sollen mit denen reden?“ Das fanden wir witzig und haben das mitgemacht. Natürlich auch nicht alles, wir haben auch Sachen abgelehnt. Aber dieses sorgfältigere Aussieben fängt jetzt erst an.

Ihr habt euch immer als Anti-Establishment-Kollektiv inszeniert und tut das immer noch, seid dann aber auf einmal auf allen großen Plattformen aufgetaucht.

K: Man muss sich aber nur unsere Texte anhören, um zu merken, dass wir uns nicht gemein machen, sondern inhaltlich eher noch radikaler geworden sind. Ich war am Anfang erstaunt, dass eine Band, die Sachen sagt wie „Ihr seid 80 Millionen, die man abschlachten muss“ trotzdem von den Öffentlich-rechtlichen als die frechen, kritischen Newcomer-Rapper eingeordnet wird. Darüber haben wir uns ja bei „Trojanisches Pferd“ ein bisschen lustig gemacht. Das ist auch eher eine Widersprüchlichkeit oder eine Absurdität, die das Problem von den Medien ist, und nicht von uns.

D: Ich fand’s auch gut in meinem Alter und mit unserer Band-History auf einmal wieder Newcomer zu sein. (Gelächter)

Seitdem ihr bei den Toten Hosen unterschrieben habt, werden immer wieder Punk-Vergleiche zu euch gezogen. Musikalisch spielt das erst seit „Aversion“ und jetzt nochmal verstärkt auf „Anarchie und Alltag“ ein Rolle. Woher kommt das?

K: Ich glaube, das ist auch eine Frage der Perspektive. Bevor wir bei JKP waren, waren wir ja auch in Läden, wo überwiegend Punks spielen. Da waren wir immer die HipHopper. Die wussten teilweise gar nicht, wie sie sich auf einem Rap-Konzert verhalten sollen. Aber auf dem splash! sagen alle: „Oh, die Punker sind da!“ Das hat dann eher was mit den Hosen zu tun oder unserer Attitüde. Ich finde das aber gar nicht schlimm. Ich finde es gut, Rapper unter den Punks zu sein, und Punk unter den Rappern auch.

P: Das Thema „Punk“, sei es jetzt inhaltlich oder musikalisch, ist aber schon ein neuer Aspekt seit „Aversion“. Ich glaube, das liegt tatsächlich an der neuen Konstelation. Seitdem NMSZ gestorben ist, sind wir zu dritt und das ist definitiv ein Thema, das uns verbindet und beschäftigt. Früher haben wir ja immer in unterschiedlichen Konstellationen Musik gemacht und hätte ich beispielsweise mit NMZS ein Album aufgenommen, hätte Punk da wahrscheinlich keinen Raum eingenommen.

K: Als NMZS und ich ein Album gemacht haben und dachten, das wäre jetzt möglichst punkig, war das irgendwie so „Traurige Clowns“-Scheiße. So Weltschmerz mit Beats, die nicht gut sind und schlechten Wortspielen und so.

Rein von der Attitüde her, würde ich behaupten, dass ihr immer Punks wart. Neu ist ja eher, dass ihr Punk-Elemente auch musikalisch einbaut.

K: Wir hatten in der Produktionsphase lange überlegt, ob das überhaupt was werden kann. Wenn man Punk und HipHop mischt, wird das meistens ein Reinfall. Es gibt kaum eine deutschsprachige Crossover-Band, die mir gefällt. Da geht sowas fast immer in die Hose. Deswegen wollten wir das ein bisschen voneinander trennen. Es gibt nicht mehr die Gitarrenbretter, die wir auf „Aversion“ hatten. Dafür gleichen wir das aus, indem wir eine konsequente, fette Punkrock-Nummer drauf schmeißen.

Wie habt ihr denn dieses Feature mit Schorsch Kamerun eingetütet?

K: Wir haben Schorsch beim „Verliebt“-Videodreh kennengelernt, wo er als Polizist mitgespielt hatte. Wir sind große Fans und haben ihn gefragt, ob er auch bei unserer Punkrock-Platte „Atombombe auf Deutschland“ mitmachen will. Aber er ist halt Punk in Punk und meinte: „Nä, da hab ich keinen Bock drauf. Das ist mir alles zu langweilig, sowas habe ich schon vor 30 Jahren gemacht.“ Dann waren wir kurz traurig und dann fiel uns auf, dass wir bei unserem Song „Fugen im Parkett“ noch eine offene Baustelle im Refrain hatten. Und er hatte direkt gesagt, er hätte Bock auf eine Hiphop-Nummer. Dann haben wir ihm das geschickt. Er hatte vorher wochenlang nicht geantwortet, aber am nächsten Morgen haben wir E-Mail bekommen und er hatte den Refrain aufgenommen.

P: Die Ursprungsversion war tatsächlich sogar ich als Auto-Tune-Disney-Prinz. Und der Disney-Prinz wurde kontrovers diskutiert, aber ich glaube Georg macht die Nummer besser.

K: Es ist nicht mehr der große Pop-Hit, aber die Version hat gewonnen.

Apropos Auto-Tune: Daran habt ihr euern Spaß gefunden, oder?

P: Ich habe sehr großen Spaß an Auto-Tune. Sowohl an Auto-Tune -Musik, als auch daran, selbst damit zu experimentieren. Wobei sich das auch langsam übersättigt und verläuft, weil es einfach zu viel stattfindet. Ich schlage sehr ungern in diese Kerbe rein, aber ich finde es einfach zu geil. Wir haben es aber nicht übertrieben.

Auf der neuen Platte thematisiert ihr Depressionen. Vor allem der Song „Alf“ schlägt in diese Kerbe. Vor kurzem habt ihr dann an NMZS‘ Geburtstag eine Ansage an alle Fans gemacht, die seinen Suizid glorifizieren. Ist euch der Umgang mit Depressionen ein wichtiges Thema?

D: Irgendwie findet das Thema immer wieder den Weg zu unserer Band. Ich finde, das ist auch ein Thema, das man durchaus thematisieren darf. Es kommt mir manchmal ein bisschen tabuisiert vor, obwohl fast alle Menschen in ihrem Leben depressive Phasen haben und es 10.000 Suizide in Deutschland pro Jahr gibt. Mich beschäftigt sowas schon immer wieder. Ich habe auch selbst ab und zu depressive Phasen und kenne viele Leute, denen es ähnlich geht. Zwischen all dem Klamauk finde ich es gut, ab und zu mal ernsthaft darüber zu reden.

Wenn aus dem Tod von NMZS ein Kurt-Cobain-mäßiger Totenkult gemacht wird, dann finden wir das scheiße.

Koljah

Inwiefern seid ihr denn mit Glorifizierung von Suizid konfrontriert?

K: Tatsächlich findet eine Glorifizierung zum Suizid von NMZS teilweise statt. Nich unglaublich viel, aber man findet immer wieder Leute, die ihn zu einem Helden stilisieren. Von wegen: „Er hat die Eier gehabt, das zu machen. So eine mutige Tat!“ Davon wollen wir uns abgrenzen. Für uns ist klar, dass es das Dümmste war, was er hätte machen können. Das war furchtbar und da gibt es kein gutes Haar dran zu lassen. Wenn daraus jetzt so ein Kurt-Cobain-mäßiger Totenkult daraus gemacht wird, finden wir das einfach scheiße. Das wird auch Jakob nicht gerecht. Wir haben ihn für das gemocht, was er als Lebender getan hat. Das muss man ja eindeutig sagen.

D: Suizid wird von so Leuten glaube ich als Widerstand gegen eine Gesellschaft gesehen, in der man lebt. Das ist aber de facto nicht der Fall. Immer, wenn Leute sich umbringen, sind sie einfach schwer krank und haben Depressionen. Das hat nichts mit Widerstand zu tun.

Auf dem Song „Alf“ bezieht ihr das Krankheitsbild auch auf euch selbst.

D: Das war nicht so konzipiert, aber macht eigentlich Sinn. Wobei man auch unterscheiden muss zwischen Katerstimmung und ernsthaften Depressionen als Krankheitsbild. Ich habe aber gerade gelesen, dass fast alle Menschen irgendwann in ihrem Leben an einen Punkt kommen, an dem sie nach therapeutischem Rat fragen, sich aber auch irgendwie dafür schämen und Hemmungen haben. Ich verstehe das nicht so richtig und finde es nicht schlimm, an irgendeiner Stelle auch mal zu sagen: „Ey, mir gehts nicht so gut.“

In einer stark Gesellschaft, in der man sich stark über Leistung definiert, ist es doch leicht nachvollziehbar, dass keine Schwäche zeigen will.

D: Das thematisieren wir in dem Lied „Patientenkollektiv“. Man kann Depressionen auch soziologisch betrachten kann. Ich bin ziemlich sicher, dass Menschen in bestimmten Lebensphasen oder Berufsgruppen viel eher zu Depressionen neigen als andere. Daran muss man auf einer gesellschaftlichen Ebene arbeiten und nicht indem man den Leuten sagt: „Geh mal joggen oder nimm ein paar Pillen und dann ist alles wieder gut.“