AHZUMJOT: „Das wäre richtiger Fuccboi Shit“ // Interview

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Ahzumjot wurde gehypet, ist gefloppt, hat sich wieder nach oben gekämpft und ist spätestens seit letztem Jahr durchgehend mit dem Werkeln an verschiedensten Projekten aufgefallen. Jetzt hat er ein Playlist-Projekt namens „RAUM“ am Start. Um herauszufinden, was das genau sein soll, hat unser Autor Till Wilhelm dem Wahlberliner eine Freundschaftsanfrage geschickt und ein bisschen mit ihm gechattet – so 2013, mit LOL und so.

Du positionierst dich in Tracks wie „Geier“ und „Retail“ als Einzelgänger in der Szene, Neid und Wackness der Anderen sind Thema – trotzdem spielst du mit Sound- und Videoästhetik, die derzeit sehr populär sind (digitale/postkinematographische Videoästhetik, popmusikalische Soundästhetik). Worüber definierst du deine Individualität im Biz?

antwortet für fünf Minuten nicht
Sorry, habe gerade Essen bestellt hahaha
Ist gar nicht so leicht… Esse seit einer Woche vegetarisch und habe jetzt den vegetarischen Metzger im Bergmannkiez entdeckt lel. Ich antworte mal…

Schick mal Foodpic!

Geschätzte Lieferzeit 17:35 – 17:45, dann gerne hahaha

Ich komme drauf zurück.

Zurück zur Frage: Ich denke meine Individualität basiert auf mehreren Faktoren. Natürliche bediene ich mich moderner Soundelemente, aber ich habe einfach spätestens seit meinem Debüt „Monty“ eine eigene Handschrift. Ich liebe es, wenn der Beat ab der Hälfte des Songs switcht und der Track noch mal eine komplett andere Stimmung kriegt, oder der Song eigentlich auf ein dreiminütiges, instrumentales Outro anspielt. Außerdem behandel‘ ich trotz modernem Sound Themen, die mich betreffen und keine Themen, die ich bei durchaus vorhandenen Vorbildern aus Amerika oder England mitbekommen habe. Zudem unterscheidet mich wahrscheinlich mehr oder minder freiwillig meine Historie. Ich kam als der Junge, der alles selbst mit ein paar Bruhs macht, wurde hochgejubelt von der Presse, früh weggesigned, bin für die breite Masse gefühlt gefloppt, habe mir dann jedoch wieder mit eben denselben Jungs alles zurückerkämpft. Und wenn’s nicht viel ist und ich immer noch für viele unterm Radar fliege: Ich bin glücklicher denn je 🙂
(Smiley am Ende soll zeigen WIE glücklich)

Man soll ein wenig dabei zusehen, wie ein Album entsteht.

Ahzumjot

Du hast ein neues Projekt namens „RAUM“. Warum gerade eine Playlist? Wo siehst du Vor- und Nachteile?

Eigentlich ist das nur die logische Konsequenz aus meinem QT-Projekt aus dem letzten Jahr, wo ich jedes Quartal ein Release veröffentlicht habe, die möglichst unterschiedlich sein sollten. Ich sehe mich eigentlich immer weniger als Rapper, als dass ich mich – ohne jetzt blöd zu klingen – als Regisseur oder einfach ein Kind im Spielzeugladen sehe. Ich langweile mich einfach, wenn ich nur eine Sache mache. Deswegen produziere, schreibe, mische, master ich… ich schneide auch gern Videos, kümmere mich zusammen mit 27*BUCKS um alles Visuelle, von Merch bis Bühnendesigns und das alles auch gerne hier und da für andere. Dieses Playlist-Projekt soll möglichst diese Kreativität kompensieren und auch anhand von Instrumental-Songs und einer größeren Bandbreite an Sounds zeigen, was und wer Ahzumjot ist. Außerdem sollen die Leute mir folgen können, und deshalb erscheint alles peu á peu. Man soll ein wenig dabei zusehen, wie ein Album entsteht.

Apropos zusehen, wie ein Album entsteht: Werden sich auch die einzelnen Songs verändern (à la Kanye) oder bleibt einfach alles so, wie du es zum Release zufriedenstellend fandest?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich will es nicht provozieren, nur um sagen zu können „Hey, guck mal, ich mach‘ das alles so crazy anders als alle Anderen“. Kann aber gut sein, dass mal ein Song verändert wird, ein Feature kriegt, ein Instrumental-Song dann doch berappt/besungen wird oder ganz raus fliegt. Das Ganze so in weiser Voraussicht zu planen, wäre richtiger Fuccboi Shit haha. Also ich mach das Projekt auch nicht, weil ich alles zwangsläufig anders machen will. Will momentan einfach Musik machen, mich ausprobieren und es den Leuten dennoch zeigen. Viele machen das halt im Hintergrund und ich habe mich entschieden, die Leute daran teilhaben zu lassen.

Lass uns über eventuelle Nachteile reden. Hast du nicht Angst, dass Leute die Playlist irgendwann nicht mehr verfolgen, weil sie sich träger entwickelt als ein geschlossenes Album, das auf einen Termin erscheint?

Klar habe ich davor Angst. Man müsste ja meinen, dass das Konzept der geringen Aufmerksamkeitsspanne, die wohl jeder mittlerweile hat, in die Karten spielt. Gleichzeitig verlieren Fans aber auch so schnell das Interesse an einer Sache. Deswegen muss man das spannend halten. Ich denke einige werden es auch erst richtig hören, sobald es abgeschlossen und vollständig releast ist. Einige werden es nie hören.

Jeder bisher veröffentlichte Song der Playlist hat mindestens ein eigenes Cover, wenn nicht sogar ein eigenes Video. Im Kontrast zu dem recht simpel gehaltenen Playlistartwork. Wieso die Mühe?

27*BUCKS und ich haben uns halt lange darüber Gedanken gemacht, wie man das Wort „RAUM“ verbildlichen kann. Im Endeffekt ist ein Raum ja nichts als Platz und ist eigentlich sowohl geschlossen als auch offen. Das Playlist-Cover ist eben dieser Raum und die einzelnen Songs füllen diesen auf. Die Songs behandeln ja spezielle Themen, deswegen auch richtige Cover. Die Playlist an sich ist einfach nur eine große Spielwiese. Deswegen habe ich auch mit so vielen Leuten kollaboriert, wie noch nie. Zwei Songs habe ich nicht einmal produziert (s/o LEV und BLVTH).

Die Playlist an sich ist einfach nur eine große Spielwiese.

Ahzumjot

Du hast gerade Kollaborationen angesprochen, vorhin meintest du, dass du deinen Weg bisher vor allem mit deinen engsten Freunden gegangen bist. Verhält es sich so auch weiterhin mit etwaigen Features in der Playlist, oder kommt da auch großes Unerwartetes auf uns zu?

Naja, wer mich verfolgt, weiß, dass mein Kreis ja auch aus anderen Künstlern besteht. Glaube, ein paar kommen relativ unerwartet, aber ich mache Musik ausschließlich mit Menschen, die ich mag und wo eine persönliche Ebene da ist. Ich habe noch nie einen Song des Namens wegen gemacht und das wird sich auch nicht ändern.
Es sei denn Kanye, Pharrell oder Pusha rufen an… lel

Wie stehts eigentlich um dein Essen?

Essen? 17:35 – 17:45 war komplett Lügenpresse. Laut Deliveroo noch nicht einmal zubereitet.

Kannst ja das Foto nachreichen dann… Okay, letzte Frage: Wann merkst du oder wie kriegt man mit, dass das Projekt abgeschlossen ist?

Nie? haha… kein Plan. Ich denke schon, dass ich mal sagen werde, dass es abgeschlossen ist. Es ist ja am Ende auch ein richtiges Album mit Intro, Outro, rotem Faden etc. Wenn ich aber heute in einem Jahr einen Song mache und den rausbringen will, der aber grandios auf die Playlist passt, kann es schon sein, dass er darauf landet. Ich möchte dem Projekt keine Grenzen setzen, aber es auch nicht künstlich in die Ewigkeit ziehen. Raum halt.
ESSEN IST UNTERWEGS ICH HEUL GLEICH!!!

Das freut mich! Und ich danke dir vielmals für das Gespräch. Willst du noch irgendwas loswerden?

Bis das hier veröffentlicht ist, ist die Hamburg-Show angekündigt, oder? Dann: KOMMT ZUR HAMBURG SHOW. WIRD ZU KRASS. Du kannst aber auch einfach in einem Nebensatz erwähnen, dass ich während des Interviews gleichzeitig einen Instrumental-Song fertig arrangiert habe, mit dem Techniklieferanten für das Zirkus Zirkus Pop Up Event telefoniert habe und Essen bestellt (und mittlerweile angenommen) habe, um zu untermauern, was für ein Mastermind ich bin… oder einfach, um zu zeigen, dass ich eigentlich mal ’ne Pause bräuchte…

Liebend gerne, dann jetzt bitte ein Foodpic!

Gespräch über Foodpicästhetik, ethisch-moralisch begründeten Vegetarismus und Lil B.

Hier gehts zur ganzen Playlist auf Spotify: