Afrob: „Ich bin erschrocken, dass ich das hier erlebe. In Deutschland. Im Jahr 2017.“ // Interview

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Am 5. Oktober erschien „Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli“ von Afrob. Zwei Besonderheiten: Es ist ein Best-of. Und es ist komplett in einer Acoustic-Version eingespielt worden. Nach fast 20 Jahren im Rap-Business kann man solche Moves auch bringen. Unser Autor Tristan Heming hat sich mit Afrob unter anderem über ebendieses Album, seine Teilnahme am Red Bull Soundclash und über die wahren Probleme mit der „Flüchtlingskrise“ unterhalten.

Du bringst bald ein Best-of-Album raus, aber kein herkömmliches: Du hast deine größten Hits mit der Band Tribes of Jizu im Studio neu eingespielt. Dabei stand das Spiel mit der Band und der Mehrwert der Songs im Vordergrund, dem hast du sogar Hits wie „Sneak Preview“ und „Immer weiter“ geopfert, die nicht bandtauglich waren. Wirtschaftlich sicher nicht der bestmögliche Move. Wie kam es dazu?

Ich wollte unbedingt ein Best-of machen. Das ist natürlich auch eine Hidden Message. Ein Best-of ist immer eine Zäsur. Die Leute, die Eins und Eins zusammenzählen können, wissen schon, was das bedeutet. Ich wollte auch unbedingt diesen Schnitt haben.

Aber sich die Tracks dann bei Apple oder Spotify nur neu sortiert reinzuziehen, da könnte man sich ja genausogut selbst eine Playlist machen. Das ist ja noch schlimmer als früher, als es die Portale noch gar nicht gab. Und selbst wenn eute die Platten haben: Warum sollten die sich ein Best-of kaufen? Höchstens, um die Sammlung perfekt zu machen.

Ich hatte schon gute Erfahrungen gemacht mit der Band, ich habe sie vorher schon bei ihren Loop Sessions mit Fatoni gesehen. Der ist ja auch ein geiler Rapper. Da hab ich gemerkt: Die spielen auch mal neben den Song. Ich wusste direkt, was das für eine Band ist, was deren Schwerpunkte sind, was denen Spaß macht zu spielen. Ich habe dann mal zwei Songs probemäßig hingeschickt, die haben wir dann auch performt und da hab ich voll in’s Schwarze getroffen.

Das ist mir auch aufgefallen. Der Shuffle, den Schlagzeuger spielen, kommt meistens aus dem Blues und ist sehr präzise. Bei „Ruf deine Freunde an“ habe ich zum ersten Mal gehört, dass jemand so perfekt das nachspielt, was passiert, wenn man bei einer MPC den „Shuffle“-Effekt hochdreht. Das ist auf eine sehr schöne Art viel rumpeliger, hat mehr Spiel. Da sitzt jeder Schlag leicht daneben, aber es klingt total geil.

Genau. Da stimmt eigentlich gar nichts, wenn du es so siehst. Klar, irgendwas ist da, was den Takt fortführt, meistens die Hi-Hat, die die Viertel mitnimmt. Aber sonst kann das schon in einem gewissen Rahmen alles ein bisschen mehr fliegen. Ich bin auch selbst sehr spät, meine Einsätze und auch wie ich wieder absetze. Das musst du verstehen und auch diese Millisekunde weiter zurück spielen. Die verstehen das, freuen sich sogar und sagen: Das ist der Hammer, dich zu begleiten. Die spielen dann sogar mit meinen Rap-Pattern.

Es klingt weniger nach „Rapper rappt über Live-Beat “, du bist ja mit deiner Stimme selbst auch Instrumentalist in dieser Band geworden.

Ja, meine Stimme ist manchmal fast eine Beatbox. Es war auch wichtig, dass ich die Art, wie ich Musik performe, nochmal komplett neu denke. Da waren diesmal noch fünf andere Leute und jeder braucht seinen Platz, zwischenmenschlich muss man da jeden achten. Aber nicht nur das, auch anhand ihrer Fähigkeiten: Ich mag, wenn Leute was können, und dafür zahl ich auch gern. Es macht viel mehr Spaß mit Leuten, die sehr schnell antizipieren können, die mitdenken. Wir haben sogar bei den Aufnahmen noch Sachen verändert.

Das funktioniert unter den Bedingungen natürlich nur, wenn die Musiker vorausschauen, mitdenken und selber immer überlegen: Wo geht es jetzt noch besser?

Ich will das ja auch schützen: Ich will nicht der Boxer sein, der zum 80. Mal in den Ring geht und schon wieder auf die Fresse kriegt. Es ist ein Privileg, diese Songs zu spielen. Die gehören ja auch nicht mehr mir, das ist ein Erbe, was ich hergebe. Zum Beispiel „Get Up“ und „Reimemonster“, da braucht nicht mehr Afrob stehen. Das gehört allen mittlerweile.

Diese „großen Hits“ hast du vermutlich hinter dir.

Klar. Aber die Zahlen haben auch bei fast keinem dieser Songs gestimmt. „Reimemonster“ ist irgendwo bei 40 rumgetingelt.

Das ist fast ein bisschen wie im amerikanischen Punk-Bereich mit den Ramones: Jeder zweite erfolgreiche Rock-Musiker läuft mit deren Shirts rum, aber verkauft haben die damals nie viel.

Ich habe halt diesen Titel und die Leute kommen dann auch zu Shows. Die wissen auch, warum sie kommen. Eine Afrob-Show ist eine halbe Lecture. Wenn ich keinen Bock auf einen Song habe, sage ich: Komm, mach den aus, der gefällt mir nicht. Und die Leute finden das cool, die sehen die Substanz und eröffnen keine Nebenschauplätze. Das ist auch meine Philosophie, zum Beispiel wenn wir Postings machen: Bitte keine Ausrufezeichen, und auf keinen Fall „Kauf! Kauf! Kauf!“-Gelaber. Was ich mache, ist immer ein Angebot. Hier wird keiner gezwungen. Wenn es einem gefällt, was das neue Album für einen Mehrwert mitbringt, dann ist das the whole purpose. Viele Leute fragen sich auch, warum es mich immer noch gibt, warum Max und Samy überhaupt noch mit mir arbeiten. Weil einem mein Wert einfach nicht ins Gesicht hüpft. Man muss bei mir zweimal hingucken. Aber ich muss mich ja auch nicht kleiner machen, als ich bin: Mein Werk ist ’ne Legacy, und die will ich auch entsprechend präsentieren.

Zurück zum Entstehungsprozess: Hattest du schon länger die Idee, mit einer Band zusammenzuarbeiten? Das ist ja immer mal wieder, teils bis zur Lächerlichkeit, en vogue.

Ich hatte immer die Idee, mit einer Band sowas zu machen. Aber das wurde dann auch immer schlimmer, ich habe meine Ansprüche immer weiter nach oben geschraubt, das ist auch eigentlich klassisch bei mir. Ich fange immer locker und gemächlich an und merke schnell, wieviel Luft nach oben da noch ist. Aber irgendwann dreht man halt durch. Wir haben vier Tracks am Tag aufgenommen und da war es mit der Kontrolle dann nicht so gut, muss ich ehrlich sagen. Es gibt da ein, zwei Sachen, wo ich mir sage: Das kann so bleiben, das tut dir nicht weh, aber ich muss wohl ein Volume 2 machen. Aber es gibt auch Stellen wie das Jazz-Break bei „Einfach“, wo ich mir sage: Allein nur für diese Stelle hat sich für mich das ganze Projekt gelohnt.

Wenn ihr aber vier Tracks am Tag aufgenommen habt, muss das ja vorher komplett fertig arrangiert sein. Wie lief das ab?

Bevor wir das aufgenommen haben bin ich immer nach München zu den Jungs gefahren. Die hatten die Songs vorher schon, aber es war allen klar: Wir werden die nicht Eins zu Eins nachspielen. Da kam Lynn in’s Spiel, der Keyboarder, der da auch ein bisschen den Musical Director macht. Mit dem habe ich mich dann ausgetauscht, hab ihm erklärt, was die Idee ist, was die Philosophie von dem Ganzen sein soll: Dass die die Beats wirklich interpretieren sollen, als Band spielen. Und er war einfach nur happy und meinte: Sowas hab ich noch nie gehört, vielen Dank. Als wir dann im Studio angekommen sind, hat das keiner geglaubt, dass wir das schaffen würden. Aber ich wusste das.

Bitte keine Ausrufezeichen, und auf keinen Fall ‚Kauf! Kauf! Kauf!‘-Gelaber.

Afrob

Trotzdem ist ein live eingespieltes Album mit Band ein Luxus, den man sich erstmal leisten können muss.

Klar, im Endeffekt ist es auch eine Platte, die ich mir selbst gegönnt habe. Viele sehen mich da ja auch als Red-Bull-Handlanger (die Platte wurde in den Red Bull Studios aufgenommen, Anm. d. Red.), das ist überhaupt nicht so. Die helfen mir echt, wir haben ein super Verhältnis. Ohne Red Bull könnte ich einige Sachen nicht machen. Ich find’s gut, dass sie wenigstens irgendwas zurückgeben. Von den anderen kommt ja nur ein müdes Lächeln, wenn du nicht zwei Millionen Platten verkauft hast. Das interessiert die überhaupt nicht.

Red Bull hat ja echt einen schlechten Ruf, vor allem wegen der aufgekauften Fußballvereine (Red Bull Salzburg und RB Leipzig). Andererseits ermöglichen sie dann, dass LGoony und Crack Ignaz da ein Album aufnehmen können („Aurora“).

Aber vergiss mal die Rapper. Was ist denn mit den ganzen DJs, den Breakern und alles? Gibt irgendjemand von der HipHop-Community da was zurück? Nein. Das machen die. Die werden anständig bezahlt, kriegen ein tolles Forum, können sich präsentieren. In einem Zeitalter, in dem alle alles umsonst haben wollen – Musik, Videos, Visuals, was weiß ich sonst noch alles – ist das eine vernünftige Möglichkeit, das für einen vernünftigen Preis zu bekommen. Aber das ist eigentlich auch nicht mein Thema.

Wir bleiben mal bei Red Bull: Du nimmst am nächsten Soundclash teil. Da trittst du, mit Samy und Eko, gegen das Team „New Level“ aus ebendiesen LGoony, Crack Ignaz und Soufian, an. Allgemein bist du aber neuen Rap-Strömungen gegenüber ziemlich offen, das sagst du in Interviews ja öfter.

Weil mich jeder danach fragt. Viele vergessen ja, dass ich aus diesem Battle-Bereich komme. Ich bin auch auf zwei, drei Battles gefahren und dieses Kompetitive war halt früher das ganz Normale. Du bist da dann raus, vor dem Club standen gleich wieder vier bis fünf Leute und alle haben ihre Strophen gedroppt. Das war hart. Jeder kannte deine Basic Lines, du musstest immer drum herum rappen und wenn du irgendwas gebracht hast, was du letzte Woche schon hattest, warst du durch. Da verbessert man sich. Ich mag das Messen auf der Bühne. Ich will denen ja auch nichts beibringen, oder habe irgendeinen Groll gegen die. Die sind halb so alt wie ich. HipHop ist so offen und so frei, jeder hat die Chance, das so zu interpretieren, wie er möchte – das ist mein Standard-Spruch. Ich hab einen Track auf der letzten Platte, der ist fast ein Cloud-Rap-Song.

Du meinst „Kein Weg zurück“. Den habe ich gehört und den seltenen Eindruck gehabt, dass auf die Art im deutschen Rap Autotune bisher kaum verwendet wurde. Das war keine gesungene Hook mit Klangeffekt, das klang fast schon nach Future und seiner Art, Autotune als eigenes Instrument zu benutzen.

Für mich ist Autotune ein Tool. Ich fixe damit nichts, das ist kein Mittel zum Zweck. Ich mag einfach diesen Klang. Den Song hat Samy mit mir aufgenommen, und das war für uns beide einfach klar, dass das perfekt passt. Das ist ja auch noch mehrstimmig und so. Das ist einer meiner Lieblingssongs von dem Album, nicht, weil er so perfekt ist, das ist er nicht. Aber der ist einfach emotional.

Der Song sticht auf jeden Fall heraus und gibt dem Album nochmal eine andere Richtung.

Ich seh mich da auch nicht auf dem Track. Ich seh da einen Typen, tättowiert, der auch wirklich was erlebt hat. Nicht so wie ich – ein Typ, der einfach da sitzt und nochmal über alles nachdenkt, und es scheiße fand, wie es gelaufen ist, aber alles nochmal so machen würde. Ich hab auch erst jemanden gesucht, der das für mich bringt, aber dann musste ich es wohl selber machen. Ich bin da ganz entspannt mit diesem Red-Bull-Clash-Ding.

Ich fand’s auch spannend, dass zwei Internet-Rap-Vorreiter dort ein Team mit Soufian bilden, der aus der Azzlack-Ecke kommt.

Ich finde es ehrlich gesagt mutig von LGoony und so. Die kommen nicht davon, das ist nicht ihr Ding. Die machen Lieder im Internet.

Ich bin mir auch relativ sicher, dass von denen keiner krass freestylen kann.

Das ist auch okay so. Die werden ihre Mittel finden. Da bin ich auch gespannt und freu’ mich drauf. Was sollen die denn zu mir sagen, was noch nicht gesagt wurde. Weißt du, worauf ich mich freue? Wenn wir die Songs switchen. Gib mal her, mal gucken was passiert. Aber wir werden sehen was passiert, ich lob’ den Tag nicht vor dem Abend.

Ich glaube, das kann eine ganz sympathische Begegnung auf Augenhöhe werden, auch innerhalb der Teams.

Ja, da gibt es eine Menge Respekt, jeder bringt auch was mit, was der andere nicht hat. Eko kann auch mal kräftig raustreten, während Samy und ich eher Interviews geben wie Fußballer. Meine Bescheidenheit in Interviews rührt daraus: Auf dem Platz ist die Wahrheit. Wenn ich mit dem Mikro auf der Bühne bin und habe da mein Set-Up, dann ist es einfach gut.

Ich finde es halt auch spannend, dass da zwei Generationen aufeinander treffen, die HipHop als Selbstermächtigung nutzen. Es gibt ja gern diesen Vorwurf, dass HipHop nur real ist mit „Zwei Turntables und ein Mic“. Aber historisch waren das ja einfach die Sachen, die die Eltern schon da hatten, und mit denen man ohne Kostenaufwand neue Musik machen konnte. Heute hat eben nicht mehr jeder eine Plattensammlung, sondern einen Laptop.

So sieht’s aus. Jeder ist in seiner eigenen Situation. Aber viele Leute sind faul. Die haben keinen Bock drei, vier Jahre an sich zu arbeiten, aufzunehmen, Album machen, Leute suchen, das ist schon stressig. Die Leute wollen ein Jahr rappen und direkt Gold.

Und dann gibt es diese jungen Rapper, die einfach machen, aufnehmen, irgendwie in’s Internet rotzen und keinen Fick geben.

Die sitzen vor ihren Laptops im Keller ihrer Eltern und feiern den Scheiß hart! Und viele haben Angst. Aber Leute, die so denken, haben Rap nicht verstanden. HipHop ist im ständigen Wandel. Vor deiner „Lieblingsphase“ gab es auch Leute, die Rap anders mochten und 50 Cent oder Busta Rhymes scheiße fanden.

Bist du zufrieden damit, wie du deine Karriere und dein Leben gestaltet hast? Ist es dir mehr wert, jetzt ein zufriedener Mann zu sein, oder hättest du im Nachhinein etwas kommerzieller vorgehen sollen, um jetzt viel Geld zu haben?

Das weiß man nicht. Ein kluger Mann hätte sich damals von dem Geld wahrscheinlich ein Auto gekauft oder so. Du kalkulierst ganz anders, dann nimmt das andere Ausmaße an bei denen ich mich jetzt schon frage, ob das wirkich Sinn gemacht hat. Aber auch wenn das jetzt pathetisch klingen mag: Ich bin den Leuten, die mich seit Jahrzehnten begleiten, unglaublich dankbar, und an die soll das neue Album auch ein Geschenk sein. Mein Leben ist ein Märchen. Ich bin erste Generation Afrikaner, Flüchtlingskind, bin mit meiner 18-jährigen Mutter hierher gekommen und hab diese Möglichkeiten bekommen. Deshalb komm ich auch manchmal mit „Deutschland verrecke!“ nicht so ganz klar.

Ich hab einen Track auf der letzten Platte, der ist fast ein Cloud-Rap-Song.

Afrob

Du sagtest ja auch in einem anderen Interview mal, dass man sich bei aller Ekelhaftigkeit der Forderungen der AfD mal den Realitäten stellen muss: Dass Flüchtlinge, die hierherkommen, im Arbeits- und Wohnungsmarkt konkurrieren. Das sind ja auch Dinge, die von Linken häufig mit einem „der Kapitalismus ist Schuld“ abgetan werden. Die Frage ist dann aber, wie man real damit umgeht, dass Flüchtlinge die Situation der ärmsten Deutschen noch verschärfen. Klar sind die Flüchtlinge nicht schuld, aber man muss ja eine Alternative anbieten und sagen, was daran Schuld trägt und wie man das ändern könnte.

Mein Problem ist, dass die Fluchtursachen nie Thema sind. Das macht mir ehrlich gesagt Angst, denn das zeigt mir, dass alles wie immer ist: Diese Leute sind nicht dumm und irrational. Sie erzählen viel über das eine und lassen das andere weg und versuchen dich zu einem Mittel zum Zweck machen. Du sollst für irgendeine Agenda geradestehen und das Kanonenfutter sein. Wenn es nicht so wäre, würden sie sagen: Was wir in Afrika anrichten, ist das allerletzte. Damit müssen wir sofort aufhören. Und wenn ich den Gauland höre, der mir erzählt: Ja, die müssen alle zurück, die Afrikaner: Ja, okay, kannst du von mir aus ruhig fordern. Ausländer raus. Dass der das überhaupt so sagt! Zweitausendsiebzehn! Aber dann sag ich ihm: Wir gehen, wenn ihr geht. 400 Jahre hüpft ihr dort rum und klaut alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Wenn jemand kommt und sagt: Ich mach’ was für meine Leute, dann killt ihr den. Wie gesagt, ich bin wirklich erschrocken, dass ich das hier erlebe, in Deutschland, im Jahr 2017.

Unter der Flüchtlingskrise leiden vor allem Leute, die ohnehin schon in prekären Situationen stecken. Als Lösung wird dann der Rauswurf der Flüchtlinge gefordert. Was denkst du, warum es keine starke linkspopulistische Stimme gibt, die sagt: Klar ist das eine Belastung, aber die sollte gefälligst aus den Bereichen ausgeglichen werden, die diese Fluchtursachen zu verantworten haben? Warum wird da keine Umverteilung gefordert?

Nein, wir wollen nichts. Kein Mensch will Geld. Ich sag: Verpisst euch einfach. Ich mein, meine Schicksalsgemeinschaft ist auch die europäische, wenn ich von „denen“ rede, meine ich uns. Ich renne auch mit einem iPhone für einen Euro rum und irgendwelche afrikanischen Kinder holen mir die Erze dafür aus der Erde. Mich stört es, dass die Ursachen nicht beschrieben werden, sondern nur: Hunger in Afrika, armes schwarzes Kind.

Spenden für Brot für die Welt, aber wollen dass Frontex die Grenzen dicht macht.

Trump ist dann ein Arschloch, weil der will ’ne Mauer bauen. Aber ihr habt Militärschiffe da im Mittelmeer. Was ich möchte, ist einfach, dass Leute zuhören. Dass man andere ausreden lässt und sagt: Ich versteh schon, was du meinst, ABER. Wenn du gute Argumente für dich und deine Sache hast, dann kannst du auch eine andere Meinung aushalten. Da braucht man nicht rumzensieren. Ich will das hören. Ich brauch keinen, der mir sagt: Afrob, du bist ’n bisschen doof, und wenn du das hörst wirst du auch wie die.

Zum Abschluss eine kleine Rückkehr zum neuen Album?

Deshalb ist ein Afrob-Album immer ein Politikum. Wenn ich heute zurückgehe zu „Afroasiate“, ist das aktueller denn je. Man hört immer noch diesen wütenden schwarzen Jungen raus – einerseits ist er ein Rap-Star, andererseits hält das Taxi nicht für ihn an. Ich komm aus dem Nightliner, gerade vor 18 000 Leuten gespielt, und der Taxifahrer kommt nicht auf die Idee, dass ich wirklich derjenige sein könnte, der das Taxi gerufen hat und fährt einfach weiter. Dass man mit Rap in Deutschland sozial aufsteigen kann, ist ja mittlerweile bekannt. Und das ist eine Errungenschaft, die man ruhig mal feiern kann.