AchtVier & Said – 50/50

5050 Cover Said

Die Liste der Kollabo-Alben im Deutschrap ist mit „50/50“ um zwölf Tracks reicher. Unser Autor Fionn Birr hat sich Saids und AchtViers Berlin/Hamburg-Schulterschluss mal genauer angehört.

Seit AON und den Azzlackz hat deutscher Straßenrap begriffen, dass er nicht nur auf betoniertem Synthie-Bombast, sondern auch auf Boombap-Gerumpel die zu representenden Gangzeichen verbalisieren kann – und spätestens seit SSIOs „Spezialmaterial“ ist in der Umgebung aus Hochhaussiedlung, Hood-Mob und Handelswarenverkehr auch mal ein Augenzwinkern erlaubt.

Auch Said und AchtVier wiesen schon das geschmackvolle Setting aus Skills und Selbstironie, aber eben auch Straßensachen in ihrem Katalog vor. Das macht den Neuköllner und den Hamburger Ex-187er auf ihrem Kollabo-Album „50/50“ allerdings nicht gleich zur Blödelbarden-Bande. Deutscher Straßenrap verstrickt sich 2016 schlicht nicht mehr in Glaubwürdigkeitsdiskussionen, sondern weiß mittlerweile, wie Entertainment geht.

Trotz oder gerade wegen der fragwürdigen Vergangenheit seiner Protagonisten ist „50/50“ vor allem ein Partyalbum.

Auf „50/50“ geht es nicht um Zeitgeist-Trap, Flow-Variationen oder Kriminalstatistiken. Die funkgitarren-lickenden Lowrider-Beats scheppern im klassischen Westcoast-Groove durch die On-Ears oder es flattert flinkes Sample-Kunstwerk im Stile der New Yorker Früh- und Mittneunziger durch die Membrane. Und trotz oder gerade wegen der fragwürdigen Vergangenheit seiner Protagonisten ist „50/50“ vor allem ein Partyalbum.

Denn AchtVier und Said geben sich nicht damit zufrieden, ihr maßgeschneidertes Instrumental-Werk im Strophen-Wechsel abzufertigen, sondern übertrumpfen sich zum Teil taktweise mit Aufschneidersprüchen – call it Tag Team-Rap. „Kommen Said und Mr. F, dann kreischen die Rap-Fans/Die deutsche Antwort auf Method Man & Redman.“ Nicht ganz, aber die lockere Aufnahmeatmosphäre der zwei Spaßvögel schwebt in jeder Spur mit: „Kack mal auf den Abwasch, legt den Teller aus der Hand/Geh da raus und such ne Frau – echte Männer braucht das Land.“ Nicht nur Glück, sondern auch Ladys, Longdrinks und Lieder werden besser, wenn man sie teilt. Die subtile Fanta-4-Anspielung auf „Kennst du?“ oder die Coverversion des 90er-Klassikers „I Wish“ namens „Ditsch“ sorgen zudem dafür, dass die beiden als waschechte Rap-Fans über die Gesamtlaufzeit ordentlich Sympathiebonus dazuverdienen.

Natürlich könnte man nun vergleichbare Projekte, wie etwa „High & Hungrig 2“ heranziehen, um festzustellen, dass der Rahmen aus Party, Pöbeln und Polizei-Stress bei Gzuz und Bonez vielleicht etwas pointierter vorgetragen wird. Oder, dass SSIOs vergleichbar humoristisches Album „0,9“ mit pompösen Hochglanz-Produktionen eine beeindruckende Durchschlagskraft vorweist. „50/50“ ist in diesem Kontext ein Statement des Ungezwungenen – nicht jeder Spruch zieht, nicht jeder Beat ist ein Hit, nicht jede Hook ein Ohrwurm. Doch wenn Said und AchtVier ihre Beute aufteilen, erinnert das ein bisschen an die vorlauten Rotzlöffel in der letzten Stuhlreihe, die den trägen Nachmittagsunterricht mit jovialer Schlagfertigkeit aufhellen. Man merkt: Jungs werden nicht erwachsen, der Humor wird nur schmutziger.