A$AP Ferg – Always Strive And Prosper

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„Always Strive And Prosper“ ist letzten Freitag erschienen und stellt einen vorläufigen Höhepunkt im laufenden Rap-Jahr 2016 dar. Unser Autor Fionn Birr hat das zweite Album von A$AP Ferg etwas intensiver seziert.

Das Risiko des Sidekicks eines großen Rap-Stars war und ist immer, ewig in der Rolle des Vorkosters stecken zu bleiben: Juelz Santana hat sich nie ganz von Cam’Ron lösen können, Laas Unltd. wäre ohne Kool Savas vermutlich immer noch hauptberuflich Kindergärtner und die Symbiose Cro/Danju legen wir hier einmal die Taskleiste des Schweigens. Auch A$AP Ferg befindet sich seit seinem Debüt „Trap Lord“ vor drei Jahren nach wie vor in der Gefahrenzone doch noch als A$AP Rockys Kleiderständer zu enden. Die grimmigen 808-Geschosse und die straßengeschulte Schnodderigkeit seiner ersten Releases ließen A$AP Ferg schnell als eine Art bösen Zwilling von A$AP Rocky dastehen. Weniger präsidial und deutlich schroffer in der Performance untermauerte auch der Nachfolger „Ferg Forever“ Ferguson schnell als das rap-fixierte Hood-Gewissen des A$AP Mob.

Doch stellt „Always Strive and Prosper“ eine Kehrtwende, aber nicht gleich eine Abkehr in seinem Schaffen dar. Schon der Opener „Rebirth“ besagt: „Now that you’re no longer a lord that’s trap, you have graduated to the Hood Pope“. Der Drogenbaron krönt sich zum Papst der Community. Dem schizophrenen Straßenecken-Soundtrack aus tiefgelegten Subbässen, Gruselfilm-Glocken und Drum-Donnerwetter sind stampfenden EDM-Anleihen und clubtauglichen 2000er-Timbaland-Einflüsse gewichen. Mittlere Großraumdisko-Unfälle wie etwa der Ibiza-Irrtum „Strive“ oder schmalziger Murder Inc.-Rap&B wie „I Love You“ bleiben zwar die Label-pleasende Ausnahme, doch muss man keinen Realkeeper-Stammtisch aufsuchen, um die Intention von „Always Strive…“ schon in der leicht überfüllten Gästeliste aufzuspüren: Future, Rick Ross, Skrillex, Missy, Chris Brown, Ty Dolla $ign.

A$AP Ferg, die päpstliche Autorität – und wie real kann man eigentlich sein, seine eigene Mutter zu featuren?

Sieht man von diesen oberflächlichen Formalitäten ab, erstarkt A$AP Ferg auf seinem zweiten Album in jenen Merkmalen, die ihn von jeher als die fokussiertere (lies: differenziertere) Rap-Persona im A$AP-Camp ausmachte: seine Lyrics. Denn neben dem A$AP-Posse-Track „Yammy Gang“, ein typischer Mob-Weirdo mit hypnotischem Melodie-Gemurmel, Hood-Clapping und Adlib-Wahnsinn, oder „Uzi Gang“, der kaltblütige Synthie-Schulterschluss mit Lil Uzi Vert und Marty Baller, ist Ferg immer dann herausragend, wenn er allein und vor allem nicht A$AP Ferg, sondern Darold Ferguson ist. Etwa „Psycho“, ein klassischer NYC-Rap-Song aus Rumpelkisten-Drums, bittersüßem Funk-Loop und Porno-Saxophon über seinen dauer-betrunkenen Unruhestifter-Onkel oder „Beautiful People“, ein lebensbejahende „Black-And-Proud“-Gemeinschaftshymne mit geerdetem Breitbild-Soul-Sample an der Seite von Chuck D und Fergs Mutter (!). Fergenstein, die päpstliche Autorität. Und wie real kann man eigentlich sein, seine eigene Mutter zu featuren? Auch die abschließende Ohrwurm-Ode an seine „Grandma“ offenbart mitreißende Intimität: „All I ever wanted was a minute with my grandma/I would tell her how I made it, listen to me grandma“.

„Always Strive And Propser“ ist der Versuch (in alter 90er-Rapalbum-Manier) Straßen- wie Radiotauglichkeit auszubalancieren, erleidet auf mittlerer Strecke allerdings ein paar Brüche durch die nie aufgehende Köche/Brei-Gleichung, rettet sich aber vor allem durch den Protagonisten vor der zermalmenden Unentschlossenheit. A$AP Ferg ist kein Lord mehr, er ist ein Papst – gebt ihm endlich den Platz, den er braucht!