3x „Stereotypes“, 3x Bass – Symbiz remixen sich selber

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Die beiden Brüder Chris und Buddysym sowie Zhi MC bilden gemeinsam Symbiz – „in erster Linie eine Bassmusik-Band aus Berlin. Die Jungs sind gerade frisch mit ihrer „Airport Accent“-LP rausgekommen und haben sich anlässlich dessen die exotische Aufgabe übertragen, ihren eigenen Hit „Stereotypes“ gleich dreimal zu remixen. Jeder durfte ein Mal. Wir haben mit den Jungs gequatscht und präsentieren die drei Interpretationen als Free Download.

Wer steckt hinter Symbiz?

Symbiz: Symbiz ist in erster Linie eine Bassmusik-Band aus Berlin. Seit ein paar Jahren sind wir zu dritt unterwegs. Live geht es vor allem darum, dem Publikum unsere Produktionen so energetisch wie möglich um die Ohren zu klatschen. Mit self-made Controllern, Vocals und Gitarre. Und das so oft und an so vielen verschiedenen Orten wie möglich. Als Produzenten sitzen wir in Kreuzberg und neben unseren eigenen Projekten arbeiten wir immer wieder mit anderen Leuten zusammen. Wir haben letztes Jahr das Album „Derbe“ mit Denyo produziert, Chris ist Teil des Produzenten-Teams KitschKrieg, das die kürzlich veröffentlichten EPs für Trettmann und Noah Slee geschraubt hat. Außerdem machen wir immer mal wieder Remixe und so weiter. Try to keep it busy.

Ihr wart in der Vergangenheit stark von Musik und Ästhetik aus der Karibik beeinflusst und habt eure Musik selber mit dem Begriff “Future Dancehall” gelabelt. Inzwischen hört man Einflüsse aus aller Welt in euren Songs. Wie kam es zu dieser Öffnung anderen Stilen gegenüber?

Symbiz: Wer nicht offen bleibt, bleibt irgendwann in seinem eigenen Sumpf stecken. Entsprechend haben wir immer nach Neuem und Flashigem gesucht, das wir als Inspiration nutzen konnten. Eine gute Möglichkeit dazu sind Konzertreisen, für uns insbesondere die außereuropäischen nach Afrika, Südamerika und Indien. Dadurch, dass man bei solchen Touren ja immer vorher eingeladen wurde und nicht als Tourist kommt, ist man vor Ort auch automatisch vor allem mit Locals unterwegs. So hat man natürlich einen sehr direkten Zugang zur jeweiligen Szene, wodurch wir die Chance hatten, viel interessantes Zeug aus erster Hand kennenzulernen.

Wer nicht offen bleibt, bleibt irgendwann in seinem eigenen Sumpf stecken.

Diese Einflüsse von euren Reisen kombiniert ihr dann in euren Kreuzberger Studio mit aktuellem Trap- und Future-Bass-Elementen. Wie sieht das konkret aus? Wie kann man sich den Produktionsprozess vorstellen?

Symbiz: Es gibt keine Formel A, die immer zur Anwendung kommt. In der Regel ist es so, dass es quasi einen Hauptverantwortlichen für einen Track gibt – normalerweise derjenige, der den Anfang gemacht hat. Und der baut, solange es ihn kickt oder er denkt, an einem guten Punkt angekommen zu sein und holt sich dann die Meinung, Kritik und Vorschläge der anderen ein. Danach optimiert er oder jemand anderes übernimmt. Diese Feedback-Schleife geht so lange bis der Song geil ist oder irgendwann doch aussortiert wird.

Was haltet ihr vom aktuellen Geschehen in Sachen Bassmusik? Wer sind eure Lieblingskünstler im Moment, wen feiert ihr und warum?

Chris: Für mich persönlich sind HipHop/Rap, UK Grime und Dancehall seit fünfzehn Jahren die Konstanten. Das ganze kommt letztlich vom Reggae und Dub aus Jamaica, was dann die große musikalische Klammer für alle Symbiz-Produktionen bildet. Im Prinzip ist es die einfache Beats- und Rhymes-Formel, die es mit lokalen Eigenheiten vermischt zum Blueprint für weltweite Underground-Kultur macht.

Man kennt euch vor allem für engergetische Liveshows. Wie sieht euer Setup aus und was macht ihr anders als die üblichen Knöpfchendrücker?

Symbiz: Wir tanzen dabei – frenetisch. Obwohl damit natürlich alles erklärt ist, gibt es noch ein paar andere Gedanken, die wir uns gemacht haben. Erstens spielen wir ausschließlich selbst produziertes Zeug, was uns vor allem von DJs unterscheidet. Wir zerlegen unsere Tracks in Einzelspuren und schmeißen sie in Ableton Live. Dazu kommen Samples zum Triggern, ein paar Maxforlive-Patches und fertig ist das Software Setup. Um das Ganze sinnvoll steuern zu können, haben wir uns am Anfang, bevor es explizite Ableton-Controller wie APC gab, einen eigenen Controller gebaut: CTRLRONE. Eine extrem gute und wichtige Entscheidung: a) weil es einfach geil ist, einen eigenen Controller zu haben und b) weil uns das einen instrumentenähnlichen Zugang ermöglicht. Und das verändert natürlich wie wir live spielen. Demnächst werden wir übrigens mit den großartigen Jungs von „Neulant van Exel“ den alten Controller neubauen und einen Zweiten dazu bauen. Und dann wird das Ganze noch wesentlich ausgefuchster. Und geiler. Ausserdem, last but not least, haben wir immer auf die richtige Balance zwischen Computermucke und Live-Elementen geachtet. Buddy klimpert deshalb ja immer so ein bisschen Gitarre dazu, aber vor allem haben wir mit Zhi MC einen Master of Ceremony im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn uns neben Bass und Beats eins wichtig ist, dann die Kommunikation mit dem Publikum und Crowd-Control. Ohne das ist alles andere auch irgendwie lahm.

Abschließend: Woran arbeitet ihr aktuell und was ist geplant?

Symbiz: Wir haben ja gerade unser zweites Album „Airport Accent“ auf SoulForce Records rausgebracht und sind sehr happy damit. Aber nach einem Release ist natürlich vor dem nächsten. Entsprechend arbeiten wir ständig an neuem Material. Als nächstes an einer EP – mit Zhi MC auf kantonesisch! Das klingt unglaublich freaky und wird mega – wartet’s ab. Aktuell haben wir noch eine EP mit Beats auf Halde, die von afro-venezolanischer Tambor-Rhythmik inspiriert ist und bald rauskommen wird. Ausserdem läuft natürlich Chris’ Arbeit mit KitschKrieg beständig weiter und wir produzieren auch anderweitig für Externe. Da werden wir aber noch nicht drüber sprechen. Nur so viel: Es kommen noch ein paar verrückte Sachen dieses Jahr, versprochen.

Z

Z Remix

Zhi MC: Die Grundidee entstand, als ich mit meiner Familie im Vietnam war und total gejetlagt im Wohnzimmer meiner Oma saß. Ich kaufte mir ein kleines Midi-Keyboard und fing an, ein paar Chords auf die Vocal-Spuren zu klimpern, die sehr sphärisch wurden – wahrscheinlich wegen des tropischen Klimas. Von den Chords habe ich mich leiten lassen und Schlagzeug, Bass und Melodie dazu geschraubt. Das führte dazu, dass der erste Drop in eine “Leere Zeitlupe” fällt, was ich sehr stark finde. Man kann mit Leere genau so eine Energie erzeugen, wie mit einem “brachialen In-die-Fresse-Dubstep-Drop”. Nach dem ersten, leeren Fall konnte ich den zweiten Drop nicht nochmal so stehen lassen, weil die Überraschung nicht mehr da gewesen wäre. Also dachte ich mir: „Dann bau‘ doch einfach ’n Juke-inspirierten Drop“. Fand ich gut und fertig war mein persönlicher Remix von unserem „Stereotype“.

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C Remix

Chris: Ich wollte dem Ganzen einen RnB-Vibe geben, der sich dann in einen von Dancehall inspirierten Drop verwandelt. Habe ich gemacht.

B

B Remix

Buddy: Als die Idee aufkam, jeden von uns einen „Stereotypes“-Remix schrauben zu lassen, hatte ich gerade ein paar von Baile-Funk-Rhythmen inspirierte Beat-Skizzen gemacht. Ohne konkreten Plan etwas davon zu releasen, sondern einfach als Experiment, um neue Ideen zu finden. Bei der Suche nach einem guten Ansatz, der a) versprach, interessant, und b) weit genug vom Original entfernt zu sein, lag es nahe, einen der aktuellen Sketches zu verwenden. Eine Herausforderung war dabei vor allem die ziemlich binär gesungenen Vocals auf einen fast triolisch geshuffelten Beat zu biegen. Erst ein bisschen Pain-in-the-Ass, aber am Ende doch ein sehr fruchtbarer Prozess, durch den ich gezwungen war, sowohl Beat als auch Vocals mehrmals durch die Mangel zu drehen bis es schließlich eine Einheit ergeben hat. Dadurch ist der Remix musikalisch ein bisschen weird geworden. Aber gut weird, wie ich finde. Und gut weird ist ja unterm Strich eine absolut positive Eigenschaft, oder? Auf jeden!