„Huss & Hodn haben mir Ideale gegeben.“ – #blueprint mit 3Plusss

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3Plusss hat einen „Gottkomplex“. Oder auch: 3Plusss hat am Freitag sein neues Album veröffentlicht. Schlechter gelaunt als je zuvor, hat der Essener darauf seinen Sound gefunden. Nachdem er bereits auf der EP „Auf der Stelle“ prächtig mit dem Produzenten-Team We Do Drums (einzeln bekannt als Bennett On und Peet) harmonierte, geht diese Kombination auf auf „Gottkomplex“ wieder auf. Das sein Sound und seine Attitüde nicht von ungefähr kommen, zeigt der musikalische #blueprint des Battlerappers a.D. – in dem Eminem, Savas und Kollegah genauso auftauchen wie Huss & Hodn und Lance Carvell.

01

Eminem – My Name Is

Eminem war für mich ein großer Held, weil er rumgelaufen ist, alle angepöbelt und dabei gut gerappt hat. Ich war acht oder neun als der Song rauskam, und habe auch nichts vom Text verstanden. Mich hat eher seine Energie mitgerissen. Der hat ganz extrem dieses „Anti-Sein“ ausgestrahlt. Dabei ging es mir auch nie um seine Hautfarbe. Also, dass er da als „White Boy“ reinkommt ins Game und alles umkrempelt, das hätte von mir aus auch ein Asiate sein können. Ich fand’s einfach geil, dass ein Typ um die Ecke kommt, dem alles scheißegal ist und jeder soll sich ficken, wenn er ihn nicht da haben will. Das habe ich ja damals schon mitbekommen, dass er als weißer Rapper kritisiert wurde, weil er sich angeblich an deren Kultur bereichern wollte. Dann trat er ja gleichzeitig irgendwann in die Popwelt ein und musste da auch die ganze Zeit die Ellbogen ausfahren. Familienintern hat er dann auch noch Stress mit seiner Mutter, die ihn verklagt, seine Frau betrügt und verlässt ihn und der Typ ist einfach komplett am Arsch. Und zeitgleich ist er aber mega erfolgreich und verliert sein Lachen dabei nicht und das hat mich damals schon mitgerissen. Erst später habe ich dann auch Sachen wie „Hi Kids, do you like violence?“ verstanden und es dann noch mehr gefeiert, weil das auch genau mein Humor war.


02

Kool Savas – Haus und Boot

Das war tatsächlich der erste Deutschrap-Song, den ich wirklich bewusst gehört habe. Klar hatte ich vorher schon Fanta4 und die Beginner am Rande mitbekommen, aber auch nur weil es im Radio lief. „Haus und Boot“ hatte sich auf irgendeine „Just the Best“- oder „Bravo Hiphop“-Compilation verirrt und ich habe den Song erst nicht verstanden. Ich bin ja auch nicht mit Rap aufgewachsen. Also bei mir zu Hause wurde kein Rap gehört und ich habe nicht gerafft, warum der sowas sagt wie „Ich brech‘ dich in der Mitte durch wie Plätzchen“. Ich habe die Energie aber so mega gefeiert und erst später gerafft, worum es eigentlich ging. Der Song lief aber echt ewig bei mir rauf und runter. Ich habe dann damals schon mit zehn Jahren versucht sowas ähnliches zu schreiben, das hat aber natürlich nicht so gut geklappt. Aber ich war seit dem davon fasziniert, wie eklig man mit Worten sein kann. Ich habe auch einfach gemerkt, er kanalisiert da irgendeine Form von Frust und das hat mich gecatcht.


03

Lance Carvell – Kotzen 05

Laca habe ich damals im rap.de-Forum für mich entdeckt. Ich habe mich da nämlich angemeldet, nachdem ich so angefixt von Battle-Rap war und habe versucht bei Text-Battles mitzumachen. Ich hatte zu der Zeit auch kein Equipment oder jemanden, mit dem ich mich über Rap austauschen konnte. Ich war ziemlich alleine mit meiner Rap-Liebe und habe dann einfach Zuflucht im Internet gesucht. Dann habe ich Laca eines Tages durch Zufall im Forum entdeckt und war mega geflasht. Auch, dass das einfach jemand aus dem Forum war. Internet-Rap hatte bis dahin nicht für mich existiert. Das war der erste Typ, den ich für mich entdeckt habe und krass fand und der dann einfach ein Profil hatte, auf dem ich ihn anschreiben konnte. Ich glaube, ich habe das damals sogar getan und ihm gesagt, wie gut ich ihn finde. Ich finde den Song auch heute noch immer noch krass. Ich habe das Anfang des Jahres wieder für mich entdeckt, nachdem ich es voll lange nicht mehr gehört hatte und habe mich voll gefreut. Heute ist er auf anderen Pfaden unterwegs, auch wenn er immer noch krass ist, aber damals war das für mich so ein Savas 2.0 und er hatte immer wahnsinnige Vergleiche und Punchlines. Das hat mich sehr inspiriert und von dem Moment an habe ich diese ganze Rap-Sache auch selbst ins Auge gefasst und dachte: „Mal gucken, wie weit das so geht.“ Für mich war Untergrund bis dato immer Berlin und Royal Bunker und sowas. Aber der echte Untergrund, das waren eigentlich solche Leute. Irgendwo aus Franken kommt der und lädt seinen Scheiss in Foren hoch und es ist einfach richtig gut.


04

Kollegah – Intro

Das Ding hat meinen Verstand gesprengt. Ich habe das damals nur auf Verdacht gekauft. Ich stand im Laden und habe mich daran erinnert, dass ich in der Juice eine positive Review darüber gelesen habe. „Mixtape des Monats“ oder so. Und ich lese so die Tracklist und da stehen Sachen wie „Fick deinen Fame“ oder „Ich geb keinen Fick“ – aber ich hatte bis dato noch nichts von ihm gehört. Was mir dann aber eingefallen ist, war, dass ein Kollege in der Schule mir RBA-Battles von Kollegah gezeigt hatte und meinte „Das ist Kollegah!“ Ich hatte aber verstanden „Das ist ein Kollege.“ und meinte dann einfach nur aus Höflichkeit: „Krass, der rappt richtig gut!“ – habe das da aber gar nicht richtig mitgeschnitten. Dann habe ich mir die Platte aber gekauft, weil mir das diese Situation wieder ins Gedächtnis gerufen hat. Das Intro hat mich damals schon komplett weggefickt. Das ist der Kollegah, den ich lieben gelernt habe. Das was der heute macht, das finde ich nicht mehr gut. Das sind mir zu viele Balladen und zu viel Pathos. Das war damals der Typ, der zehn Yachten hat. Ey, erzähl mir mehr davon, da ging es mir echt nie um Realness, der hätte so weit ausholen können wie er will. Ich fand das einfach richtig gut und unterhaltsam. Ich habe das Gefühl, nachher ging es ihm dann doch zu viel um Kredibilität. Damals war ihm das egaler. „Boss der Bosse“ war aber wirklich richtig, richtig krass. Kollegah hat damals bei mir auch eine ganz große Liebe für Wortästhetik hervorgerufen.

05

Huss & Hodn – Yo Kurt

Das war auch wieder so ein spontaner Kauf. Da habe ich wieder auf die Tracklist im Saturn geguckt und hatte auch wieder in der Juice davon gelesen. Das war glaube ich eine „Demo des Monats“ damals oder so. Dann habe ich die Titel „Pornofilmkäse“ und „Hurensohnologie“ gesehen und dachte: „Das kann eigentlich nur gut sein.“ Und bei „Pornofilmkäse“ hatte ich dann echt kleine Freudentränchen. Ich wusste nach dem Song, dass der Rest der Platte richtig geil wird. Kennst du das? Du hörst den ersten Song und du bist dir 100% sicher, die nächsten 50-60 Minuten werden ein Genuss. Diese Platte hat mir das erste Mal irgendeine Form von Idealen vermittelt. Ich hatte damals noch keinen einzigen Song aufgenommen, sondern nur so Text-Battles gemacht, aber ich hatte es mir fest vorgenommen. Und dieses Album war damals sehr wichtig für mich in der Zeit, weil sie mir vermittelt haben, dass das alles Quatsch war, was da draußen passiert und dass ich es zu recht scheiße finde. Ich wusste nicht, warum ich so vieles scheiße fand, aber ich tat es. Und die haben mir dann dazu die Erklärung geliefert. Zum Beispiel, dass Rapper Durag getragen haben oder diese übergroßen Klamotten oder Songs für den Club machen. Das ist doch alles scheiße. Aber weil ich niemanden hatte, mit dem ich mich darüber austauschen konnten, habe ich mir da mein State of Mind selber erarbeitet, der war dann natürlich auch sehr begrenzt. Und Huss & Hodn haben mir damals das erste Mal Ideale gegeben.